Wednesday 23. October 2019

"Ich kann was, ich bin was! Reicht das?"

INFOS 122 / Juni 2019

"Ich kann was, ich bin was! Reicht das?"

Ein Bericht über das Jugendforschungsprojekt

 

  • Genau betrachtet
  • Rückschau Tag der Arbeitslosen 2019
  • Einladung zum gemeinsamen Feiertag von KAB OÖ, Betriebsseelsorge OÖ, kj OÖ und Bischöfliche Arbeitslosenstiftung am 12. Oktober 2019
  • Herzliche Gratulation zum Solidaritätspreis 2019
  • Neu im Kollegium
  • Neu bei uns im Jugendprojekt JU-CAN

 

Im Jänner und Februar 2019 wurden in 38 Projekten in Oberösterreich insgesamt 450 Arbeit suchende Jugendliche in speziell konzipierten Workshops nach ihrer Lebenssituation, ihren Bedürfnissen und ihren Ideen für einen guten Einstieg in die Arbeitswelt befragt. In einer zusätz-lichen Online-Befragung beteiligten sich 93 TrainerInnen aus Kursen unterschiedlicher Organisationen, um die Aussagen der Jugendlichen zu spiegeln, zu verstärken oder zu nuancieren. Initiiert und organisiert haben das Jugendforschungsprojekt MitarbeiterInnen von Betriebsseelsorge OÖ, Bischöflicher Arbeitslosenstiftung, Kath. Jugend OÖ und Arbeiterkammer OÖ. Die Ergebnisse der österreichweit bislang größten Studie im Bereich Übergang Schule – Arbeitswelt wurden am 22. Mai 2019 im Linzer Ursulinenhof präsentiert. Dazu eingeladen waren die befragten Jugendlichen, VertreterInnen aus Kirche, Politik, Fördergeberstellen und Organisationen. Dem Team des Jugend-forschungsprojektes war es wichtig, den Jugendlichen in diesem Rahmen einen Platz für die Darstel-lung ihrer Bedürfnisse und Anliegen zu geben.

Jugendliche wollen arbeiten
Die befragten Jugendlichen werden auf ihrem Weg in die Arbeitswelt durch unterschiedliche Angebote unterstützt. Ein zentrales Ergebnis der Befragung zeigt, dass Erwerbsarbeit den Jugendlichen zu einem besserem Leben verhilft. Sie wollen arbeiten und empfinden ihre Projektzeit als sinnvoll, wenn diese ihnen beim Einstieg in die Arbeitswelt unterstützt. Über die Frage, wie das besser funktionieren könnte, haben sich die Jugendlichen nicht nur während der Befragungswork-shops in den Projekten vor Ort geäußert, sondern auch bei der Ergebnispräsentation, wo über 100 Jugendliche anwesend waren, um direkt mit den anwesenden EntscheidungsträgerInnen über ihre persönlichen Situationen und Lösungsvorschläge zu reden.

Wie kommen die Jugendlichen zu einem passenden Beruf? 
Die Mehrheit der befragten Jugendlichen gab an, dass das Projekt bei der Berufsfindung hilfreich ist, jedoch sind gut ein Drittel der BefragungsteilnehmerInnen nicht bzw. eher nicht davon überzeugt. Sie sind der Meinung, dass das Angebot nicht auf ihre Bedürfnisse eingeht, eine geringe Auswahl an Be-rufsmöglichkeiten vorgestellt wird sowie zu wenige Praktika in unterschiedlichen Branchen gemacht werden können. Andererseits sind viele der Jugendlichen mit dem Projekt zufrieden, da es hilfreiche Unterstützung bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen oder bei der Suche nach Praktika bietet. Eine flexiblere und längere Verweildauer in den Projekten wäre sinnvoll. „Es ist zermürbend von Projekt zu Projekt geschoben zu werden oder seine Zeit absitzen zu müssen, wenn man eigentlich schon arbeiten möchte“, so die Wortmeldung einer Jugendlichen. Gefordert werden mehr Investitionen in Werkstätten, EDV und eine höhere Unterstützung bei der Finanzierung der Fahrtkos-ten. Auch soll bereits in den Schulen Berufsorientierung einen höheren Stellenwert haben.

Familiärer Rückhalt 
Für 45 Prozent der Jugendlichen, so die Einschätzung der befragten TrainerInnen, ist das Fehlen von familiärem Rückhalt bzw. eine problematische familiäre Situation sehr belastend. Dies beeinflusst auch den Einstieg in die Arbeitswelt und zeigt schwerwiegende Folgen wie Versagensängste, Plan- und Antriebslosigkeit und ergibt finanziell belastende Lebenssituationen. Die Beihilfe für die Deckung des Lebensunterhalts (DLU) reicht oft nicht aus, um selbständig über die Runden zu kommen. Die Jugendlichen fordern daher existenzsichernde Unterstützung und das Anheben der DLU auf die Höhe einer Lehrlingsentschädigung. Die unrealistischen Zielvorgaben und Vermittlungsquoten der FördergeberInnen bereiten sowohl Jugendlichen als auch TrainerInnen Druck.

Nicht nur Arbeit, auch politische Anbindung
Mit der Aussage „Ich fühle mich von der Politik gut verstanden und vertreten“ sollte überprüft werden, ob politische Entscheidungen die Interessen der Jugendlichen berück-sichtigen. Der Großteil der Befragten stimmt dieser Aussage gar nicht zu. Auffällig aber ist, dass in vielen Projekten die Teilnehmenden sehr wenig über die aktuelle politische Lage und das politische Geschehen informiert sind und sich deshalb daran eher uninteressiert zeigen. Die Einschätzung der TrainerInnen stützt dieses Bild. Im Gegensatz dazu wünscht sich eine andere Gruppe der befragten Jugendlichen mehr politische Bildung in den Projekten, um in der Tagespolitik mitreden und sich einen Überblick über die Entscheidungen der PolitikerInnen machen zu können. Allgemein erhoffen sich die Jugendlichen weniger Rassismus und Diskriminierung sowie mehr Verständnis von Seiten der Politik für ihre aktuelle Situation.

Vorausschau
In einem nächsten Schritt sollen aus den Ergebnissen der Befragung Forderungen abgeleitet werden, die dann im Herbst 2019 den EntscheidungsträgerInnen übermittelt werden.

 

Stefan Robbrecht-Roller, Referent Bereich mensch & arbeit

Barbara Mitterndorfer-Ehrenfellner, Referentin Bischöfliche Arbeitslosenstiftung

 

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