Thursday 21. October 2021

Katholische Kirche und Arbeiterkammer fordern Kurswechsel auf dem Arbeitsmarkt

„Arbeit schaffen, Arbeit verteilen, Arbeitslosigkeit verringern“ – dieses gemeinsame Anliegen unterstrichen Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz und AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer am 2. Dezember 2015 bei einer Pressekonferenz im Oö. Presseclub.

Allein in Oberösterreich waren im November 2015 mehr als 50.000 Menschen ohne Beschäftigung – um fast 20.000 mehr als im Oktober 2008. Katholische Kirche in Oberösterreich, Arbeiterkammer Oberösterreich und Sozialplattform Oberösterreich fordern daher gemeinsam einen Kurswechsel auf dem Arbeitsmarkt. Bei einer Pressekonferenz heute Vormittag im Oö. Presseclub in Linz formulierten Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz und Dr. Johann Kalliauer, Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich und ÖGB Vorsitzender, ihre Forderungen. Am Nachmittag wird bei einer Tagung in der Arbeiterkammer über Ursachen von Arbeitslosigkeit, deren Auswirkungen und mögliche Lösungsansätze informiert und diskutiert.



„Arbeit ist Teil eines gelingenden, würdigen Lebens“


Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz dankte AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer für die gemeinsame Initiative bei diesem so wichtigen Thema. Er betonte, dass die steigende Arbeitslosigkeit der Kirche große Sorgen bereite. „In der Betriebsseelsorge oder auch in der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung nehmen wir den zunehmenden Druck auf arbeitslose Menschen wahr. Für viele ist es ein Schicksal, das menschliches Leid nach sich zieht – denn hinter jeder Zahl steht ein konkreter Mensch.“

Schwarz erläuterte, dass in der christlichen Soziallehre Arbeit, insbesondere die Erwerbsarbeit, wichtig für die Teilhabe und Integration in der Gesellschaft sei. „Menschen bringen sich in die Arbeit ein und verwirklichen sich ein Stück weit durch die Arbeit – das gehört zu einem gelingenden, würdigen Leben“, so der Diözesanbischof. Arbeit stifte Sinn, wie auch Papst Franziskus in seiner aktuellen Enzyklika „Laudato si“ betone. Der Papst in seinem Schreiben „Evangelii gaudium“ (Die Freude des Evangeliums“): „In der freien, schöpferischen, mitverantwortlichen und solidarischen Arbeit drückt der Mensch die Würde seines Lebens aus und steigert sie.“

Arbeitslosigkeit müsse auf ein unvermeidbares Maß reduziert werden, denn „sie ist die ungerechteste Form der Arbeitszeitverkürzung“, wie Schwarz unterstrich. Er forderte mit dem Sozialethiker Hengsbach eine Verteilung der Arbeit, um einen Ausgleich herzustellen: zwischen arbeitslosen und überarbeiteten Menschen genauso wie zwischen prekär und hochbezahlten Beschäftigten. Ebenso müsse die Erwerbsarbeit und die Arbeit in der Privatsphäre zwischen Frauen und Männern besser verteilt werden. Darüber hinaus gelte es, die Betreuungsplätze in sozialen Einrichtungen aufzustocken, mit dem Ziel der persönlichen Stabilisierung und der nachfrageorientierten Qualifizierung.

Bischof Schwarz: „Es braucht eine Neuausrichtung unseres Wirtschaftssystems – nicht die Profitorientierung darf im Vordergrund stehen, sondern das System muss dem Menschen dienen. Es braucht einen Kurswechsel hin zu menschenwürdiger Arbeit, die ein gutes Leben für alle ermöglicht.“

 

   AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer (l.) und Diözesanbischof Dr. Ludwig Schwarz bei der

   Pressekonferenz. © Diözese Linz

 


Schaffung von Arbeitsplätzen, gerechtere Verteilung von Arbeit, mehr Mittel für das AMS


Auch Arbeiterkammer-Präsident Dr. Johann Kalliauer betonte die gute Zusammenarbeit mit der Katholischen Kirche in OÖ in den gesellschaftlichen Fragen von Arbeitslosigkeit und Armut. „Es ist wichtig, dass wir gemeinsam auf diese großen Herausforderungen hinweisen“, so der ÖGB-Vorsitzende. Menschen bräuchten eine Arbeit, von der sie leben könnten und die gleichzeitig Sinn stifte, unterstrich Kalliauer die Worte von Bischof Schwarz. Auch die freie, schöpferische, mitverantwortliche und solidarische Arbeit, wie Papst Franziskus sie beschreibe, decke sich mit dem Verständnis der Arbeiterkammer von erfüllender Arbeit.

Zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit sieht der Präsident der Arbeiterkammer OÖ grundsätzlich zwei Möglichkeiten: zum einen die Schaffung von Arbeitsplätzen durch das Setzen von Impulsen zur Ankurbelung der Wirtschaft, zum anderen die gerechtere Verteilung von Arbeit. Um die Wirtschaft in Schwung zu bringen, brauche es höhere öffentliche Investitionen, etwa in den Bereichen sozialer Wohnbau und öffentlicher Verkehr sowie in soziale Dienstleistungen wie Bildung, Pflege oder Kinderbetreuung.

Eine gerechtere Verteilung der Arbeit könnte nach Ansicht von Kalliauer durch Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich erreicht werden. Ein erster gangbarer Schritt wäre hier die korrekte Abgeltung und der Abbau von Überstunden und Mehrarbeitsstunden bzw. eine Verteuerung von Überstunden für die Betriebe („Überstunden-Euro“). Um eine Überstundenreduktion zu erreichen, sei auch die Festlegung von Höchstgrenzen auf gesetzlicher Ebene denkbar. „Im Jahr 2014 wurden in Österreich 269 Millionen Überstunden und Mehrarbeitsstunden geleistet – sie um ein Drittel zu reduzieren, ist ein ambitioniertes, aber schaffbares Ziel und wäre eine deutliche Erleichterung für den Arbeitsmarkt“, so Kalliauer. Darüber hinaus müsse auch der Wirtschaft bewusst sein, dass permanente Überstunden sich negativ auf die Stundenproduktivität auswirkten und die Attraktivität solcher Arbeitsplätze langfristig gering sei.

„Die gerechte Verteilung von Arbeit ist ein wichtiger Zugang, wenn man bedenkt, dass die Erwerbsbevölkerung weiter wachsen wird – das hat nichts mit dem derzeitigen Flüchtlingsstrom zu tun, sondern mit dem Zuzug von Menschen aus Deutschland und anderen Ländern“, unterstrich Kalliauer seine Forderung. Als dritten Ansatz nannte der AK-Präsident mehr Mittel für das Arbeitsmarktservice, individuelle und bedarfsgerechte Angebote sowie qualitative Betreuung für arbeitslose Menschen, denn: „Eingliederungsbeihilfen und Lohnsubventionen sind kein Allheilmittel.“

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