Friday 28. February 2020

Die Freude, umsonst zu geben

Gebende Hände

Im Zentrum der Botschaft von Papst Franziskus zum Welttag der Kranken 2019 steht die Bibelstelle „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8).

Liebe Brüder und Schwestern,

 

»Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben« (Mt 10,8). Dies sind die Worte Jesu bei der Aussendung der Apostel zur Verkündigung des Evangeliums, damit sich sein Reich durch Gesten freigiebiger Liebe ausbreite.

 

Anlässlich des 27. Welttages der Kranken, der am 11. Februar 2019 in Kalkutta in Indien feierlich begangen wird, erinnert die Kirche als Mutter aller ihrer Kinder, insbesondere der Kranken, daran, dass die Gesten einer umsonst ausgeteilten Gabe, wie die des Barmherzigen Samariters, der glaubhafteste Weg der Evangelisierung sind. Die Pflege des Kranken bedarf der Professionalität und des Zartgefühls, braucht spontane und einfache Gesten, die umsonst gegeben werden, wie zum Beispiel ein Streicheln, durch die man den anderen spüren lässt, dass er „wertvoll“ ist.

 

Das Leben ist eine Gabe Gottes; der heilige Paulus mahnt: »Was hast du, das du nicht empfangen hättest?« (1 Kor 4,7). Eben weil es eine Gabe ist, darf unser Leben nicht als ein bloßer Besitz oder als Privateigentum betrachtet werden, gerade im Hinblick auf die Errungenschaften von Medizin und Biotechnologie, die den Menschen dazu verleiten könnten, der Versuchung nachzugeben, den “Baum des Lebens” zu manipulieren (vgl. Gen 3,24).

 

Angesichts von Wegwerfkultur und Gleichgültigkeit will ich dringend unterstreichen, dass die Gabe das Paradigma sein muss, das den Individualismus und die heutige gesellschaftliche Zersplitterung herausfordern kann, um neue Beziehungen und verschiedenartige Formen der Kooperation zwischen den Völkern und Kulturen anzuregen. Der Dialog als Voraussetzung zur Gabe eröffnet Beziehungsfelder für menschliches Wachstum und Entwicklung, welche die eingespielten traditionellen Schablonen der Machtausübung in der Gesellschaft durchbrechen können. Die Gabe ist nicht identisch mit der Handlung des Schenkens, denn man kann sie nur dann so nennen, wenn man sich selbst dabei hingibt; sie darf sich nicht auf die bloße Übergabe eines Eigentums oder irgendeines Gegenstandes beschränken. Die Gabe unterscheidet sich eben gerade deshalb vom einfachen Schenken, weil man sich selbst in ihr hingibt und sie den Wunsch voraussetzt, eine Beziehung einzugehen. Die Gabe ist also vor allem eine gegenseitige Anerkennung, welche wiederum ein unverzichtbares Kennzeichen sozialer Bindung ist. In der Gabe erkennen wir den Widerschein der Liebe Gottes, die ihren Höhepunkt in der Menschwerdung seines Sohnes Jesus und in dem Ausgießen des Heiligen Geistes erreicht.

 

Jeder Mensch ist arm, bedürftig und notleidend. Wenn wir geboren werden, brauchen wir die Fürsorge unserer Eltern zum Leben, und in keiner Lebensphase wird es uns je gelingen, uns ganz davon zu befreien, anderer Menschen zu bedürfen und ihre Hilfe in Anspruch zu nehmen. Niemandem wird es je gelingen, sich ganz der Bande der Ohnmacht gegenüber einem Menschen oder einer Situation zu entledigen. Auch dies ist ein Zustand, der uns als „Geschöpf“ kennzeichnet. Das aufrichtige Eingestehen dieser Wahrheit hilft, demütig zu bleiben und mutig Solidarität als eine unentbehrliche Tugend des Lebens zu praktizieren.

 

Dieses Bewusstsein drängt uns zu einem verantwortlichen und Verantwortung fördernden Handeln, im Hinblick auf ein Gut, das untrennbar individuell wie gemeinschaftlich ist. Erst wenn der Mensch sich nicht als eine eigenständige Welt wahrnimmt, sondern als ein Wesen, das seiner Natur nach mit allen anderen, die er ursprünglich als „Geschwister“ empfindet, verbunden ist, wird solidarisches und am Allgemeinwohl ausgerichtetes Handeln möglich. Wir brauchen keine Angst zu haben, uns einzugestehen, dass wir bedürftig sind und unfähig, uns all das zu geben, was wir brauchen. Denn alleine und nur aus unseren eigenen Kräften können wir nicht alle Grenzen überwinden. Fürchten wir uns nicht vor dieser Erkenntnis; Gott selbst hat sich in Jesus erniedrigt (vgl. Phil 2,8) und er beugt sich zu uns nieder und über unsere Armut, um uns zu helfen und uns all das zu schenken, was wir alleine niemals erreichen könnten.

 

Anlässlich dieses feierlichen Welttages in Indien möchte ich voller Freude und Bewunderung an Mutter Theresa von Kalkutta als ein Vorbild der Barmherzigkeit erinnern, welche den Armen und Kranken die Liebe Gottes sichtbar gemacht hat. Wie ich bei ihrer Heiligsprechung sagte, war »Mutter Teresa […] in ihrem ganzen Leben eine großherzige Ausspenderin der göttlichen Barmherzigkeit, indem sie durch die Aufnahme und den Schutz des menschlichen Lebens – des ungeborenen wie des verlassenen und ausgesonderten – für alle da war. [...] Sie beugte sich über die Erschöpften, die man am Straßenrand sterben ließ, weil sie die Würde erkannte, die Gott ihnen verliehen hatte. Sie erhob ihre Stimme vor den Mächtigen der Welt, damit sie angesichts der Verbrechen […] der Armut, die sie selbst geschaffen hatten, ihre Schuld erkennen sollten. Die Barmherzigkeit war für sie das „Salz“, das jedem ihrer Werke Geschmack verlieh, und das „Licht“, das die Dunkelheit derer erhellte, die nicht einmal mehr Tränen hatten, um über ihre Armut und ihr Leiden zu weinen. Ihre Mission in den Randzonen der Städte und den Randzonen des Lebens bleibt in unserer Zeit ein beredtes Zeugnis für die Nähe Gottes zu den Ärmsten der Armen« (Homilie, 4. September 2016).

 

Die heilige Mutter Theresa hilft uns zu verstehen, dass das einzige Kriterium des Handelns die allen umsonst geschenkte Liebe sein muss, ohne Rücksicht auf Sprache, Kultur, Ethnie oder Religion. Ihr Beispiel leitet uns noch immer, damit wir der Menschheit, die Verständnis und Zärtlichkeit braucht, vor allem aber den Leidenden, neue Horizonte der Freude und der Hoffnung eröffnen.

 

Die Unentgeltlichkeit menschlichen Handelns ist der Antrieb für die Freiwilligen, die im sozialen und Krankenpflegebereich so wichtig sind und die in beredter Weise die Spiritualität des Barmherzigen Samariters nachleben. Ich danke allen Freiwilligenorganisationen, die sich um den Transport von Patienten und die Nothilfe, um Blut-, Gewebe- und Organspenden kümmern, und ermutige sie. Ein besonderer Bereich, in dem Eure Gegenwart die Sorge der Kirche zum Ausdruck bringt, ist der Schutz der Rechte der Kranken, vor allem jener, die an pathologischen Erkrankungen leiden oder besonderer Pflege bedürfen. Nicht zu vergessen ist auch der Bereich der Sensibilisierung und der Vorsorge. Eure Freiwilligendienste in den Krankenhäusern und bei der häuslichen Pflege, die von der körperlichen Versorgung bis zu spirituellem Beistand reichen, sind dabei von grundlegender Bedeutung. Vielen kranken, alleinstehenden und alten Menschen, auch mit psychischen und motorischen Problemen, kommt das zugute. Ich rufe Euch dazu auf, auch weiterhin Zeichen der Gegenwart der Kirche in dieser säkularisierten Welt zu sein. Der freiwillige Helfer ist ein uneigennütziger Freund, dem man Gedanken und Gefühle anvertrauen kann; durch sein Zuhören hilft er dem Kranken, von einem passiven Empfänger der Pflege zu einem aktiven Teilnehmer und Protagonisten in einer wechselseitigen Beziehung zu werden, neue Hoffnung zu schöpfen und der Therapie gegenüber eine positivere Einstellung einzunehmen. Das Volontariat gibt Werte, Verhaltensweisen und Lebensstile weiter, deren Mittelpunkt der Antrieb des Gebens ist. Auch so bekommt Pflege ein menschlicheres Gesicht.

 

Die Dimension der Unentgeltlichkeit sollte vor allem die katholischen Pflegeeinrichtungen inspirieren, denn die Haltung des Evangeliums qualifiziert ihr Handeln, sowohl in den hoch entwickelten, als auch den benachteiligten Gebieten dieser Welt. Die katholischen Einrichtungen sollten als Antwort auf die Logik des Profits um jeden Preis, des Gebens und Nehmens, und der rücksichtslosen Ausbeutung den Sinngehalt der Gabe, der Unentgeltlichkeit und der Solidarität verkörpern.

 

Ich rufe Euch auf allen verschiedenen Ebenen dazu auf, die Kultur der Unentgeltlichkeit und des Gebens zu fördern, die unerlässlich ist, um das Profitdenken und die Wegwerfkultur zu überwinden. Die katholischen Pflegeeinrichtungen dürfen nicht in betriebswirtschaftliches Denken verfallen, sondern müssen die Sorge um den Menschen höher stellen als den Verdienst. Wir wissen, dass die Gesundheit relational ist, sie hängt von den zwischenmenschlichen Beziehungen ab und braucht Vertrauen, Freundschaft und Solidarität. Sie ist ein Gut, in dessen „vollen“ Genuss man nur kommt, wenn man es teilt. Die Freude, umsonst zu geben, ist Kennzeichen der Gesundheit des Christen.

 

Euch alle vertraue ich Maria an, dem Heil der Kranken, Salus infirmorum. Sie möge uns helfen, die Gaben, die wir im Geiste des Dialogs und der gegenseitigen Aufnahme empfangen haben, miteinander zu teilen, als Brüder und Schwestern zu leben und ein jeder auf die Bedürfnisse des anderen zu achten, aus großzügigem Herzen zu geben und die Freude am uneigennützigen Dienst zu lernen. Mit großer Zuneigung versichere ich Euch allen meiner Nähe im Gebet und erteile Euch von Herzen den Apostolischen Segen.

 

Aus dem Vatikan, am 25. November 2018,

dem Hochfest unseres Herrn Jesus Christus, des Königs des Weltalls

 

Franziskus

 

Quellenangabe:

Papst Franziskus: Botschaft zum XXVII. Welttag der Kranken 2019: Staunen über das, was Gott vollbringt: „Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben“ (Mt 10,8). URL: http://w2.vatican.va/content/francesco/de/messages/sick/documents/papa-francesco_20181125_giornata-malato.html [Stand: 02/2019]

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Sakrament - Krankensalbung
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"Ich bin euch allen mit meinem Gebet und meiner Ermutigung nahe: den Ärzten, den Pflegekräften, den Freiwilligen und allen im Dienst an den Kranken und Bedürftigen beschäftigten Ordensleuten, den in diesem Bereich tätigen kirchlichen und zivilen Einrichtungen sowie den Familien, die sich liebevoll um ihre kranken Angehörigen kümmern. Allen wünsche ich, dass sie immer frohe Zeichen der Gegenwart und der Liebe Gottes sind und so das leuchtende Zeugnis vieler Freunde und Freundinnen Gottes nachahmen. "

 

(Papst Franziskus, Botschaft zum 25. Welttag der Kranken 2017)

Die Barmherzigkeit Gottes mit Händen greifen!

Sozialpredigten zum Thema
Zeit. © cgiraldez/morguefile.com

Hab Dank für deine Zeit

ein Gottesdienst zum 28. Sonntag im Jahreskreis

Hände reichen

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Sozialpredigt zum Fest der Hl. Familie, 30. Dezember 2013

Die Begegnung am Brunnen.

Ich war krank. Und ihr?

Predigt zum dritten Fastensonntag, 27. März 2011

Von der Natur gegeben. © earl53/morguefile.com

Zur eigenen Schwäche stehen - eine Chance?

Predigt zur Feier der Krankensalbung und zum 14. Sonntag im Jahreskreis
Heilsame Nähe

da sein

zuhören

die Klagen aushalten

 

nicht billigen Trost spenden

sondern ernst nehmen

was ist

und was quält

 

die Schmerzen

die Fragen

die Ängste

das Nicht-mehr-Können

und Nicht-mehr-Wollen

 

da sein

liebevoll

zugewandt

mitfühlend

 

und so

vielleicht

der Hoffnung Raum geben

dass da einer ist

der mitgeht

und mitleidet

und trägt

und heilt

 

(Barbara Eckerstorfer)

Krankenhauspastoral in der Diözese Linz
Rot. © Krankenhauspastoral

Krankenhausseelsorge

„Ich war krank und ihr habt mich besucht“ (Mt. 25,36)

Gelb. © Krankenhauspastoral

Wer wir sind

Niemals rufst du vergeblich.Der, den du rufst,ist in dir. (Chr. Busta) Auftrag und Selbstverständnis der...

Blau. © Krankenhauspastoral

Was können Sie von Krankenhausseelsorge erwarten?

Dem Wunder leisewie einem Vogel die Hand hinhalten. (Chr. Busta) KrankenhausseelsorgerInnen besuchen und begleiten...

Grün. © Krankenhauspastoral

Mitarbeit

Ich setzte den Fuß in die Luft und sie trug. (H. Domin) In den 20 oberösterreichischen Krankenhäusern arbeiten...
Caritas Oberösterreich
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Service für pflegende Angehörige

Sie investieren viel Zeit und Kraft in die Pflege eines Angehörigen und fragen sich trotz bereichernder Momente zuweilen: Und wo bleibe ich? Mit einem ganzheitlichen Angebot für pflegende Angehörige ist das Team für Sie da...

Löwenzahn - Zeichen der Vergänglichkeit

Mobiles Hospiz Palliative Care

Die Mobilen Hospiz- und Palliativteams bieten Menschen mit unheilbaren, weit fortgeschrittenen Erkrankungen sowie deren Bezugspersonen eine umfassende Betreuung und Begleitung in der gewohnten, häuslichen Umgebung an.

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Lebensmaske: Christiane Hörbiger
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Lebensmaske: Barbara Coudenhove-Kalergi
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Lebensmaske: Barbara Stöckl
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Aktionen & Veranstaltungen
V. l.: Josef Wallner (KirchenZeitung), Sr. Barbara Lehner (Generaloberin Elisabethinen), Agnes Retschitzegger (Wertevorstand Elisabethinen) und Filmproduzentin Sabine Kriechbaum

Alles wird gut? Alles kann gut werden

Dieses ermutigende Thema stand heuer über dem schon traditionellen Themennachmittag zum Welttag der Kranken am 11. Februar 2020, veranstaltet von den Elisabethinen in Linz in Kooperation mit der KirchenZeitung. 

Der Kinder- und Jugendchor des Linzer Landestheaters unter Ursula Wincor begeisterte beim Themennachmittag zum Welttag der Kranken bei den Elisabethinen Linz.

Wo hört Gesundheit auf?

Diese Frage stellte am 11. Februar 2019 eine Veranstaltung zum Welttag der Kranken der Elisabethinen Linz in Kooperation mit der Linzer KirchenZeitung. 

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