Donnerstag 13. Dezember 2018

Sie war für mich das Weltaufmachende

Frau des 19. Jahrhunderts

Frauenbilder in der Literatur. Auf diese Spur begaben sich drei Linzer Autorinnen am 6. März 2015 bei einer Lesung im Bildungs- und Begegnungszentrum Haus der Frau. Anlass dazu gab der Internationalen Frauentag.

Dr.in Christine Schmidhofer erforschte den Roman „Madame Bovary“ des  französischen Schriftstellers Gustave Flaubert, Dr.in Claudia Stangl-Taller Arthur Schnitzlers Novelle „Fräulein Else“ und Renate Perfahl vertiefte sich in die Literatur Thomas Bernhards. Schmidhofer, Stangl-Taller und Perfahl gehören dem Linzer AutorInnenkreis an. Die Schülerin des Linzer Stifter Gymnasiums Eunice Chan gestaltete den Abend mit Klaviermusik aus der Zeit der jeweiligen Schriftsteller.

 

Lesung am Internationalen Frauentag im Haus der Frau auf den Spuren von Frauen in der Literatur.
Die Pianistin Eunice Chan vom Linzer Stifter Gymnasium.
Autorin Renate Perfahl war Thomas Bernhard und seinem Frauenbild auf der Spur.
Romanfigur Frau Bovary beschäftigte Autorin Christine Schmidhofer.

 

Madame Bovary berichtet aus sich selber heraus


Mit dem Roman „Madame Bovary“ stellte Flaubert Mitte des 19. Jahrhunderts die bisher gültigen Romankonzeptionen auf den Kopf. Er entwickelte einen Schreibstil, der keine Position für einen Protagonisten / eine Protagonistin übernimmt, keine subjektive Wertung zulässt, so objektiv wie möglich schreibt. Die Figuren berichten aus sich selbst heraus. So schildert er das Leben der Madame Bovary in ihrer Abhängigkeit von gesellschaftlichen und sozialen Bedingungen. Er beschreibt den Prozess einer Frau in ihrer Ehe, in Beziehungen, mit psychischen und finanziellen Schwierigkeiten und gewinnt dadurch auch für heute an Aktualität.

 

Fräulein Else ringt um Selbstbestimmung

 

Die Zeit Arthur Schnitzlers Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhundert war geprägt von vielen Veränderungen. Maler wie Klimt und Schiele provozierten mit ihren Bildern. Konnten Frauen vor 1897 nur außerordentliche Hörerinnen an den Universitäten sein, habilitierte sich 1907 Elise Richter als erste Frau an der Universität Wien. Die Novelle „Fräulein Else“ ist im 19. Jahrhundert angesiedelt. Arthur Schnitzler beschreibt darin als 62-jähriger einen inneren Monolog einer 19-jährigen Frau, die zwischen den Ansprüchen der Männerwelt hin und her gerissen ist und um Selbstbestimmung ringt. Else findet keinen Weg ins Freie und weg von der Selbstbestimmtheit. Vielleicht hätte die Novelle anders ausgesehen, wenn sie bereits im 20. Jahrhundert gespielt hätte.

 

„Sie war für mich das Weltaufmachende“

 

Das Frauenbild von Thomas Bernhard war geprägt durch seine Kindheitserfahrungen. Er schildert seine Kindheit als schrecklich. Gewalt ging dabei immer von Frauen aus. Den Konflikten mit seiner Mutter gibt er in seinen Werken „Ein Kind“ oder „Frost“ viel Raum. Erst in seiner zweiten Lebenshälfte lernte er seine Lebenspartnerin Hedwig Stavianicek kennen. Diese Frau war viel älter als er. Für ihn war es seine engste Vertraute. In „Wittgensteins Neffe“ beschreibt er sie ausführlich und sagt über sie: „Sie war für mich das Zurückhaltendste, das Disziplinierteste, das Weltaufmachende. Sie war ein zentraler Punkt. Sie war eine Lebensfreundin, der ich nicht nur sehr viel, sondern mehr oder weniger alles verdanke. Die Kraft und Überleben habe ich von ihr bezogen.“ „Der Bogen des Frauenbildes von Thomas Bernhard fasziniert, weil er sich doch noch der Liebe geöffnet hat“, so die Autorin Perfahl im Haus der Frau.

 

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Eder-Cakl, Gabriele, Haus der Frau (ma)

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