Wednesday 21. October 2020

Arbeitslosigkeit und Aussichtslosigkeit

erfordern Existenzsicherung und Perspektiven

 

So viele Menschen wie noch nie wurden im letzten Monat arbeitslos, um erschreckende 300.000 sank die Zahl der unselbstständig Beschäftigten. Diese kommen nun zu den vorher schon über 400.00 arbeitslosen Menschen dazu. Existenzängste und die Aussichtslosigkeit, nach der Krise wieder rasch eine Stelle zu bekommen, plagen viele der Betroffenen. Da in zahlreichen Branchen derzeit unklar ist, welche Arbeitsplätze es dann mittelfristig geben wird, steigt die Unsicherheit, ob dann die eigenen Qualifikationen ausreichen werden.


Die Lebenssituation hat sich für viele arbeitslose Menschen in den letzten Wochen dramatisch verschärft. Daher muss nun vorrangig deren Existenz gesichert werden. Die Forderung nach Erhöhung des Arbeitslosengeldes besteht schon lange zurecht und bekommt nun größere Bedeutung, da die Krise länger dauern wird. 


Das Abrutschen in die Armut droht vielen, besonders den Teilzeitkräften z. B. aus der Gastronomie oder dem Einzelhandel, die aufgrund des geringen Einkommens auch nur ein sehr geringes Arbeitslosengeld bekommen. Um eine Aufzahlung aus der Sozialhilfe (früher Mindestsicherung) zu erhalten, muss vorher Vermögen verwertet werden und das Haushaltseinkommen wird zur Berechnung herangezogen. Und, die Höhe unterschreitet bei Weitem die Armutsgefährdungsschwelle.

 


Jetzt geht’s um menschenwürdiges Leben und um die Existenzsicherung


Warum nicht das Arbeitslosengeld, insbesondere für niedrige Einkommen, auf die Höhe des Kurzarbeitseinkommens anheben? Derzeit besteht ein bedeutender Unterschied zwischen jenen die mit der Kurzarbeit 80 – 90% ihres Einkommens erhalten und jenen, die meist aus prekären Beschäftigungen arbeitslos geworden sind und nur 55% ihres Nettoeinkommens erhalten.


Auch volkswirtschaftlich wäre es sinnvoll, das Arbeitslosengeld samt Notstandshilfe zu erhöhen, weil diese zur Gänze wieder ausgegeben werden. Ebenso rechnet sich eine Lohnkostenförderung zu 100% für gemeinnützige und gesellschaftlich notwendige Tätigkeiten. Wenn von dieser Förderung alle zurückfließenden Steuern und Abgaben sowie das ja zu zahlende Arbeitslosengeld abgezogen werden, dann verbleiben Nettokosten von etwa 5,- Euro je Arbeitsstunde oder insgesamt nur etwa 25% (Berechnung Aktion 20.000).


Viele Menschen machen sich Sorgen wegen der geringen Aussicht auf eine passende Beschäftigung. Aktuell sind offene Stellen nur in wenigen Branchen (Lager, Saison-Erntehelfer, Pflege, …) verfügbar. Viele der beim AMS gemeldeten offenen Stellen sind „Relikte“ (AMS Gf J. Kopf, 1. 4. 20). 


Für alle arbeitslosen Menschen sollte, um die Zeit sinnvoll zu nutzen, kostenfreie Weiterbildungen online angeboten werden, damit sie ihre Qualifikationen verbessern und anschließend bessere Chancen bei der Arbeitssuche haben. Mit angepasster didaktischer Vermittlung sollen diese auch Menschen zugänglich gemacht werden, die bisher wenig Übung im Umgang mit digitalen Medien hatten. Besonders geringqualifizierte ArbeitnehmerInnen, MigrantInnen, etc. brauchen Beratung und Unterstützung. Eine Arbeitsstiftung, die mit ausreichend finanziellen Mitteln ausgestattet ist, wäre dringend nötig, um Berufsabschlüsse nachzuholen.


In einer derartigen Krise zeigt der österreichische Sozialstaat seine Tragfähigkeit, aber mit bereits vorher bekannten Schwächen wie z. B. zu niedriges Arbeitslosengeld oder zu niedrige Sozialhilfe. Viele soziale Einrichtungen haben sehr rasch und kompetent ihr Unterstützungsangebot für arbeitssuchende Menschen auf Fernbetreuung umgestellt. Die AMS-MitarbeiterInnen sind großen Belastungen ausgesetzt, auch dies ist besonders zu schätzen. 


Es ist zu befürchten, dass die Schere in der Verteilung der Einkommen weiter aufgeht, und mehr Menschen ohne ausreichender Existenzsicherung z. B. mit einer zu niedrigen Sozialhilfe, an den Rand gedrängt werden. Da es nach der Krise mehr arbeitslose Menschen geben wird, ist eine Verteilung der Erwerbsarbeit, etwa durch eine generelle Arbeitszeitverkürzung sowie eine menschwürdige Existenzsicherung erforderlich.

 

Nachzulesen auch auf orf.at/religion: https://religion.orf.at/stories/3001631/


Christian Winkler, Geschäftsführer Bischöfliche Arbeitslosenstiftung

 

 


 

Bischöfliche Arbeitslosenstiftung
Domgasse 3
4020 Linz
Telefon: +43 732 781370
Telefax:+43 732 781370-4
arbeitslosenstiftung@dioezese-linz.at
DVR: 0029874(10312)
Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: