Samstag 19. Januar 2019

100 Jahre Frauenwahlrecht

Am 12. November 1918 wurde das "allgemeine, gleiche, direkte und geheime Verhältniswahlrecht aller Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts" gesetzlich verankert. 

Der 16. Februar 1919 ist ein bedeutender Tag für Österreich. Bei der ersten Nationalratswahl der neuen Republik sind Frauen erstmals wahlberechtigt und für den Nationalrat wählbar. Dem Erlangen des Wahlrechts für Frauen ging ein langer Kampf voraus. 


Im Revolutionsjahr 1848 wurden erstmals Stimmen von unzufriedenen Frauen laut, die gemeinsam mit den Männern auf die Straße gingen und bessere Arbeitsbedingungen sowie demokratische Grundrechte forderten. Auf erste frauenpolitische Aktivitäten folgte 1867 der Rückschritt: der Ausschluss von Frauen aus politischen Vereinen wurde gesetzlich festgeschrieben.

 

Daraufhin gründeten sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche Frauenvereine, die sich die Verbesserung der Bildung von Mädchen und Frauen zum Ziel setzten, um so deren Selbstbestimmung zu fördern. Einige Frauenvereine traten offiziell als Wohltätigkeitsvereine auf, widmeten sich aber auch gesellschaftspolitischen Fragen.

 

In Linz gründete die Sozialdemokratin Marie Beutlmayr den Arbeiterinnen-Bildungsverein. Auf der anderen Seite des politischen Spektrums engagierte sich Franziska (Fanny) Starhemberg aus Eferding, die zur Funktionärin verschiedener katholischer Frauenvereine und zu einer wichtigen Figur in der katholischen Frauenbewegung wurde. 


Im Dezember 1906 beschloss der Reichsrat das allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht für Männer. Die Frauen mussten weiter warten. Während des Ersten Weltkrieges waren Frauen im Alltag so präsent wie nie zuvor und aus vielen Bereichen der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken. Dies führte 1918 letztlich zum Beschluss, das Frauenwahlrecht einzuführen. 


Nach der ersten Nationalratswahl 1919 zogen 8 Frauen ins Parlament ein: die sieben Sozialdemokratinnen Anna Boschek, Emmy Freundlich, Adelheid Popp, Gabriele Proft, Therese Schlesinger, Amalie Seidel und Marie Tusch, und die christlich-soziale Politikerin Hildegard Burjan. 

 

Tipp: Die Katholische Frauenbewegung Österreichs organisiert von 23. bis 28. August 2019 eine Frauenreise nach Dresden & Görlitz, die von Hildegard Burjan inspiriert ist. Görlitz ist der Geburtsort der ersten christlich-sozialen Abgeordneten im österreichischen Parlament, die 2012 im Wiener Stephansdom seliggesprochen wurde.

 

Hier gibt´s mehr Infos zur Reise. 
 

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