Tuesday 17. September 2019

O-Antiphonen - Die Vesper im Advent

Die Vesper wird in der letzten Adventwoche (17.–23. Dezember) in besonderer Weise gefeiert. Die Vesper ist das kirchliche Abendgebet aus dem Stundengebet, der Tagzeitenliturgie.

Woher kommt der Name O Antiphon? 

 

Vielerorts wird dieser Gottesdienst bei Kerzenlicht und mit eingängigen Melodien gefeiert. Der Höhepunkt des Gebets ist das Magnificat. Dieser Lobpreis Marias aus dem Lukasevangelium (Lk 1,46) wird im Abendgebet mit einem „Refrain“ gesungen, der mit einem Fachwort auch „Antiphon“ genannt wird.

 

An jedem der letzten Adventtage beginnt dieser „Refrain“ mit dem Ruf „O“. Herbeigerufen wird der Retter, auf den die Menschheit sehnsüchtig warten; jeden Tag wird er mit einem anderen „Namen“ angesprochen: „O Sapientia/Weisheit“, „O Adonai/Herr“, „O Radix/Wurzel Jesse“, „O Clavis/Schlüssel Davids“, „O Oriens/Morgenstern/Sonnenaufgang“, „O Rex/König“, „O Emmanuel/Gott mit uns“.

 

Alle diese „Namen“ stammen aus dem Alten Testament. Sie wurzeln in der Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel und erzählen von Rettung und Erlösung und von der Verheißung, dass Gott einen Retter senden wird. Mit jedem Ruf verbinden die Beterinnen und Beter deshalb die flehentliche Bitte an den Messias: „Komm!“

 

Kerze in Schale

 

Mystisches Wortspiel

 

Die O-Antiphonen enthalten sogar eine versteckte Antwort des Gerufenen: Liest man die Anfangsbuchstaben der lateinischen „Namen“ (oben fett gedruckt) von hinten nach vorne, ergibt sich der lateinische Satz: „ERO CRAS“ – das bedeutet: „Morgen werde ich da sein.“

  

Mit der Geburt Jesu, zu Weihnachten, hat Gott begonnen, seine Friedensherrschaft zu errichten. Vollendet wird das Friedenreich, wenn Jesus in Herrlichkeit wieder kommt am Ende der Zeiten. Die Christen der Alten Kirche haben sehnsüchtig auf diesen zweiten „Advent“ (= Ankunft) Jesu gewartet. Auch wir sehnen uns nach Frieden für die Welt.

 

Tipp

 

Eine Nachdichtung der ursprünglich lateinischen Texte, die in das 7. Jahrhundert zurückgehen (oder noch älter sind), findet sich im Gesangbuch „Gotteslob“ unter den Nummern 222 und 792.

 

 

 

 

Quellenangabe:

Freilinger, Christoph (o.A.): Alphabet des Glaubens. Begriffe aus dem Bereich des gottesdienstlichen Feierns von A bis Z: O-Antiphonen. In: Pfarre Linz-Antonius (Hrsg.): Antonius-Ruf. (leicht modifiziert)

 

(sp/ame)

 

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