Freitag 24. November 2017

Zuerst ist man Mensch und dann erst kommt alles andere

Dr. Heinz Fischer, ehemaliger Bundespräsident von Österreich,  zu Gast beim „Offenen Sozialstammtisch“ am 31. Jänner 2017 im Cardijn Haus in Linz.

„Zuerst ist man Mensch und dann erst kommt alles andere. Du warst immer ein Mann, mit dem man reden konnte, der ein offenes Ohr gehabt hat für die Anliegen der einfachen Leute.“ Mit diesen Worten bedankte sich Bischof em. Maximilian Aichern bei Heinz Fischer. Natürlich nicht nur für seine Anwesenheit beim 127. Sozialstammtisch im Cardijn Haus am 31. Jänner, sondern auch für sein gesamtes Auftreten während seiner politischen Karriere.

 

Erinnerungen von Margit und Heinz Fischer in Buchform

25 Jahre war Heinz Fischer in den höchsten Ämtern unseres Landes als Präsident des Nationalrates und als Bundespräsident tätig. Seine Gattin, eine passionierte Fotografin, „verwaltet“ die fotografischen Dokumente dieses öffentlichen und privaten Lebens auf liebenswerte Weise und das Buch „Erinnerungen in Bildern und Geschichten“ zeigt die schönsten und berührendsten Bilder, begleitet von Texten von Margit und Heinz Fischer. Es beleuchtet nicht nur die private Dimension, sondern schreibt auch ein Stück Zeitgeschichte. Der Inhalt und der Bilderreichtum des Buches fungierten als Basis für das Publikumsgespräch.

Trotz extremen Glatteises waren knapp 100 Menschen gekommen, um Heinz Fischer zu hören. Margit Fischer war leider wegen einer Erkrankung verhindert: „Schade!“, so Verlagsleiter und Moderator Lois Lammerhuber. „Es ist schön zu sehen, wie die beiden sich ausgleichen, wie sie seine Geschichten hin und wieder in eine andere Perspektive rückt.“

Erzählt hat uns Heinz Fischer genug. Ob über seine Beziehung zu Fidel Castro oder Henry Kissinger, die Ära Bruno Kreiskys oder einen improvisierten Termin mit Yasser Arafat und Kardinal König. Es gibt menschliche Beziehungen neben den politisch-strategischen Aufgaben.

 

Im Gespräch

Über die aktuelle politische Lage in der Welt äußerte sich Heinz Fischer diplomatisch. Wie für viele andere EuropäerInnen ist für ihn Donald Trumps Agieren alarmierend, er verweist aber auf die Allgemeingültigkeit von demokratischen Wahlen.

Es kamen Fragen über die Spaltung der Gesellschaft, den mangelnden Tatendrang der Politik. Seiner Meinung nach muss man diese Entwicklungen in einem größeren Zusammenhang sehen. Am Anfang der Zweiten Republik gab es ein Aufatmen in Österreich – ein gutes Gefühl, Aufschwung und hoffnungsvolle Kraft. Das lässt sich nicht ewig aufrecht halten. „Die Politik hat nicht alle Antworten und das ist gut so. Nur totalitäre Regime behaupten, alle Probleme lösen zu können. Laut meiner Erfahrung bringen Lösungen immer wieder neue Probleme mit sich, auch wenn wir langsam vorwärts kommen, um eine bessere Welt zu schaffen“, so der Ex-Präsident. „Die Rolle der traditionell großen Parteien (SPÖ und ÖVP) als Meinungsbildnerinnen nähert sich dem Null-Punkt. Die junge Generation, aufgewachsen mit sozialen Medien, muss sich ihren eigenen Weg suchen. So ist das nun einmal mit der Geschichte.“

Heinz Fischer nahm sich noch Zeit, Bücher zu signieren und sich mit zahlreichen Anwesenden fotografieren zu lassen. Es war seine erste Buchpräsentation in Oberösterreich und sein erster öffentlicher Auftritt nach der Angelobung seines Nachfolgers Alexander Van der Bellen.

 

Text: Stefan Robbrecht-Roller

 

Dr. Fischer mit Veranstaltergemeinschaft
Dr. Fischer beim Signieren der Bücher
Dr. Fischer beim Sozialstammtisch am 31.1.2017

Bischöfliche Arbeitslosenstiftung
Domgasse 3
4020 Linz
Telefon: +43 732 781370
Telefax:+43 732 781370-4
arbeitslosenstiftung@dioezese-linz.at
DVR: 0029874(10312)
Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: