Tuesday 13. April 2021

Ich werde so angenommen, wie ich bin!

Wieso positive Begegnungen wichtig sind für den Einstieg in die Arbeitwelt

Arbeit ist mehr als nur Geld verdienen. Es liefert Struktur, erlaubt Freizeit, erweitert den Horizont und man fühlt sich als Teil einer Gemeinschaft. Arbeit stiftet Identität. Der Einstieg in die Arbeitswelt ist nicht für alle Jugendlichen leicht. Manche schleppen einen großen Rucksack an Problemen und Abwertungen mit. Das Jugendprojekt JU-CAN der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung will diesen jungen Menschen, die Hoffnung auf Arbeit und ein selbständiges Leben zurückgeben sowie ihren Selbstwert stärken. JU-CAN ist ein ganzheitliches Orientierungs- und Bildungsangebot, das Jugendliche ein Jahr lang dabei unterstützt, in einem sicheren Rahmen Perspektiven für ihr Leben zu entwickeln. Gelungene Begegnungen mit den Trainer*innen und den anderen Jugendlichen im Projekt sind dabei wesentliche Teile des Erfolges.


Es muss eine Basis da sein
Die Jugendlichen kommen zu uns, und dann schauen wir gemeinsam, wo wir ansetzen. Manche Jugendliche behaupten: „Ich kann nichts, ich tauge zu nichts“. Die Betreuung der Teilnehmer*innen im JU-CAN geschieht derzeit (Jänner 2021) nur online, und deswegen bekommen die Trainer*innen mit, wo die Jugendliche wohnen und wie sie von ihrem Umfeld geprägt sind. Eine Mutter sagte während einer online Sitzung im Vorbeigehen zu ihrer Tochter: „Wieso bemühst du dich überhaupt noch? Du hast eh keine Talente.“ Indem viel gemeinsam reflektiert wird, einiges an Aktivitäten und Aufgaben ausprobiert und stufenweise Verantwortung übertragen wird, versuchen unsere Trainer*innen, solche negativen Zuschreibungen zu korrigieren. Dafür braucht es aber trotzdem eine Vertrauensbasis, dass im gemeinsamen Miteinander etwas wachsen kann. Die Begegnungen stehen dabei im Vordergrund und nicht die Leistungen.


Es ist passiert so viel in der Gruppe
Jugendliche sind unterschiedlich, und sie brauchen einander, um sich zu entfalten. Nur ein Beispiel: Bei unseren letzten Outdoor-Teambuildingtagen wollte eine junge Frau abreisen, weil es ihr psychisch schlecht ging. Ein sehr fordernder Teilnehmer fand einen Zugang, sie zu beruhigen und bei der Gruppe zu halten. In dieser Situation fühlte er sich zuständig und entdeckte plötzlich eine neue Seite seiner Persönlichkeit. Auch die junge Frau spürte dadurch, dass sie in der Gruppe ein wichtiger Teil ist.

 

Jugendliche im Jugendprojekt JU-CAN bei der virtuellen Morgenrunde

Jugendliche im Jugendprojekt JU-CAN bei der virtuellen Morgenrunde.

© Bischöfliche Arbeitslosenstiftung

 

Die Jugendlichen lernen voneinander.
Manche schaffen es innerhalb einiger Monate, eine passende Arbeits- oder Lehrstelle zu finden und geben so den anderen Teilnehmer*innen Hoffnung. Andere wiederum entdecken während des gemeinsamen Kochens, dass auch Essensreste verwertet werden können und auch Gemüse gut schmeckt.


Es braucht andere Menschen, an denen man sich orientieren oder reiben kann und die einem inspirieren. (Isaak Newton)


Vieles hängt von der/dem Vorgesetzten ab
Nach einem Jahr – manchmal früher, manchmal später – verlassen uns die Jugendlichen und steigen in ein Praktikum oder in ein weiterführendes Projekt ein oder sie finden eine Arbeits- oder Lehrstelle. Ob es gut geht, hängt auch maßgeblich von den „Chefitäten“ ab. „Darf ich so sein wie ich bin, und reicht das?“, fragen sie sich. Wenn die Jugendlichen sich als Person, mit ihren Fähigkeiten und ihren Schwächen angenommen fühlen, passieren kleine Wunder. Probleme lösen sich manchmal sogar in Luft auf. Man glaubt kaum, dass psychisch schwer angeschlagene Teilnehmer*innen innerhalb kürzester Zeit eine Chance auf eine Arbeitsstelle bekommen. Aber es passiert! Es ist für mich immer ein Geschenk, solche Prozesse zu beobachten und zu wissen: Durch diese Beziehungsarbeit hat sich etwas zum Positiven für die Jugendlichen verändert.

 

Barbara Mitterndorfer-Ehrenfellner, Projektentwicklerin Jugendprojekt JU-CAN

 

Ein Beitrag in  der Zeitung der KAB OÖ INFORMATION-DISKUSSION 01/2021.

Download INFORMATION-DISKUSSION 01/2021

 

 

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