Wednesday 21. October 2020

Arbeitslosigkeit in Zeiten von Corona

Die Corona-Pandemie verbreitet Angst. Nicht nur um die eigene Gesundheit, sondern vor allem Angst um den Arbeitsplatz. Die Arbeitslosigkeit ist in noch nie dagewesenem Ausmaß emporgeschnellt und die Ungleichheit in unserer Gesellschaft hat zugenommen. Eine offensive Politik, die für soziale und ökonomische Sicherheit sorgt, ist bisher ausgeblieben.

Historischer Arbeitslosigkeitsanstieg
Während des „Corona-Lockdown“ sind wir Zeitzeugen geworden, wie die Arbeitslosigkeit auf das höchste Niveau in der zweiten Republik geklettert ist. Mehr als 200.000 Menschen verloren ihren Arbeitsplatz. Ende März waren 563.530 Menschen entweder arbeitslos oder in Schulung. In den Folgemonaten verlangsamte sich der Anstieg. Beim Wiederhochfahren der Geschäfte und Betriebe wurden erfreulicherweise zahlreiche Arbeitslose von ihren alten Arbeitgebern wieder eingestellt. Im August waren immer noch 423.000 Menschen ohne Beschäftigung. 

 

Aktulle Entwicklung der Arbeitslosigkeit in Österreich

Arbeitslose Menschen inkl. SchulungsteilnehmerInnen jeweils im August

 

Aktuelle Entwicklung Arbeitslosigkeit in Österreich

Quelle: AMS, BaliWEb, AK OÖ

 

Erneuter Anstieg möglich
Laut Konjunkturprognosen wird die Arbeitslosigkeit im Jahresdurchschnitt 2020 zwischen 100.000 und 121.000 Personen höher sein als noch im Vorjahr. Unklar ist, wie viele Betriebe nach der Kurzarbeit bzw. nach der Behaltefrist MitarbeiterInnen kündigen. Ebenso schwer zu prognostizieren ist, ob es im Tourismusbereich im Herbst zu einer zweiten Kündigungswelle kommt. Angesichts der relativ hohen Verschuldung der Tourismusbetriebe ist dies nicht auszuschließen.

 

Jugendliche als Erstbetroffene
Bereits von früheren Wirtschaftskrisen ist bekannt, dass Jugendliche als erstes betroffen sind. Betriebe stellen bei Wirtschaftseinbrüchen weniger neue Arbeitskräfte ein, wodurch sich die Jobchancen reduzieren. Ebenso verknappt sich das Angebot an offenen Lehrstellen. Junge Menschen sind aber auch häufiger von Kündigungen betroffen, weil sie oft ihre Berufslaufbahn mit einem prekären, unsicheren Job beginnen müssen. Das von den Sozialpartnern entwickelte Kurzarbeitsmodell konnte das Schlimmste verhindern. Im April war mehr als jeder dritte junge Beschäftigte in Kurzarbeit (38%). Dennoch kam es zu einem hohen Arbeitslosigkeitsanstieg. Im April waren 92.000 junge Menschen ohne Beschäftigung, im Mai 84.000 und in den Sommermonaten rund 75.000.

 

Narben, die ein ganzes Leben bleiben
Arbeitslosigkeitserfahrungen können Narben bei Jugendlichen hinterlassen, die im späteren Leben zu einer geringeren Lebenszufriedenheit, zu einem schlechteren Gesundheitszustand, geringeren Einkommenschancen und zu einem erhöhten Arbeitslosigkeitsrisiko führen. Die Jugendphase ist ein sensibler Lebensabschnitt. Da nagt es sehr, wenn die Gesellschaft jungen Menschen das Gefühl gibt, dass sie nicht gebraucht werden. In früheren Wirtschaftskrisen war es oft so, dass benachteiligte Jugendliche mit schlechten Zeugnissen keine Jobs bekommen haben. Jetzt betrifft es sehr viele, die alles richtig gemacht, lauter Einser im Zeugnis haben und trotzdem keinen Job finden. Sie haben einfach das Pech, dass sie im Corona-Jahr mit der Schule fertig geworden sind und die Politik nicht ausreichend gegengesteuert hat. 

 

Gefahr der Verfestigung der Ar-beitslosigkeit
Seit der Corona-Wirtschaftskrise ist nicht nur die Arbeitslosigkeit gestiegen, sondern auch die Langzeitbeschäftigungslosigkeit. Bereits jetzt sind 121.000 Arbeitslose davon betroffen - dreimal so viele wie im Jahr 2008. Da uns frühere Krisen gelehrt haben, dass die starken Zuwächse der Langzeitbeschäftigungslosigkeit erst zeitverzögert stattfinden, ist zu befürchten, dass sich die Lage in den nächsten Jahren dramatisch zuspitzen wird. Dies muss mit allen Mitteln verhindert werden, da Langzeitarbeitslosigkeit häufig Armut, soziale Ausgrenzung und in weiterer Folge zunehmende gesundheitliche Beeinträchtigungen bedeutet. 

 

Für soziale und ökonomische Sicherheit sorgen
Um den Menschen die Ängste zu nehmen, ist es zentral das Arbeitslosengeld auf ein armutsfestes Niveau anzuheben. Angesichts der Knappheit an Arbeitsplätzen muss der Staat aktiv Jobs und vor allem überbetriebliche Lehrausbildungsplätze schaffen. Um Langzeitarbeitslosen eine Perspektive zu eröffnen, braucht es dringend eine öffentliche Jobgarantie. Die Idee dabei ist einfach: Ausgaben, die sonst für Arbeitslosigkeit anfallen, werden für die Finanzierung von öffentlichen oder gemeinnützigen Jobs herangezogen. Damit können regional sinnvolle Jobs geschaffen werden und sozial-ökologische Bedarfe gedeckt werden, von denen alle profitieren.

 

Autor: Dennis Tamesberger, Referent für Arbeitsmarktpolitik AK OÖ
 

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