Thursday 25. April 2019

Hoffnung für die Gesellschaft aus Judentum, Christentum und Islam

Regina Polak erinnert an Hoffnung aus Judentum, Christentum und Islam.

Jüdinnen, Musliminnen und Christinnen – interreligiöse Begegnung für Frauen im Haus der Frau am 20. März 2019

„Die Konfliktzonen verlaufen derzeit weniger zwischen den Religionen als zwischen Menschen, die sich für Frieden, soziales Engagement, und Lösungen einsetzen und anderen Menschen, die für nationalistische Identitätspolitik, Leistungsgerechtigkeit und Exklusion stehen.“, sagt Assoc. Prof. MMag. Dr. Regina Polak MAS, Associate Professor am Institut für Praktische Theologie der Katholisch-Theologischen Fakultät der Uni Wien aufgrund ihrer Forschungen zur Europäischen Wertestudie. Angesichts der täglichen Schlagzeilen, die uns weismachen möchten, dass Religionen grundsätzlich gefährlich oder zumindest problematisch seien, erinnerte sie an drei wesentliche Beiträge der Religionen für die Gesellschaft:

  1. Werte: Polak spricht lieber von Ethik, welche in allen drei monotheistischen Religionen zentrale Aussagen zum Umgang mit dem Menschen und der Schöpfung machen. Werte dürfen Menschen nicht instrumentalisieren, sondern sollen z. B. für soziale Standards und Gerechtigkeit sorgen, für gleiche Rechte für alle Menschen usw. Der Glaube an Gott und Ethik seien in Judentum, Christentum und Islam untrennbar verbunden und daher eine Basis, über die man bei verschiedenen ethischen Ansätzen gut diskutieren könne.
  2. Soziale Gemeinschaften: die Gemeinden in Moscheen, Kirchengemeinden und Synagogen haben das Potenzial Menschen durch das Leben zu begleiten, zu stärken und Resilienz aufzubauen. An den anderen Gemeindemitgliedern kann man sich orientieren, in der Gemeinschaft wird man aufgefangen, wenn es einmal nicht so gut geht und man erinnert die Geschichte der Glaubenden mit Gott und erhält Handlungsmöglichkeiten und Modelle, wie das eigene Leben gestaltet und gemeistert werden kann. „Außerdem sind die Gemeinden neben den Familien das Feld, wo Solidarität gelernt werden kann“, so Polak.
  3. Sinn: Hoffnung entsteht indem durch die Erinnerung an die Geschichten der Heiligen Schriften dem Leben Sinn gegeben wird. Die Zeitdimension bekommt eine andere Bedeutung für Glaubende, weil sie in die Ewigkeit Gottes eingewoben werden. "Judentum, Christentum und Islam haben eine andere Zeitwahrnehmung - Zeit ist der geschenkte Raum - die Gabe, mit der wir verantwortungsbewusst umgehen sollen", meint Polak.  Die allgemeinen Lebensfragen, „Woher komme ich? Was ist meine Aufgabe im Hier und Jetzt? Und wohin gehe ich?“ erhalten Antworten und Sinn. Es sind andere Perspektiven, die Halt und Kraft geben und über das Leben jetzt hinaus verweisen, sowie dem Zusammenleben in Frieden, Freiheit und Solidarität ein Ziel geben. „Offenbarungsreligionen spenden Hoffnung gegen Unterdrückung, Zwang und Bedrohungen.“ Hoffnung befreit zu einem angstfreien Leben und stärkt und ermutigt zum Handeln für die Menschen und die Gesellschaft.

Die Geschichten der Heiligen Schriften helfen, aktuellen Mainstream kritisch zu beurteilen. Ein wichtiges Kriterium ist dabei das Kriterium der Freiheit. In allen Religionen geht es darum, dass Menschen frei werden für ein gutes Leben in funktionierenden friedlichen Gemeinschaften und Vielfalt, wo sie frei sind für Gott und die Menschen zu leben, sich zu engagieren usw. Totalitäre Regime haben immer religiöse Gemeinschaften zerstört, Werte instrumentalisiert und Freiheit beschnitten, für  kurzfristige fragwürdige machtorientierte Ziele.

 

Warum wir Hoffnung brauchen?

Polak: „Die Europäische Wertestudie hat gezeigt, dass die Menschen in Europa dzt. keine Zukunftsperspektive sehen, es gibt keine positive Vision von der Zukunft". Man möchte eher das Gute verlängern. Aber was darüber hinaus sein wird, ist eine offene Frage angesichts von Klimawandel, Wirtschaftskrisen, Kriegen in der Welt usw. „Hoffnung generiert sich in den Religionen aber auch gesellschaftlich im Angesicht der Katastrophen - biblisch betrachtet oder auch im Angesicht des Holocaust und des Krieges.“ Hoffnung ist dort zu finden, wo das Leben und seine schwierigen Situationen ehrlich angeschaut werden, den Problemen nicht ausgewichen wird. Im Vertrauen auf Gott und die Erfahrungen der glaubenden Menschen und orientiert an den zehn Geboten wird nach Lösungen gesucht. Das stärkt Menschen, wenn sie sich Gott, der Liebe und Barmherzigkeit und der Hoffnung auf ewiges Leben überlassen. Eine solche Grundhaltung ermutigt zum Tun und zum Engagement für Andere, ist Hoffnung für die Gesellschaft. Wir formulieren in der christlichen Liturgie Erinnerung der Gottesgeschichte mit dem Menschen, Vergegenwärtigung der Gottesbeziehung, das Beziehungsgeschehen zwischen Gott und Mensch, und es ist uns ein guter Ausgang zugesagt", das ist ein sehr spiritueller Zugang.

 

Text: Monika Greil-Payrhuber, MA

Foto: © Michaela Greil/MIG-Pictures e. U.

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