Freitag 15. Dezember 2017

Würde & Gerechtigkeit

INFOS 115 / September 2017

Würde und Gerechtigkeit  für Menschen in der Arbeitswelt fordert die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung und stellt dieses Thema in den Mittelpunkt der 30-Jahr-Feier.

  • Gedanken von Sozialminister Alois Stöger und Diözesanbischof Manfred Scheuer zum Thema "Würde & Gerechtigkeit für Menschen in der Arbeitswelt"
  • Rückblick auf 30 Jahre Bischöfliche Arbeitslosenstiftung
  • Informationen des Armutsnetzwerkes OÖ zur Kampagne "Armutsbetroffene haben keine Wahl"
  • Informationen zur Beschäftigungsaktion 20.000 und welche Rolle dabei die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung hat

 

Wir haben Sozialminister Alois Stöger und Diözesanbischof Manfred Scheuer zum Thema "Würde & Gerechtigkeit für Menschen in der Arbeitswelt" um ihre Gedanken geben:

 

Sozialminister Alois Stöger

Arbeit ist in unserer Gesellschaft nicht nur ein zentraler Baustein der persönlichen Identität und der gesellschaftlichen Teilhabe – sie ist gleichzeitig der ausschlaggebende Faktor für ein selbstbestimmtes Leben und der beste Schutz vor Armutsgefährdung.
Unsere Aufgabe ist es, Voraussetzungen zu schaffen, damit jeder und jede Einzelne eine Chance am Arbeitsmarkt hat und sich eine sichere Existenz erarbeiten kann.
Die sinkende Arbeitslosigkeit sowie die positiven Konjunkturprognosen bestätigen die wichtige Trendwende am Arbeitsmarkt. Allerdings können noch nicht alle Bevölkerungsgruppen von diesem Aufschwung profitieren – genau das müssen wir durch gezielte Arbeitsmarktpolitik ändern.
Dazu gehören Investitionen in die Infrastruktur, durch die neue Jobs entstehen oder gesichert werden, Angebote zur Weiterbildung und Maßnahmen um Menschen an den Arbeitsmarkt heranzuführen. Darüber hinaus brauchen wir aber auch neue Ansätze, um jene Bevölkerungsgruppen zu unterstützen, die vor besonderen Herausforderungen stehen.
Derzeit betrifft das insbesondere Menschen der Generation 50+, die – entgegen der positiven Gesamt-entwicklung – mit steigender Arbeitslosigkeit konfrontiert sind. Unser Ziel ist es, die Langzeitarbeits-losigkeit in dieser Gruppe zu halbieren. Dafür haben wir die Aktion 20.000 gestartet. Mit zusätzlichen Arbeitsplätzen in Gemeinden, gemeindenahen Bereichen und gemeinnützigen Organisationen geben wir über 50-jährigen, die seit über einem Jahr auf Arbeitssuche sind, eine neue Perspektive durch sinnstiftende Jobs mit gesellschaftlichem Mehrwert.
Bei der Umsetzung dieser Maßnahmen arbeiten wir eng mit sozialen Organisationen zusammen, die Betroffene auf ihrem Weg in den Arbeitsmarkt betreuen. Dazu gehört auch die Bischöfliche Arbeitslo-senstiftung, die seit 30 Jahren mit bewundernswertem Engagement und großem Erfolg, Menschen durch Beratung und individuelle Begleitung, Aus- und Weiterbildungsförderungen, materielle Unter-stützungsleistungen sowie auch durch eine entsprechende Bewusstseinsarbeit dazu ermutigt und befähigt, (wieder) im Erwerbsleben Fuß zu fassen.
Für diesen großartigen und wirkungsvollen Einsatz möchte ich allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bischöflichen Arbeitslosenhilfe herzlich danken und gratuliere allen, zu diesem besonderen Jubilä-um. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Tatkraft und viel Erfolg, bei Ihrem wertvollen Einsatz für die Men-schen in Oberösterreich.

 

Diözesanbischof Manfred Scheuer

Für viele Menschen entscheiden sich Glück und Unglück, Sinn und Sinnleere am Arbeitsplatz. Arbeitsplatzverlust und Arbeitslosigkeit bereitet ein Klima der Resignation, Apathie, Hilflosigkeit und der fehlenden Perspektiven. Am Arbeitsplatz geht es um Fragen der Arbeitsbedingungen, der
Existenzsicherung, der Chancen und Belastungen, der Absicherung bei Krankheit oder im Alter.

Und: Jeden kann es treffen! Gute Ausbildung, Flexibilität und Berufserfahrung sind keine Garantie mehr für eine Arbeitsstelle. In den Betrieben und in der Arbeitswelt erleben wir Verunsicherung, Angst den Arbeitsplatz zu verlieren, nicht schnell genug oder gut genug gebildet zu sein.
Menschenwürdige, gute Arbeit („Decent Work“) ist ein Menschenrecht. In der Arbeit als wesentlicher Faktor des Menschseins drückt „der Mensch die Würde seines Lebens aus und steigert sie“ (Papst Franziskus, Evangelii Gaudium Nr. 192). Gute Arbeit umfasst neben einem gesicherten und ausreichen-den Einkommen sowie einem dauerhaften Arbeitsplatz, eine Reihe qualitativer Aspekte. Dazu gehören v. a. der Schutz vor Leistungsüberforderung und einem nachhaltigen Umgang mit der menschlichen Leistungsfähigkeit, eine lernförderliche und alternsgerechte Arbeitsgestaltung, sowie ein ganzheitlicher und auf Prävention orientierter Arbeits- und Gesundheitsschutz.
Arbeit ist vom biblischen Zeugnis her Mitarbeit in und an der Schöpfung Gottes. Wenn aber Arbeit Menschen ausbeutet, wenn Arbeitsbedingungen das Leben und die Natur nicht achten, ist sie mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar. Gemäß der Katholischen Soziallehre steht der Mensch im Mittel-punkt der Arbeit und der Wirtschaft, der Mensch als Ebenbild Gottes, der sich seine Würde nicht erst „verdienen“ muss.
„Die Kehrseite der Menschenwürde ist der Begriff der Selbstachtung“ (Clemens Sedmak). Die Men-schenwürde, die von außen zugesprochen werden muss, muss sich auch aus dem Inneren heraus be-stätigen. Selbstachtung, die sich nicht aus Leistung oder Erfolg speist, sondern aufgrund der unbeding-ten Besonderheit, die jedem aufgrund seiner Unverwechselbarkeit und Einzigartigkeit zusteht.
Aufgabe von Politik und Gesellschaft ist es, anständige Rahmenbedingungen zu schaffen, um Ver-letzungen von Selbstachtung und Menschenwürde am Arbeitsplatz und in den vielen Facetten der Ar-beitslosigkeit keinen Nährboden zu geben.

 

INFOS 115

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