Friday 14. May 2021

Zahlen & Fakten

 

Arbeitslosigkeit aktuell - April 2021
 

In Österreich:
Ende April 2021 sind in Österreich 355.382 Menschen arbeitslos gemeldet, das sind um 166.871 oder 32 % weniger gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr, aber noch immer um 76.000 mehr als vor Beginn der Corona-Krise.

 

  • Inklusiver verdeckter Arbeitslosigkeit sind etwa 479.500 Menschen auf Arbeitssuche (inkl. SchulungsteilnehmerInnen, etc.). 
  • Offene gemeldete Stellen: 81.028, das ist ein Plus von 27.182 oder 50,5 % gegenüber dem Vorjahr.
  • Etwa 65.100 junge Menschen (unter 25 Jahren) sind in Österreich arbeitslos, in Schulungen oder suchen eine Lehrstelle.

 

In Oberösterreich:
Ende April 2021 sind in Oberösterreich 36.252 Menschen arbeitslos gemeldet, das sind um 21.863 oder 37,6 % weniger gegenüber dem Vergleichszeitraum im Vorjahr, aber noch immer um 6.000 mehr als vor Beginn der Corona-Krise.

 

  • Inklusive verdeckter Arbeitslosigkeit sind etwa 50.700 Menschen auf Arbeitssuche (inkl. SchulungsteilnehmerInnen, etc.)
  • Offene gemeldete Stellen: 22.162*, das ist ein Plus von 7.769 oder 54 % gegenüber dem Vorjahr. 
  • Etwa 7.800 junge Menschen (unter 25 Jahren) sind in Oberösterreich arbeitslos, in Schulungen oder suchen eine Lehrstelle. 

* offene Stellen von Personalüberlassungsfirmen werden mehrfach gezählt.

 

Jugendarbeitslosigkeit aktuell

Die Realität ist, dass 3.900 Lehrstellensuchende auf 1.330 offene Lehrstellen kommen. Verfolgt man die Medien zur Lehrlingssituation scheint von zwei verschiedenen Welten die Rede zu sein. Oberflächlich betrachtet gibt es in OÖ mehr offene Lehrstellen (1.331) als Lehrstellensuchende (546). Beim genaueren Hinsehen sieht die Realität aber anders aus. 
Viele junge Menschen suchen händeringend nach einem Ausbildungsplatz, schreiben zahlreiche Bewerbungen und werden - nicht nur Corona bedingt - ganz selten zu Gesprächen eingeladen, um persönlich von ihrer Motivation zu überzeugen. Und dann müssen sie noch den Auswahlprozess, der einer Bestenauslese gleicht, überstehen.
Für realistische Zahlen sind noch arbeitslos Gemeldete und SchulungsteilnehmerInnen unter 19 Jahren sowie Jugendliche in einer überbetrieblichen Lehrausbildung dazuzuzählen. Somit sind 3.901 junge Menschen auf der Suche nach einer passenden Stelle.
Die Zahl der Lehrstellen in Österreich ist nicht nur aufgrund der Demografie von 194.089 im Jahr 1980 auf 108.416 im Jahr 2020 zurückgegangen (-85.673 oder -44%). Toll ist jede Initiative, die der Lehre nun wieder mehr Bedeutung geben will. Denn jeder junge Mensch auf Lehrstellensuche braucht eine Chance! 

(Zahlen aus Statistik von AMS und WKOÖ)
 

 

Arbeitslosigkeit 2020
Die Corona Krise hat im Jahr 2020 zu einer dramatischen Entwicklung auf dem österreichischen Arbeitsmarkt geführt. Im April war die Zahl der arbeitslosen Menschen so hoch, wie noch nie zuvor. In den Folgemonaten war die Arbeitslosigkeit leicht rückläufig, lag jedoch weit über dem Niveau der Vorjahre. Seit Herbst steigt jedoch wieder deutlich die Zahl der arbeitslosen Menschen. 

 

  • Im Jahresdurchschnitt waren 409.639 (+35,9%) Menschen lt. AMS arbeitslos gemeldet und 57.107 Personen in Schulungen.
  • Die verdeckte Arbeitslosigkeit inkl. SchulungsteilnehmerInnen, arbeitslose Menschen im Krankenstand, etc. lag um etwa 103.200 höher.
  • So waren tatsächlich ca. 512.850 Menschen auf der Suche nach einem Arbeitsplatz.
  • Jugendarbeitslosigkeit (bis 25 Jahre): 43.453 (+13.182 oder +43,5%) junge Menschen waren 2020 arbeitslos, in Schulungen oder suchen eine Lehrstelle. 


Im Jahresdurchschnitt waren 2020 in Österreich beim AMS 62.833 (-18,5%) offene Stellen gemeldet, inkl. Doppelt- und Mehrfachmeldungen durch Arbeitskräfteüberlassungsfirmen. Umgelegt auf die offizielle Zahl arbeitsloser Menschen ergibt dies 6 je offener Stelle, inkl. verdeckter Arbeitslosenzahl sind es tatsächlich 8 Personen!

 

 

Arbeitslosigkeit langfristig
Nach Zeiten der Vollbeschäftigung in den 1970er Jahren stieg die Arbeitslosigkeit in Österreich in fünf Schüben 1980 - 1990 - 2000 - 2009 - 2020 kräftig an. Jedes Konjunkturtal hinterlässt ein deutlich höheres Ausmaß an Arbeitslosigkeit.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit von 1946 bis 2020 wird an der Grafik unten ersichtlich. In den letzten Jahren wurden viele Gruppen aus den offiziellen Arbeitslosenzahlen herausgerechnet, dadurch verzerrt sich das Bild im langjährigen Vergleich. Daher ist die Kurve mit den verdeckten Zahlen eingefügt, die ein realistischeres Bild der Lage in der Arbeitswelt gibt.
 

 

 

  • 1973 niedrigster Stand bei Arbeitslosen in Österreich: 31.327
  • 2016 Anstieg auf 477.000
  • 2017 – 2019 Rückgang auf 416.000
  • 2020 Anstieg auf die höchsten Zahlen jemals in Österreich 

 

Arbeitslosigkeit ist kein individuelles Problem

Arbeitslosigkeit ist ein gesellschaftliches Problem, das aufgrund des Mangels von Arbeitsplätzen auftritt. Oftmals wird dieses Problem aber individualisiert, als würden die betroffenen Menschen allein die Schuld an ihrer Arbeitslosigkeit tragen. Einige kommen mit dieser Situation zurecht, viele aber erleben eine Krise. Neben den materiellen Sorgen, die mit dem unregelmäßigen Einkommen verbunden sind, gerät oftmals die Psyche in Gefahr. Sinkendes Selbstbewusstsein ist das häufigste Zeichen. Viele Betroffene schildern, dass sie alles unternommen haben, was ihnen möglich ist, um einen passenden Arbeitsplatz zu bekommen. Doch sind ihre Aussichten in der Arbeitswelt sehr schlecht, es fehlen für hunderttausende Menschen passende Arbeitsplätze.

 

Darüber hinaus...

Ein realistisches Bild der Arbeitslosigkeit entsteht, wenn mehr als nur die durch viele Maßnahmen gering gehaltene Arbeitslosenquote des AMS betrachtet wird. Gruppen wie die SchulungsteilnehmerInnen, Arbeitslose im Krankenstand oder mit Bezugssperre, Lehrstellensuchende und ÜbergangsgeldbezieherInnen müssen zu den Arbeitslosen dazugezählt werden. Daneben gibt es noch einige Gruppen, die Arbeit suchen, nicht gemeldet sind und durch nicht in der Statistik erfasst sind: nicht arbeitslos gemeldete Wiedereinsteigerinnen, Schul- und UniversitätsabsolventInnen, sogenannte Scheinselbständige, Personen mit Kurzzeitdienstverhältnissen, nicht arbeitslosenversicherte geringfügig Beschäftigte, SozialhilfebezieherInnen, etc.
 

Die International Labour Organisation (ILO) erhebt nach dem "Labour Force"-Konzept weitere Gruppen von arbeitssuchenden Menschen, die gerne arbeiten würden und binnen zweier Wochen eine Arbeit annehmen könnten, aber nicht in den Statistiken enthalten sind. In der WIFO-Studie würden im Jahr 2006 in Österreich etwa 244.000 und in Oberösterreich Dabei sind arbeitsmarktnahe und auch arbeitsmarktfernere Personengruppen (ILO U4 - U6) berücksichtigt, die bei der Mikrozensuserhebung angaben, dass sie grundsätzlich gerne arbeiten würden. Im Jahr 2012 waren dies über 300.000 Personen in Österreich, davon etwa 52.000 in Oberösterreich.

 

Download: Grafik Arbeitslosigkeit Österreich 1946 - 2020
 

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