Freitag 20. April 2018

Positionierungen der kj oö

Die im Folgenden dargestellten Fragen können im Zuge des Lesens der Positionierungen auftauchen.

Positionierungen zum Downloaden

 

Sie wurden von Engagierten in der kj oö beantwortet und sollen einerseits möglichst konkrete, gut begreifbare und verständliche Antworten geben bzw. erläutern, wo in der Positionierung aufgrund der gebotenen Kürze die Hintergründe nicht ausgeführt werden konnten. Sie sind ohne Anspruch auf Vollständigkeit und können auf Anregung gerne erweitert werden (wende dich dazu bitte an: kj@dioezese-linz.at).

Mit Blick auf die für 2018 vom Papst angekündigte „Jugendsynode“ (vgl. http://religion.orf.at/stories/2801607/) kann und soll die Diskussion zu den in den Positionierungen angestoßenen und darüber hinausgehenden Themen intensiv geführt werden.

 

Wer ist die kj oö?
Die kj oö setzt sich aus ehren- und hauptamtlich engagierten katholischen ChristInnen zusammen. Die Arbeit findet dabei in verschiedenen Bereichen statt, angefangen im direkten Kontakt mit den Jugendlichen in den Pfarren und Treffpunkten, bis zu den Dekanaten und den Regionen, sowie in der übergreifenden Arbeit auf diözesaner Ebene (z. B. bei Großtreffen, Projekten wie den 72h ohne Kompromiss, Spirinights, …). Darüber hinaus gibt es Vernetzungen auf Österreich-, Europa- und Weltebene. Besonders wendet sie sich an die 14- bis 19-jähren Jugendlichen und jungen Erwachsenen in OÖ.

Die kj oö ist in der Diözese Linz beauftragt, die kirchliche Jugendarbeit zu gestalten und zu unterstützen (z. B. durch Schulungen, Beratungen, Behelfe, …).

 

 

Die kj oö steht für das volle Leben.

„Leben“ heißt für uns, sich zu begeistern, sich einzubringen, gemeinsam zu feiern, Neues auszuprobieren, Spaß zu haben und an Grenzen zu gehen. Auch Trauer, Verzweiflung, Schicksalsschläge sind Teil eines vollen Lebens. Bei allen Höhen und Tiefen und dem was dazwischen liegt, ist es für uns als ChristInnen entscheidend, auf unsere Sinne und Gefühle, unseren Körper, die Umwelt und Mitmenschen zu achten.

 

 

Was meint „an Grenzen zu gehen“?

Grenzen gehören zu unserem Leben dazu. Es gibt Grenzen der physischen und psychischen Belastbarkeit, des Wachstums, der Nähe, der Zeit, des Gesetzes, der Ressourcen unserer Erde, der Wirtschaft uvm. Am stärksten sind wir Menschen aber mit der Grenze des Todes konfrontiert, an die wir alle stoßen. Weil wir und unsere Welt nicht grenzenlos sind, müssen wir mit der Begrenztheit umgehen lernen. Während manche Grenzen (z.B. Tod, Ressourcen der Erde, ...) definitiv sind, können wir manche (vor allem persönliche) Grenzen auch weiten oder überwinden (z. B. Vorurteile gegenüber anderen). Grenzerfahrungen können uns dabei helfen, eigene Grenzen wahrzunehmen, zu akzeptieren und manchmal auch zu verändern. Geht man aber ständig über seine Grenzen hinaus, kann es dem eigenen Körper und der Psyche schaden (z. B. Burnout).

 

Was versteht die kj oö unter einem sinnvollen Umgang mit den eigenen Grenzen?

Es ist sinnvoll, die eigenen Grenzen zu kennen, aber auch (vgl. Frage „Was meint an Grenzen zu gehen?“) zu versuchen, diese zu weiten. Wichtig ist aber auch, die eigenen Grenzen und die der Mitmenschen zu respektieren und nicht ständig am Limit zu leben.

 

Wie kann ein sinnvoller Umgang mit Grenzen praktisch aussehen?

Im Alltag gibt es die sogenannte „Komfortzone“, in der alle Vorgänge wie von selbst vor sich gehen. Das Gegenüber ist die „Panikzone“, dort sind wir dermaßen überfordert, dass wir nicht mehr handlungsfähig sind. Dazwischen kann von einer „Lernzone“ gesprochen werden. Der kj oö geht es darum, behutsam aus der Komfortzone in den Lernbereich zu begleiten. Unser Glaube und die Beschäftigung mit dem Glauben angesichts unserer Endlichkeit und Begrenztheit lässt uns mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen Antworten suchen, entdecken und verstehen wollen.

Die kj oö bietet dazu gezielte Veranstaltungen an. Beispielsweise die Tage der Stille, die Sommerwochen oder die Oasentage. Hier kann man bewusste Auszeiten nehmen, sich im geschützten Rahmen mit eigenen Grenzen auseinandersetzen und in Gemeinschaftserfahrungen diese weiten oder auch zu akzeptieren.

 

Wie regt die kj oö zum achtsamen Umgang mit dem eigenen Körper, unseren Sinnen und Gefühlen, unserer Umwelt und den Mitmenschen an?

Bei ihren Aktionen und Angeboten ist der kj oö ein vielseitiger Zugang sehr wichtig. Einerseits gibt es ausdrückliche Impulse, wie zum Beispiel die Aktion „Verzicht in der Fastenzeit“. Andererseits geschieht die Beschäftigung durch Bewegungs- und Gemeinschaftsspiele, Meditationen, gemeinsame Glaubensfeiern und soziale Aktivitäten. Damit werden sowohl der Körper als auch die Sinne und Gefühle der Jugendlichen angesprochen. Dabei wird besonders auf einen respektvollen Umgang miteinander geachtet. Außerdem sind viele Projekte der kj oö geprägt von einer umweltbewussten Grundhaltung (Stichwort „faire kj“).

 

 

Die kj oö engagiert sich aus ihrem Glauben heraus und packt an, wo Unterstützung gebraucht wird.

Unser Glaube macht den Alltag zu einem besonderen Tag, er macht jeden Tag einzigartig. In der KJ leben wir diesen Glauben durch Gemeinschaft und Engagement. Wir bieten Jugendlichen Raum zum Sein, Raum zur Entfaltung, Raum für eigenes Engagement. Auf Basis der Nächstenliebe gilt unser Tun allen Menschen.

 

 

Welche Beispiele gibt es für soziales Engagement in der kj oö?

Sehr bekannt ist die Jugendsozialaktion 72h ohne Kompromiss, doch die kj oö engagiert sich auch bei vielen Benefizveranstaltungen, wirkt aktiv bei der Betreuung von Flüchtlingen mit und macht auf Jugendarbeitslosigkeit aufmerksam. Weiters setzte und setzt die kj oö im Antirassismusbereich, sowie in der Lobbyarbeit für Jugendliche (z. B. Freiwilligendienste) im politischen Bereich wichtige Akzente.

 

Wie hält es die kj oö mit dem Glauben?

Der Glaube an den liebenden Gott, an Jesus Christus, der schon zu Lebenszeit vorgelebt hat, wie Leben in dieser Welt gelingen kann, der gestorben und auferstanden ist und die begeisternde Kraft des Hl. Geistes ist wesentlich für unsere Jugendarbeit. Wir wissen uns einer langen Tradition von aktiven ChristInnen verbunden die in ihrer Zeit jeweils versucht haben, bestmöglich das zu leben, was sie vom Evangelium verstanden haben. (vgl. Frere Roger, Taizé). In dem wir immer wieder zusammenkommen, gemeinsam die Frohe Botschaft hören und sie in den Alltag verwurzeln, wird unser Glaube aktualisiert.

 

Wie gestaltet die kj oö Raum zur Entfaltung und zum eigenen Sein?

Das geschieht vielfach ganz konkret vor Ort, zum Beispiel in den Jugendgruppen und Projekten in den Pfarren. Jugendliche werden ermutigt ihre jeweils einzigartige Persönlichkeit zu entwickeln mit dem Blick darauf, dass alles Leben geschenkt wurde. Aufgabe der kj oö ist es, Jugendliche auf diesem Weg zu bestärken, zu begleiten, sie zur Teilhabe zu ermutigen und Gemeinschaftserleben zu ermöglichen.

Bei Orientierungstagen und bei Angeboten zur Berufsnavigation, die von der kj oö

angeboten werden, können Jugendliche sich in Gruppen- oder Einzelarbeiten, mit ihren Zielen, Bedürfnisse und Wünschen auseinandersetzen.

 

 

Die kj oö sieht gegenseitige Liebe und Verantwortung als Grundlage für Sex.

Viele Jugendliche und junge Erwachsene haben Sex vor der Ehe. Grundlage für Sex ist aus der Sicht der kj oö sowohl vor als auch in der Ehe die gegenseitige Liebe, Sensibilität für Verwundbarkeit und eine gemeinsame, verantwortungsvolle Entscheidung. Die kj oö sieht ihre Aufgabe in der Begleitung der Jugendlichen zu gelingenden Beziehungen, zu Vertrauen und Treue1 in der Partnerschaft, sowie zur Ehe als erstrebenswertem Lebensmodell.

(1 Prinzip der Gradualität - gestufte Entfaltung.)

 

 

Ist jetzt alles erlaubt?

Grundsätzlich liegt das Schutzalter in Österreich bei 14 Jahren (vgl. ÖstGB 74, STGB 206 und 207). Neben dieser gesetzlichen Grundlage, baut die kj oö aber auch auf die moralischen Grundlagen der Katholischen Kirche.

Diese sehen vor, dass es erst nach der Eheschließung zum Geschlechtsverkehr kommt (vgl. dazu KKK 2360ff - http://www.vatican.va/archive/DEU0035/_P8C.HTM). Die Ehe ist für uns das erstrebenswerte Ziel von Liebesbeziehungen. Als kj oö nehmen wir allerdings auch wahr, dass viele Jugendliche und junge Erwachsene ihre Sexualität in sehr unterschiedlicher Weise ausleben2. Es ist uns deshalb ein Anliegen, Jugendliche in ihrer sexuellen Entwicklung zu begleiten und ihnen mit Veranstaltungen, in Gesprächen und bei Schulungen zu helfen, verantwortungsvoll mit ihrer Sexualität umgehen zu lernen und eine Offenheit für die Weitergabe des Lebens in einer Liebesbeziehung zu entwickeln.

Eigenverantwortung und ein respektvoller Umgang sind dabei zwei wichtige Grundsäulen, auf die sich die kj oö stützt.

(2 Vgl. z.B.: http://www.oegf.at/dokumente/erstesmalstudie.pdf, http://newsv1.orf.at/061213-6994/index.html, http://derstandard.at/1379291956578/Mythos-Jugendsexualitaet-Das-fruehe-erste-Mal - das „erste Mal“ findet bei Jugendlichen in Östereich zwischen dem 16. und 17. Lebensjahr statt. Das mittlere Erstheiratsalter liegt lt. Statistik Austria bei Männern 2014 bei 32,4 Jahren, bei Frauen bei 30,0 Jahren http://oesterreich.orf.at/stories/2721301/)

 

Wie ist das dann, wenn einer der PartnerInnen den Schritt nicht will/kann?

Es darf keiner der Partner durch den Wunsch des anderen derart unter Druck kommen, dass er/sie sich dazu genötigt fühlt. Erst wenn jedeR für sich diesem Schritt positiv gegenüber steht, kann diese Einzelentscheidung in eine gemeinsame Entscheidung münden. Ein Nein eines Partners/einer Partnerin ist IMMER zu respektieren.

 

Was versteht ihr unter Verwundbarkeit?

Wenn sich Menschen einander ganz hingeben, dann ist das ein Schritt der mit viel Vertrauen einhergeht. In dieser Öffnung auf ein DU hin sind wir verletzlich – von körperlichen bis hin zu seelischen Verwundungen, die durch Handlungen und Äußerungen hervorgerufen werden können. Die Entwicklung einer Sensibilität dafür halten wir für wesentlich!

 

Ist der kj oö das Ehegelübde nichts wert?

Ganz im Gegenteil – BEZIEHUNGLEBEN.AT, die Abteilung Ehe und Familie im Pastoralamt veranstaltete in den vergangenen Jahren in Kooperation mit der kj oö regelmäßig Ehevorbereitungskurse. Allerdings sieht sie auch, dass es bei vielen (langjährigen) Paaren ein Liebesleben vor der Ehe gibt, das kultiviert und verantwortungsvoll gelebt wird. Das Erstheiratsalter bei Frauen liegt inzwischen über 30, das bei Männern sogar bei 32 Jahren. Vielfach warten Paare heute (aus unterschiedlichen Gründen) sehr lange zu, bevor sie sich auf diese intensivste, lebenslang zugesagte Form der Bindung einlassen. Wir sehen, so wie die Mehrheit der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die Ehe als besonders wertvolle Form des Zusammenlebens. Wir wollen junge Menschen dabei begleiten, wenn sie sich auf den gemeinsamen Weg dorthin einlassen.

 

Wie sieht die kj oö ihre sexualpädagogische Aufgabe?

Die kj oö will Räume und Zeiten eröffnen, die es ermöglichen Liebe, Partnerschaft und Sexualität aber auch Gewaltprävention zur Sprache zu bringen und in einer wertschätzenden Atmosphäre die Sprachlosigkeit zu überwinden. Sie begleitet Jugendliche dabei, tragfähige Beziehungen zu entwickeln und verantwortungsvoll mit der eigenen Sexualität umgehen zu lernen.

Bei Veranstaltungen wie Spirinights, Orientierungstagen, Sommerwochen der kj oö (Trau di leb’n, Sommercamp) bieten die ehren- und hauptamtlichen MitarbeiterInnen verschiedene Angebote an, um sich mit der eigenen Sexualität, der Beziehung zu Anderen und den respektvollen Umgang miteinander auseinander zu setzen.

 

 

Die kj oö sieht Verhütung als hilfreiches Mittel zur Vorbeugung einer ungewollten Schwangerschaft an.

Zu Sex gehören unserer Meinung nach der verantwortungsvolle Umgang mit Verhütungsmethoden und die Bereitschaft auch unerwartet entstehendes Leben als Eltern anzunehmen. Jeder Mensch soll mit seinem Partner/mit seiner Partnerin gemeinsam entscheiden, wie sie mit dem Thema Verhütung und Schutz vor Geschlechtskrankheiten umgehen.

 

 

Ist bei Verhütung auch irgendeine Form des Schwangerschaftsabbruchs gemeint?

Nein, das ist damit explizit nicht gemeint, es geht darum VORzubeugen.

 

Was ist mit dauerhaften Verhütungsmethoden (Sterilisation, Kastration)?

Im jugendlichen Alter stellt sich diese Frage de facto nicht. Kirchlich gesehen ist sie abzulehnen, weil damit ausgeschlossen wird, dass sich Nachwuchs einstellen kann.

 

Wann beginnt menschliches Leben?

Für die kj oö beginnt menschliches Leben, wenn Ei- und Samenzelle miteinander verschmelzen. Von Beginn an ist der Embryo wertvoll und hat ein Grundrecht auf Leben. Deshalb steht sie kritisch zur Abtreibung, Stammzellenforschung und Präimplantationsdiagnostik.

 

Wie ist das dann mit der Offenheit für die Weitergabe des menschlichen Lebens?

Es kann Gründe in der Lebensplanung von Paaren geben, die einen Augenblick besser bzw. weniger gut geeignet erscheinen lassen, um das Leben in einer Liebesbeziehung weiter zu schenken. Wir finden es für die PartnerInnen angemessen, diese Umstände ernst zu nehmen und nach Prüfung des eigenen Gewissens jene Formen der Empfängnisregelung zu wählen, die sie mit ihrem Gewissen vereinbaren können.

 

 

Für die kj oö sind homosexuell lebende und liebende Menschen gleichwertige Mitglieder unserer Gemeinschaft.

In der kj oö herrscht seit langem ein Klima, in dem Menschen zu ihrer sexuellen Orientierung stehen und diese leben können. Die kj oö steht dafür ein, dass es eine kirchliche Feier gibt, in der gleichgeschlechtlich liebende Paare ihre Liebe und Partnerschaft unter den Segen Gottes stellen.

 

 

Worauf stützt die kj oö ihren offenen Umgang mit homosexuellen Menschen?

Die kj oö beruft sich dabei auf das Diskriminierungsverbot (Art. 14 Allgemeine Menschenrechte), in dem es heißt, dass kein Mensch aufgrund von Geschlecht, Rasse, Hautfarbe, Sprache, Religion und sexueller Orientierung […] ausgegrenzt werden darf.
Auch seitens der Kirche wird erklärt, dass Homosexuelle angenommen und respektiert werden müssen (vgl. Katechismus der Katholischen Kirche 2358, vgl. Amoris laetitia 250).

 

Widerspricht gelebte Homosexualität nicht der Bibel?

Gott spricht in der Schöpfungserzählung (Gen 1,31) davon, dass alles was er geschaffen hat, sehr gut ist.

Angesichts der Forschungsergebnisse ist davon auszugehen, dass Menschen die sexuelle Orientierung mit der Geburt mitbekommen haben. Die Schlussfolgerung daraus ist, dass der Mensch unabhängig von seiner sexuellen Orientierung von Gott geliebt und als wertvoll erachtet wird.

 

Wieso dürfen homosexuelle Menschen dann nicht heiraten?

Weil laut der Katholische Kirche zum Sakrament der Ehe unter anderem ausdrücklich die Offenheit zur Weitergabe menschlichen Lebens innerhalb dieser Gemeinschaft gehört (vgl. KKK 2363, vgl. Amoris laetitia 251).

 

 

Die kj oö fordert den Zugang zur Priesterweihe für Frauen.

Für die kj oö haben Frauen und Männer die gleiche Würde und die gleichen Rechte und Pflichten. Wir treten für Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen ein und fordern deshalb den Zugang zum Sakrament der Weihe (DiakonIn, PriesterIn, BischöfIn) für alle Berufenen und Geeigneten.

 

 

Wieso hatte Jesus dann nur 12 männliche Jüngern?

Dazu gibt es im Evangelium keinen direkten Hinweis. Die Namen der zwölf Apostel, denen Jesus einige Vollmachten überträgt, sind im Markusevangelium (vgl. Mk 3,13-19) ausdrücklich genannt. Die Apostelgeschichte berichtet dann auch noch über das Nachrücken des Matthias in diesen Kreis (Apg 1,23-26). Aus den Evangelien wissen wir auch, dass Jesus neben diesen 12 Jüngern mehrere Frauen im engsten Freundeskreis hatte, die ihn begleiteten und auch bei sehr wichtigen Ereignissen seines Wirkens und Lebens dabei waren. Beispielsweise Maria und Martha, die sich um Jesus kümmern und seiner Botschaft Glauben schenken (Lk 10,38-42 und Joh 11 und Joh 12). Die Bibel nennt Frauen als die ersten Zeugen der Auferstehung Jesu (Mk 16,1-8). Jesus hat viele Tabus seiner Zeit aufgebrochen. War die Dominanz der Männer in der Gesellschaft damals so festgefahren, dass der Schritt, Frauen in die Reihe der 12 zu ernennen, zur gesellschaftlichen Überforderung und damit grundlegenden Ablehnung seiner gesamten Botschaft geworden wäre?

 

Worauf stützt die kj oö ihre Forderung nach dem Zugang zur Priesterweihe für Frauen?

Die Gleichwertigkeit die Mann und Frau in der Bibel zugesprochen wird (siehe Gen 1,27 „… als Mann und Frau schuf Gott sie …“) wiegt aus unserer Sicht stärker als die Tradition das Weihesakrament nur Männern offen zu halten. Im Galaterbrief (vgl. Gal 3,28) betont Paulus, dass wir – und er benennt ausdrücklich Frauen und Männer – durch die Taufe eins sind in Christus.

 

Warum gibt es dann weibliche Pfarrerinnen und Bischöfinnen bei den Evangelischen?

Die evangelische Kirche spricht nur bei Taufe und Abendmahl von einem Sakrament, da ihrer Lehre nach zu einem Sakrament das sichtbare Zeichen und das Stiftungswort Jesu gehören. Da es für die Weihe aber kein ausdrückliches Wort Jesu gibt, kennt die evangelische Kirche kein Weihesakrament. Die „Ordination“ in der evangelischen Kirche ist die Segnung und Sendung für den Dienst der öffentlichen Wortverkündigung und Sakramentenverwaltung. Sie begründet im Unterschied zur Kath. Kirche nicht die Zugehörigkeit zu einem besonderen Priesterstand.

 

 

Die kj oö setzt sich dafür ein, Priestern zu ermöglichen, sich frei für oder gegen den Zölibat entscheiden zu können.

Es gibt junge, kreative und engagierte Menschen, die von Gott sowohl zu Priestern als auch zur Ehe berufen und dafür geeignet sind. Wir fordern daher, dass Verheiratete die Priesterweihe empfangen dürfen und Priestern der Zugang zum Sakrament der Ehe ermöglicht wird.

 

 

Warum will die kj oö Impulse zur Weiterentwicklung der „Lehrmeinung“ einbringen?

In den Abschlussdokumenten des zweiten Vatikanischen Konzils ist zu lesen, dass Kirche sich mit den Entwicklungen in der Gesellschaft auseinandersetzen muss3. […]

Die kj oö sieht es als ihre Aufgabe, auch kritisch mit bestehenden innerkirchlichen Traditionen umzugehen und ihre Aktualität zu hinterfragen, da diese auch Teil des gesellschaftlichen Lebens sind. Sie sieht manche Dinge als überholt an und insbesondere die Jungen können in einer Organisation Anstöße zur Weiterentwicklung liefern im Sinne einer prophetischen Kraft (vgl. Bund deutscher katholischer Jugend, Der Anteil der Verbände an der Sendung der Kirche, Beitrag zu einer Theologie der Verbände, Düsseldorf 2015, 26). Schon der Hl. Benedikt hat in seinen Ordensregeln festgelegt, dass bei Entscheidungen immer auch die Jüngsten zu hören sind4.

(3 „Zur Erfüllung dieses ihres Auftrags obliegt der Kirche allzeit die Pflicht, nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten. So kann sie dann in einer jeweils einer Generation angemessenen Weise auf die bleibenden Fragen der Menschen nach dem Sinn des gegenwärtigen und des zukünftigen Lebens und nach dem Verhältnis beider zueinander Antwort geben. […]“ Gaudium et spes 4)

(4 Vgl. Regel des Hl. Benedikt, Kapitel 3 Die Einberufung der Brüder zum Rat: „3. Dass aber alle zur Beratung zu rufen seien, haben wir deshalb gesagt, weil der Herr oft einem Jüngeren offenbart, was das Bessere ist.“)

 

Warum steht die kj oö kritisch zum Pflichtzölibat?

Weil wir sehen, dass damit geeignete und berufene Personen von der Weihe ausgeschlossen werden. Wir anerkennen den Wert einer zölibatären Lebensform5. Die Ehelosigkeit kann, müsste aber nicht zwingend, ein integraler Anteil eines gelingenden Priesterdaseins sein. Die kj oö spricht sich dafür aus, dass der Zölibat eine freie Entscheidung, aber keine Verpflichtung sein sollte (vgl. dazu beispielsweise auch das Interview mit Rektor der KU Dr. Franz Gruber - https://www.meinbezirk.at/land-oberoesterreich/politik/rektor-franz-gruber-im-gespraech-m10198592,1674680.html).

(5 Bezug zu den drei evangelischen Räten)

Im kj shop erhältlich!
Liederberg 3

Liederberg 3
Vom Lagerfeuer bis zur Gitarrenstunde, vom Probenraum bis zur Schihütte und weit darüber hinaus: 315 Songs und vieles mehr auf 570 Seiten. mehr ...

Zeitung der kj oö
cloud.letter April 2018

cloud.letter / cloud.book
mehr ...

Katholische Jugend OÖ
Kapuzinerstraße 84
4020 Linz
Telefon: +43 732 7610 - 3311
Telefax:+43 732 7610 - 3779
kj@dioezese-linz.at
Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: