Monday 12. April 2021

Segnungsverbot aufheben, Sexual- und Beziehungsethik reformieren

Hand und Regenbogen

[Wien/Köln/Düsseldorf/Bozen/Luzern, 1.4.2021, PA] In einem offenen Brief an die Glaubenskongregation der katholischen Kirche rufen die Vorsitzenden der fünf deutschsprachigen katholischen Frauenverbände die Glaubenskongregation dazu auf,  das am 15. März 2021 neuerlich ausgesprochene Verbot einer Segnung homosexueller Paare aufzuheben. Mit der Stimme von gemeinsam rund einer Million Mitgliedern fordern die Vorsitzenden der Katholischen Frauenbewegung Österreichs (kfbö), des Schweizerischen Katholischen Frauenbunds (SKF), der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd), des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB) sowie der Katholischen Frauenbewegung Südtirols (kfb) weiter eine Erneuerung der Sexual- und Beziehungsethik der katholischen Kirche.

 

Der Auftrag der Kirche, als Heilszeichen in der Welt wirksam zu sein, verlange, sich gegen Homophobie zu wenden und sich für Geschlechtergerechtigkeit, auch auf Grundlage der Humanwissenschaften, einzusetzen, heißt es in dem offenen Brief. Denn diese werfe ein neues Licht auf den Schöpfungsplan. Es brauche eine „Anerkennung der Lebenswirklichkeit von Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen und die Vielfalt des Menschenscheins in Gottes guter Schöpfung, die nicht auf Frauen und Männer reduzierbar ist“.

 

Die Frauenverbände appellieren an die VerantwortungsträgerInnen in der kirchlichen Hierarchie, mit dem Kirchenvolk in seiner ganzen Breite und Vielfalt in einen offenen Dialog über eine Reform der kirchlichen Lehre zu treten, „die sich an der Liebe Gottes zu dem ihm ebenbildlichen Menschen orientiert“, und diesen Dialog auf allen Ebenen voranzutreiben.

 

Auftrag der Kirche sei es, „die Liebe Gottes in der Welt sichtbar zu machen und heilbringend für die Menschen zu wirken“, so die Frauenverbände in dem offenen Brief: „Vom Segen, in dem die Liebe Gottes sicht- und spürbar zugesagt wird, kann niemand ausgeschlossen werden“. Gottes Liebe sei allen Menschen zugesagt, unabhängig von ihrer sexuellen Ausrichtung: „Sie diskriminiert nicht, sie (ver-)urteilt nicht“. Sexualität als Teil von Gottes guter Schöpfung impliziere, dass verantwortete sexuelle Liebesbeziehungen nicht auf die Ehe reduziert werden können. Darüber hinaus könne „jede auf Dauer, in Liebe, Sorge und Verantwortung füreinander angelegte Beziehung Kindern den für ihr Leben und Heranwachsen notwendigen Raum und Schutz bieten“.

 

Die Kirche solle in ihren Heilsraum einladen und nicht ausgrenzen, so die katholischen Frauenverbände: „Wo sie Menschen ausgrenzt, stellt sie ihre Glaubwürdigkeit infrage und diskreditiert jene Glaubenden, die sich zu ihr bekennen und mit ihrer Arbeit und ihrem Leben Zeugnis ablegen“.

 

In dem offenen Brief erklären sich die Frauen solidarisch mit allen, „die sich für Respekt und Gerechtigkeit gegenüber gleichgeschlechtlich liebenden Menschen engagieren und in diesem Sinn für eine Weiterentwicklung von Sexual- und Beziehungsethik eintreten.“

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