Freitag 15. Dezember 2017

30 Jahre Bischöfliche Arbeitslosenstiftung

Am 17. Oktober 2017 feierte die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung im Pfarrzentrum Marcel Callo in Linz-Auwiesen ihr 30-jähriges Bestehen. Mit ihr feierten über 140 Gäste aus Kirche, Wirtschaft und Politik sowie Förderer und Förderinnen.

Unter dem Motto: „Würde und Gerechtigkeit – Menschen in der Arbeitswelt“ wurde gefeiert, gedankt, aber auch über Würde und Gerechtigkeit in der Arbeitswelt nachgedacht und diskutiert. Als Erwartung an die Bischöfliche Arbeitslosenstiftung und an die Kirche wurde seitens der Gäste formuliert, dass sie gemeinsam als „Interessensvertretung für Würde und Gerechtigkeit“ wirken müssen, um einer Spaltung in der Gesellschaft entgegenzuwirken.

Arbeitslosen Menschen eine Stimme zu geben ist eines der großen Anliegen der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung. Ein weiterer Aufgabenschwerpunkt ist die konkrete und individuell abgestimmte Hilfe für Menschen ohne Erwerbsarbeit. In diesen 30 Jahren konnten mehr als 3,5 Mio. Euro an Spenden gesammelt werden, um Menschen ohne Erwerbsarbeit und andere soziale Einrichtungen zu unterstützen. Im Betrieb JONA Personalservice konnten seit der Gründung im Jahr 1994, 363 Menschen in verschiedenen Betrieben in OÖ beschäftigt werden. Aktuell wird daran gearbeitet für ältere langzeitarbeitslose Menschen im Rahmen der Aktion 20.000 Arbeitsplätze zu schaffen. Die Arbeitsstiftung der Diözese Linz wurde 1998 gegründet. Seitdem konnten 126 TeilnehmerInnen die Unterstützung für einen beruflichen Umstieg oder für eine zukunftsweisende Ausbildung in Anspruch nehmen. Im Jugendprojekt JU-CAN begleiteten wir seit der Gründung 2010 mehr als 130 Jugendliche bei der Entwicklung einer neuen beruflichen Perspektive. Diese drei Einrichtungen werden durch Eigenerwirtschaftung, durch Förderungen des Sozialressorts des Landes OÖ und des AMS OÖ sowie mittels Spenden finanziert.

 

Edeltraud Addy Papelitzky, Christian Winkler, Diözesanbischof Manfred Scheuer, Iris Schmidt, Birgit Gerstorfer, Sandra Saminger, Franz Molterer, Bischof em. Maximilian Aichern

vl: Edeltraud Addy-Papelitzky (Kollegiumsvorsitzende Bischöfliche Arbeitslosenstiftung), Christian Winkler (Geschäftsführer Bischöfliche Arbeitslosenstiftung), Diözesanbischof Manfred Scheuer, Iris Schmidt (stv. Landesgeschäftsführerin AMS OÖ), Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer, Sandra Saminger (Vertretung AK-Präsident), Franz Molterer (stv. Direktor AK OÖ), Bischof em. Maximilian Aichern. Foto: (C) 2017 Michaela Greil/MIG-Pictures e.U.

 

Die Würde des Menschen wahren
Diözesanbischof Manfred Scheuer betonte in seiner Begrüßung, die Bedeutung von Erwerbsarbeit für den einzelnen Menschen. „Arbeit ist eine wichtige Säule für ein gesundes Leben. Wird ein Mensch arbeitslos, zerbröselt diese Säule. Arbeitslosigkeit macht krank.“ Doch auch für die Gesellschaft insgesamt ist von Bedeutung, wie sie mit Menschen an ihren Rändern umgeht: OB und WIE Menschen arbeiten und bezahlt werden, entscheidet wesentlich darüber, ob ein Leben in Würde möglich ist. Bischof Scheuer betonte in diesem Zusammenhang die grundsätzlich gleiche Würde aller Menschen – sie ist es, die uns zur Schaffung von Gerechtigkeit verpflichtet. Bei allen gegenwärtigen und zukünftigen Veränderungen in der Arbeitswelt, wie z.B. Automatisierung und Digitalisierung, darf Arbeitslosigkeit nicht einfach als „Teil des Marktes“ hingenommen werden. Stattdessen ist die Frage nach einer gerechten Verteilung des Erwirtschafteten zu stellen.

 

Im Dialog: Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer und Diözesanbischof Manfred Scheuer
Landesrätin Birgit Gerstorfer betonte ihren Blickwechsel von AMS zum Sozialressort. Beim AMS habe man mit der Normal-Arbeitswelt zu tun, das Sozialressort mit seiner Zuständigkeit für beeinträchtigte Menschen, die Beschäftigung suchen. Das Gemeinsame dabei: „Arbeit hat Bedeutung in der Gesellschaft, persönlich und für’s WIR-Gefühl.“ Arbeit steht für Sinngebung, Existenzsicherung, Selbstverwirklichung, Dabei-Sein und Zugehörigkeit.
Die Frage nach der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme ist ein wichtiges Zukunftsthema, betonte Landesrätin Gerstorfer. Aus welchen Formen von Einkommen sind diese in Zukunft finanzierbar, wenn Arbeitsplätze weniger werden? Wird das Gemeinwohl nicht gesichert, entstehen andere massive Probleme. Wie also Arbeit und Gesellschaft organisieren? Entscheidend ist für sie, wie wir uns als Gesellschaft zu den Menschen stellen, die „draußen“ gelandet sind. Ein gutes, Würde zurückgebendes Modell ist für sie die gerade anlaufende „Aktion 20.000“ für arbeitslose Menschen über 50. Als Aufgabe in der Politik sieht Landesrätin Gerstorfer derzeit die Absicherung des Bestehenden im Sozialsystem und das Bestreben, Rückschritten und Fehlentwicklungen entgegen zu wirken mit der Priorität für eine Politik für alle Menschen.


Birgit Gerstorfer, Anna Wall-Strasser, Diözesanbischof Manfred Scheuer

Moderatorin Anna Wall-Strasser im Dialog mit Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer und Diözesanbischof Manfred Scheuer. Foto: (C) 2017 Michaela Greil/MIG-Pictures e.U.

 

Bischof Scheuer erzählte von seinem Besuch in der Lehrwerkstätte der voestalpine und wie die Arbeit den jungen Menschen dort das Gefühl von Zugehörigkeit und Selbstwert vermittelt. Arbeit ist ein wichtiger Teil des Lebens, wobei jedoch insgesamt auf eine sinnvolle Lebensgestaltung zu achten ist. Diese Notwendigkeit einer Balance betrifft sowohl die persönliche als auch die gesellschaftliche Ebene mit ihrem Ungleichgewicht der Verteilung von Arbeit. Durch die radikalen Veränderungen der „digitalen Revolution“ ist zu erwarten, dass traditionelle Arbeitsplätze verloren gehen. Daher ist ein Nachdenken über eine Art von Grundeinkommen nötig.  Weitere Herausforderungen unserer Gesellschaft sieht Diözesanbischof Scheuer in der Ausbildung der Jugend, die Forderung nach lebenslangem Lernen und die Entwicklung einer neuen Ethik in Bezug auf die zunehmende Interaktion zwischen Mensch und Maschine – Stichwort Pflegeroboter. Der Bischof stellte die Frage nach Würde und Gerechtigkeit für Menschen in der Arbeitswelt auch in den Kontext einer gedeihlichen wirtschaftlichen Kultur und forderte, auf die Ausgewogenheit zwischen Leitbetriebe und Handwerk, Klein- und Mittelbetriebe zu achten.

 

Gedanken von Bischof Manfred Scheuer zum Nachlesen

 

Aus der Diskussion
Die TeilnehmerInnen der Veranstaltung sprachen in ihren Statements und Diskussionsbeiträgen die Frage der Integration, der Umverteilung von Reichtum, die Ausgrenzungs- und Neiddebatte, das Sicherheitsbedürfnis der Menschen bzw. die Alternative eines kooperativen Wirtschaftens an.
Als Resümee der Diskussionen kann der Wunsch nach einem „Dranbleiben“ am gemeinsamen Engagement für Würde und Gerechtigkeit für Menschen in der Arbeitswelt und auch in der Arbeitslosigkeit formuliert werden.

 

Abschluss mit Musik, Theater und Gesprächen
Nach einer Vorstellung der verschiedenen Teilbereiche der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung (JONA, Arbeitsstiftung, JU-CAN) dankten Stadträtin Regina Fechter, Iris Schmidt, stv. Landesgeschäftsführerin des AMS, und Landesrätin Birgit Gerstorfer allen für die wertvolle Arbeit.

 

Anna Wall-Strasser, Regina Fechter, Iris Schmidt, Birgit Gerstorfer

Moderatorin Anna Wall-Strasser im Gespräch mit Stadträtin Regina Fechter, Iris Schmidt (stv. Landesgeschäftsführerin AMS OÖ), Soziallandesrätin Birgit Gerstorfer. Foto: (C) 2017 Michaela Greil/MIG-Pictures e.U.

 

MitarbeiterInnen der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung. Foto: (C) 2017 Michaela Greil/MIG-Pictures e.U.


Gründer-Bischof Maximilian Aichern erinnerte an das Zusammengehören des Religiösen und Sozialen und dass es stets Aufgabe der Kirche sei, mit Worten und Taten dort zu helfen, wo Menschen in Not sind. Edeltraud Addy-Papelitzky, Kollegiumsvorsitzende der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung, betonte das Wertvolle dieses Tuns als Erfahrungsraum, als exemplarische Hilfe und als Auftrag Menschen bei der Entwicklung von Perspektiven zu unterstützen.

 

Anna Wall-Strasser, Bischof em. Maximilian Aichern, Edeltraud Addy-Papelitzky

Gründer der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung Bischof em. Maximilian Aichern mit Anna Wall-Strasser und Edeltraud Addy-Papelitzky. Foto: (C) 2017 Michaela Greil/MIG-Pictures e.U.

 

Ein selbst erarbeitetes Theaterstück vom Jugendprojekt JU-CAN zum Thema Mobbing ließ die TeilnehmerInnen hautnah eintauchen in genau solche Erfahrungen vom Menschen ohne Perspektive.
Ein toller inhaltlicher Abschluss der Veranstaltung!

 

 

Theateraufführung der TeilnehmerInnen des Jugendprojektes JU-CAN mit dem Theaterpädagogen Markus Hopf. Foto: (C) 2017 Michaela Greil/MIG-Pictures e.U.

 

Durch die Veranstaltung führte Anna Wall-Strasser, Leiterin der Abteilung Betriebsseelsorge im Bereich „mensch & arbeit“ des Pastoralamtes. Für die musikalische Umrahmung der Feier sorgten Mojca und Daniel Oman. Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein im Pfarrsaal klang das „Geburtstagsfest“ der Bischöflichen Arbeitslosenstiftung bei selbstgemachtem Kuchen der Jugendlichen vom Jugendprojekt JU-CAN und dem Buffet des FAB aus.

 

Musikalische Begleitung Mojca und Daniel Oman. Foto: (C) 2017 Michaela Greil/MIG-Pictures e.U.

 

Rückfragen an:

Christian Winkler

Geschäftsführer

Mobil: 0676 8776 1910

 

Barbara Mitterndorfer-Ehrenfellner

Referentin

Mobil: 0676 8776 1912
 

Für den Bericht: Elisabeth Zarzer und Barbara Mitterndorfer-Ehrenfellner

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