Mittwoch 23. August 2017

Arbeitslose Menschen brauchen...

  • Respekt statt Wertschätzung
  • Zukunftsperspektive statt Abhängigkeit
  • Unterstützung statt Ausgrenzung

Arbeit ist kein Privileg - Arbeit ist Recht!

 

Der von Bundeskanzler Christian Kern vorgestellte Plan A wird viel diskutiert. Auf über 140 Seiten werden die Maßnahmen beschrieben, welche Österreich wieder an die Spitze bringen sollen. Vieles sehen wir als einen richtigen Schritt in die Zukunft. Jedoch muss auch mit einem kritischen Auge darauf geschaut werden.

Erwerbsarbeit wäre ein Recht für alle Menschen und stellt den zentralen Beitrag für die Teilhabe an der Gesellschaft dar. Dazu braucht es auch geförderte Arbeitsplätze und Projekte für Menschen mit multikomplexen Problemlagen, um einen nachhaltigen Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

 

„Die Priorität im Bereich Arbeit liegt in der Schaffung von Arbeitsplätzen. Bis 2020 sollen 200.000 zusätzliche Arbeitsstellen geschaffen werden. Langfristig ist Vollbeschäftigung das Ziel.“

Österreich startete im neuen Jahr mit einer Rekordarbeitslosigkeit. Ende Dezember waren 410.429 Menschen als arbeitslos gemeldet. Inklusive der SchulungsteilnehmerInnen etc. waren 516.800 Menschen auf Arbeitssuche. Dem gegenüber stehen 41.841 offene Stellen. Die (langzeit)arbeitslosen Menschen spüren eine große Last, die sie verzweifeln lässt. Perspektivenlosigkeit und die tägliche Angst um ihre Existenz prägen das Leben der Betroffenen. Der Plan A setzt hier zumindest an der Stelle an, die die höchste Priorität hat.

 

„Das Maßnahmenbündel zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit umfasst unter anderem Ausbildungspflicht bis 18, Ausbildungsgarantie bis 25, zweite Ausbildungschance für alle, Intensivbetreuung bei Vermittlungsproblemen sowie Beschäftigungsgarantie für Ältere.“

Das hohe Niveau der Arbeitslosigkeit beschäftigt uns seit Jahren. Politik und Sozialpartner suchen nach Lösungen. Diese liegen darin, dass die Investitionen in den Bereichen Pflege, Alten- und Kinderbetreuung, Verkehr und Wohnbau forciert werden. Durch den Abbau von Überstunden soll die Arbeit (gerechter) verteilt werden. Eine Offensive im Bildungsbereich, wie z. B. Ausbildungspflicht, Ausbildungsgarantie und die zweite Chance auf eine bessere Qualifizierung sollen den geringer qualifizierten arbeitslosen Menschen mehr Möglichkeiten einräumen, in der Arbeitswelt (wieder) Fuß zu fassen. Ausbildungspflicht und Ausbildungsgarantie sind Werkzeuge, um den jungen Menschen einen optimalen Beginn des Arbeitslebens zu ermöglichen und Arbeitslosigkeit vorzubeugen.

 

„Arbeit ist kein Privileg.

Arbeit ist Recht.

Also: volle Unterstützung für jene,

die hackeln, die hackeln wollen,

jene, die es anderen ermöglichen,

aber auch für jene, die nicht hackeln können.“

Bundeskanzler Christian Kern

 

Weiters darf die Intensivbetreuung bei Vermittlungsproblemen nicht bei den Eingliederungsbeihilfen und Arbeitstrainings enden. Voraussetzung für eine effektive Betreuung ist der ganzheitliche Zugang. Denn in den meisten Fällen braucht es zuerst die individuelle Stabilisierung der Personen und eine anschließende, auf die Bedürfnisse abgestimmte (Weiter)qualifizierung, um so die Vermittlungshemmnisse zu verringern. Die Zahlen machen auch deutlich, dass besonders die Gruppe der Älteren und die der gesundheitlich Beeinträchtigten es besonders schwer hat am Arbeitsmarkt akzeptiert und respektiert zu werden. Die Beschäftigungsgarantie für Ältere und die Erhaltung der Gesundheit durch gezielte betriebliche Gesundheitsförderung sind Präventionsmaßnahmen. Die Betroffenen spüren oft großen Druck von Seiten des AMS. Dieser führt aber dazu, dass sich die arbeitslosen Menschen zurückziehen und das Selbstbewusstsein darunter leidet. Die gezielte Beratung durch ExpertInnen, AMS-Kurse und das Anbieten adäquater offener Stellen würde die Aufnahme einer Arbeit wesentlich erleichtern.

 

Es braucht daher…

Im Plan A fehlen jedoch Meilensteine, die auch nachhaltig die Ziele absichern. Als Beispiele dafür stehen:

  • Sozialökonomische Betriebe und Beschäftigungsprojekte brauchen Rahmenbedingungen, um die dauerhafte Beschäftigung für arbeitsmarktferne Menschen umsetzen zu können.
  • Eine deutliche Verkürzung der Arbeitszeit auf 30 Wochenstunden stellt eine weitere Maßnahme dar.
  • Es braucht eine stärkere Kooperation von sozialen Unternehmen und der Wirtschaft, im Speziellen auch mit der Wirtschaftskammer, um Synergien zu nutzen.
  • Die Menschen dürfen nicht in „Ein-Euro-Jobs“ hineingezwängt werden. Versicherungspflichtige Beschäftigung und kollektivvertragliche Entlohnung sind Voraussetzung dafür, dass arbeitslose Menschen ein selbstbestimmtes Leben führen können.
  • Die Streichung des Arbeitslosengeldes geht in die falsche Richtung. Die Gründe, warum z. B. eine Arbeitsstelle nicht angenommen werden kann, müssen ernst genommen werden.
  • Junge AsylwerberInnen sollen möglichst frühzeitig in den Arbeitsmarkt oder in Qualifizierungsmaßnahmen eingebunden werden, um die Integration und die Chance auf einen guten Arbeitsplatz nachhaltig zu sichern.

Die genannten Beispiele, die nur einen kleinen Teil der notwendigen Maßnahmen ansprechen, bewirken, dass die finanzielle, soziale und psychische Lage der (langzeit)arbeitslosen Menschen verbessert wird und somit die Menschen wieder eine Zukunftsperspektive entwickeln können.

 

Barbara Mitterndorfer-Ehrenfellner BA

 

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