Tuesday 27. October 2020

Arbeitslosigkeit

 

Arbeitslosigkeit aktuell - September 2020

Ende September 2020 sind in Österreich 346.907 Menschen arbeitslos gemeldet, + 74.809 oder plus 27,5 %. Somit sind etwa 455.000 Menschen auf Arbeitssuche (inkl. SchulungsteilnehmerInnen, etc.). Gemeldete offene Stellen: 67.119*, - 15.321 oder - 18,6 %.

 

Etwa 69.500 junge Menschen (unter 25 Jahren) sind in Österreich arbeitslos, in Schulungen oder suchen eine Lehrstelle. In Oberösterreich sind es etwa 9.300 junge Menschen.


In Oberösterreich sind 39.767 Menschen arbeitslos gemeldet, + 8.995 oder  + 29,2 %. Somit sind etwa 52.900 Menschen (inkl. SchulungsteilnehmerInnen, etc.) in Oberösterreich auf der Suche nach Arbeit. Gemeldete offene Stellen: 17.583*, - 3.396 oder - 16,2 %. (* offene Stellen von Personalüberlassungsfirmen werden mehrfach gezählt.)

 

Die Arbeitslosigkeit in Österreich stieg seit dem Herbst 2008 stark an, erst 2017 ging sie leicht, mit -4,9%, zurück. Besonders junge Menschen (bis 25 Jahre) trifft es doppelt: aktuell und als Manko für ihre berufliche Zukunft. Auch ältere Menschen sind in zunehmendem Ausmaß von Arbeitslosigkeit betroffen. Aufgrund der Wirtschaftskrise sind viele Arbeitsplätze verloren gegangen, in manchen Branchen hat sich die Tendenz nun aber wieder gebessert.

 

 

Arbeitslosigkeit 2019
Im Jahr 2019 waren im Jahresdurchschnitt 301.328 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Zahl der SchulungsteilnehmerInnen lag durchschnittlich bei 61.959. Die verdeckte Arbeitslosigkeit inkl. SchulungsteilnehmerInnen, arbeitslose Menschen im Krankenstand, etc. lag um etwa 115.000 höher. So waren tatsächlich ca. 416.000 Menschen auf der Suche nach einem Arbeitsplatz. 

 

Innerhalb des ganzen Jahres 2019 waren in Österreich 898.923 Menschen zumindest kurze Zeit von Arbeitslosigkeit betroffen. In Oberösterreich waren es 121.289 Menschen. Dabei werden sehr unterschiedliche Lebenslagen, z.B. mit Wiedereinstellungszusage bis Langzeitarbeitslosigkeit gezählt. Für mehr als jede/n 4. in Österreich unselbstständig Erwerbstätige/n und jede/n 5. in Oberösterreich war somit im Jahresverlauf Arbeitslosigkeit ein Thema. 

 

Im Jahresdurchschnitt waren 2019 in Österreich beim AMS - mit geänderter Zählweise - 77.093 offene Stellen gemeldet, inkl. Doppelt- und Mehrfachmeldungen durch Arbeitskräfteüberlassungsfirmen. Umgelegt auf die offizielle Zahl arbeitsloser Menschen ergibt dies 4 je offener Stelle, inkl. verdeckter Arbeitslosenzahl sind es tatsächlich 5 Personen!

 

Arbeitslosigkeit langfristig

Nach Zeiten der Vollbeschäftigung in den 1970er Jahren stieg die Arbeitslosigkeit in Österreich in vier Schüben 1980 - 1990 - 2000 - 2009 kräftig an. Jedes Konjunkturtal hinterlässt ein deutlich höheres Ausmaß an Arbeitslosigkeit.


Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit von 1946 bis 2019 wird an der Grafik unten ersichtlich. In den letzten Jahren wurden viele Gruppen aus den offiziellen Arbeitslosenzahlen herausgerechnet, dadurch verzerrt sich das Bild im langjährigen Vergleich. Daher ist die Kurve mit den verdecketen Zahlen eingefügt, die ein realistischeres Bild der Lage in der Arbeitswelt gibt.

 

 

  • 1973 niedrigster Stand bei Arbeitslosen in Österreich: 31.327
  • 2005 höchster Stand in Österreich: 355.000, also mehr als elfmal so viele.
  • 2008 ging die Zahl zurück auf 315.000.
  • 2012 Anstieg auf etwa 380.800
  • 2016 Höchstwert mit etwa 477.000


Arbeitslosigkeit ist ein gesellschaftliches Problem, das aufgrund des Mangels von Arbeitsplätzen auftritt. Oftmals wird dieses Problem aber individualisiert, als wären die betroffenen Menschen alleine Schuld an ihrer Arbeitslosigkeit.

 

Einige kommen mit dieser Situation zurecht, viele aber erleben eine Krise. Neben den materiellen Sorgen, die mit dem unregelmäßigen Einkommen verbunden sind, gerät oftmals die Psyche in Gefahr. Sinkendes Selbstbewusstsein ist das häufigste Zeichen. Viele Betroffene schildern, dass sie alles unternommen haben, was ihnen möglich ist, um einen passenden Arbeitsplatz zu bekommen. Doch sind ihre Aussichten in der Arbeitswelt sehr schlecht, es fehlen für etwa 700.000 Menschen passende Arbeitsplätze.

 

Ein realistisches Bild der Arbeitslosigkeit entsteht, wenn mehr als nur die durch viele Maßnahmen gering gehaltene Arbeitslosenquote des AMS betrachtet wird. Gruppen wie die SchulungsteilnehmerInnen, ein Teil der PensionsvorschussbezieherInnen, Arbeitslose im Krankenstand oder mit Bezugssperre, Lehrstellensuchende und ÜbergangsgeldbezieherInnen müssen zu den Arbeitslosen dazugezählt werden.


Daneben gibt es noch einige Gruppen, die Arbeit suchen und in der Statistik nicht erfasst sind: nicht arbeitslos gemeldete Wiedereinsteigerinnen, Schul- und UniversitätsabsolventInnen, sogenannte Scheinselbständige, Personen mit Kurzzeitdienstverhältnissen, nicht arbeitslosenversicherte geringfügig Beschäftigte, SozialhilfebezieherInnen, etc.

 

Die International Labour Organisation (ILO) erhebt nach dem "Labour Force"-Konzept weitere Gruppen von arbeitssuchenden Menschen, die gerne arbeiten würden und binnen zweier Wochen eine Arbeit annehmen könnten. In der WIFO-Studie würden im Jahr 2006 in Österreich etwa 244.000 und in Oberösterreich etwa 34.000 Menschen gerne arbeiten. Dabei sind arbeitsmarktnahe und auch arbeitsmarktfernere Personengruppen (ILO U4 - U6) berücksichtigt, die bei der Mikrozensuserhebung angaben, dass sie grundsätzlich gerne arbeiten würden. Im Jahr 2012 waren dies bereits 310.400 Personen in Österreich, davon etwa 52.000 in Oberösterreich.

 

Leseheft zum Thema: Arbeitslosigkeit kann jede/n treffen!

Warnung der Armutskonferenz aus dem Inhalt

  • Arbeiten ist mehr als Geld verdienen
  • Die Rolle des Arbeitsmarktes in einer globalisierten Gesellschaft
  • Arbeitslosigkeit macht arm
  • MigrantInnen trifft es besonders hart
  • Z'erst z'jung, dann z'alt!
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