Monday 26. September 2022

„Tröstet, tröstet mein Volk!“ Jes 40,1

Bibelpastorale Studientagung 2022

Von Donnerstag, 25. bis Samstag 27. August fand im Schloss Puchberg in Wels die österreichweite Bibelpastorale Studientagung statt, die wir gemeinsam mit dem Österreichische Katholische Bibelwerk (ÖKB) und dem Bildungshaus Schloss Puchberg alle zwei Jahre veranstalten.

 

Hauptreferent Prof. Dr. Ulrich Berges
MMag. Dr. Reinhard Sticksel, Leiter des Bibelwerks Linz
Weihbischof Anton Leichtfried
Prof. Dr. Gerhard Langer
Dr.in Elisabeth Birnbaum, Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerks

 

Hauptreferent Prof. Dr. Ulrich Berges gewährte an diesen drei Tagen den 110 Teilnehmer/innen unter dem Titel „Tröstet, tröstet mein Volk!“ tiefe Einblicke in das Buch Jesaja. Dabei ist eines seiner Anliegen, das Buch nicht nur zu analysieren, sondern wie eine Kathedrale auch als Gesamtwerk zu betrachten, das aus der Hand mehrerer Baumeister hervorgegangen und über einen Zeitraum von rund 400 Jahren (700–300 v. Chr.) entstanden ist. Es gehe nicht um die Suche nach den authentischen Aussagen des Jesaja ben Amoz, sondern jener nach der Gesamtaussage des Buches.

 

Gut nachvollziehbar wurde die Situation Israels – eingeklemmt zwischen den Großmächten und durch das Exil stark dezimiert – geschildert. Mit der Aufforderung, trotzt der Aussichtslosigkeit der eigenen Situation am JHWH-Glauben festzuhalten, schlug Prof. Dr. Berges eine Brücke zur kirchlichen Situation von heute. Besonders der Hoffnung, dass im Blick auf die Völkerwallfahrtsvisionen Potential für unsere Zukunft steckt, verlieh er wiederholt Ausdruck. Dieses Bild steht als Gegenkonzept zu einer gesundgeschrumpften Herde, die sich als die einzige und die wahre Kirche versteht. Denn in der Völkerwallfahrtsvision des Jesaja wird gemeinsame Anbetung jenseits aller formeller Kirchenzugehörigkeit und jeglicher Zulassungsbedingungen möglich. Ebensowenig geht es darum, andere zum JHWH-Glauben zu zwingen, sondern durch die eigene Strahlkraft von Gerechtigkeit und Frieden für andere attraktiv zu sein.

 

Prof. Dr. Gerhard Langer

 

Doch nicht nur zur aktuellen kirchlichen Situation wurden Bezüge hergestellt.Donnerstag Nachmittag nahm uns der Wiener Judaist Prof. Dr. Gerhard Langer mit in die Jesaja-Rezeption unserer älteren Glaubensgeschwister im Judentum.
Dort wird Jesaja nicht nur weniger rezipiert als im Christentum, die meistzitierten Stellen, die die messianische Hoffnung zum Inhalt haben, haben im Judentum kaum Bedeutung gefunden. Die Funktion Jesajas als Hoffnungsprophet wird dennoch deutlich. So hört man Jesaja an den sieben Sabbaten mit Feiercharakter die dem strengen Fast- und Trauertag am Tisch’a beAw, dem 9. Aw (im Gregorianischen Kalender im Juli/August) folgen, an dem der Tempelzerstörung gedacht wird.

 

Dr.in Elisabeth Birnbaum, Direktorin des Österreichischen Katholischen Bibelwerks

 

Die Direktorin des ÖKB Dr.in Elisabeth Birnbaum unternahm am Freitag einen Streifzug durch die Rezeptionsgeschichte des Buches Jesaja. Alleine im Neuen Testament finden sich über 400 Bezüge auf den Text. Doch sie blieb nicht bei den frühchristlichen Schriften stehen. Besonders reich stellte sich auch die Rezeption in der bildenden Kunst und der (Kirchen-)Musik dar. Der Vortrag wurde begleitet von Jesaja-Darstellungen aus unterschiedlichen Epochen und Hörbeispielen aus Händels Messias und Brahms Deutschem Requiem.

 

Am Freitag wurden wie gewohnt auch Workshops von den diözesanen Bibelreferent/innen angeboten, in denen die Teilnehmenden die Gelegenheit hatten, die Inhalte zu vertiefen, persönliche Bezüge herzustellen und sich ganzheitlich mit einzelnen Textpassagen auseinanderzusetzen.

Zu den Fixpunkten gehörten auch die gemeinsamen Gebetszeiten – gerahmt von zwei Gottesdiensten mit Weihbischof Anton Leichtfried und Bischofsvikar Hans Hintermaier.

 

 

In allen Elementen der Tagung wurde spürbar, wie sehr dieses zweieinhalb Jahrtausende alte Buch für unser Leben heute weiterhin bedeutsam bleibt. Die Botschaft der Hoffnung trotz aller Widerstände, das Festhalten am Glauben und die praktischer Umsetzung dessen in Gerechtigkeit und Frieden sowie die Offenheit für Hinzukommende, waren in den Pausen- und Tischgesprächen Anknüpfungspunkte zum eigenen Leben und der eigenen Glaubenspraxis.

 

Wer die Tagung verpasst hat, kann Teile der Inhalte im Buch „Jesaja – Der Prophet und das Buch“ nachlesen – und möge sich dabei den fesselnden Vortragsstil des Autoren innerlich vorstellen.

 

Die nächste Bibelpastorale Studientagung findet von 22. – 24. August 2024 zum 1. Korintherbrief wieder im Bildungshaus Schloss Puchberg statt. 

 

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