Thursday 22. April 2021

21. Dezember: Advent heißt: in BeWEGung kommen

Bischof Manfred Scheuer über Lebens-Wege, Gottes-Wege und das Unterwegs-Sein mit und zu den Menschen.

Wie geht’s? Oder: Wie geht es weiter? Das ist eine alltägliche Frage, die wir einander stellen. Es geht gut, recht gut, halbwegs gut, ausgezeichnet oder einfach schlecht. Es geht gar nichts mehr. Ich stehe an. Mit dem „Gehen“ drücken wir den Gang des Lebens mit Gelingen, mit Scheitern, mit Höhen und Tiefen, mit den Wegen, Umwegen, Irrwegen und Abwegen aus. Das Gehen wird zum Bild der inneren Befindlichkeit und auch zum Symbol unserer Beziehungen: Menschen gehen aneinander vorbei oder wieder aufeinander zu. Das Leben ist nicht die Gerade einer Autobahn. Es gehören Sackgassen oder auch Labyrinthe dazu. Gehen ist durchaus modern, das äußere Gehen und auch der innere Weg. Die Motivationen sind recht unterschiedlich: der sportliche Ehrgeiz, gesundheitliche Motive, der Versuch, die eigenen Grenzen auszuloten, zu erweitern und zu überwinden, die Suche nach dem ureigenen Selbst. Das Gehen wirkt Persönlichkeit bildend, Gemeinschaft stiftend, Freundschaft stiftend. Beim Gehen ist auch eine spirituelle Dimension präsent. Das Gehen ist eine Schule der Sehnsucht, mich nicht mit zu wenig zufriedenzugeben, die Ziele meines Lebens nicht zu niedrig anzusetzen und diese Ziele nicht aus den Augen zu verlieren.

 

Der Weg ist ein menschliches Symbol, das also eng mit unseren Lebenserfahrungen verknüpft ist. Von der biblischen Botschaft her sind unsere Wege auch Gottes-Wege, der mit dem einzelnen Menschen und mit dem Volk Gottes mitgeht. Advent heißt in Bewegung kommen, man darf aufbrechen und sich auf den Weg machen.

 

Advent: Unterwegs zu den Menschen

Advent: Sich auf den Weg machen. © aatlas / www.pixabay.com CC0 1.0

 

Einer dieser Wege führt zu den anderen Menschen. Zu Weihnachten stehen die Beziehungen im Vordergrund. Wir machen uns Gedanken, wie und wem wir Freude bereiten können, mit wem wir das Fest feiern wollen. Man denkt in dieser Zeit verstärkt an die Menschen, die wichtig sind. Mitunter mischt sich auch Trauer dazu: weil Entfremdungen und Verletzungen geschehen sind. Weil der Tod eine schmerzhafte Lücke gerissen hat. Der Weg zu den Menschen führt aber nicht nur zu den uns Vertrauten. Als Christ führt er mich auch zwangsläufig zu den Menschen, die mir nicht geheuer sind, die mir fremd sind, die ich nur unbewusst wahrnehme. Inwieweit lasse ich mich ansprechen von Schicksalen, von Armut, von Fremdheit? Aufgrund der Botschaft Jesu haben wir Christen eine hohe soziale Verantwortung. Wir müssen uns sorgen um eine Gesellschaft, die ein friedliches Zusammenleben fördert, die gastfreundlich ist und die Ausgrenzungen vermeidet.

 

Dr. Manfred Scheuer

Bischof von Linz

Katholische Kirche in Oberösterreich
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