Sunday 31. May 2020

Anteil des Verkehrs an Österreichs Erdölverbrauch so hoch wie noch nie

 Der Verkehr ist bereits für 80 Prozent des heimischen Erdölverbrauchs für Energie verantwortlich. So hoch war der Anteil noch nie, macht der VCÖ aufmerksam. Während der Erdölverbrauch für das Heizen in den vergangenen 15 Jahren halbiert wurde, nahm der Verbrauch des Verkehrs um ein Viertel zu. Der VCÖ fordert rasche Maßnahmen, um auch im Verkehr die teure Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern.

"Der Verkehr ist wie kein anderer Sektor vom Erdöl abhängig. Auch wenn derzeit der Erdölpreis relativ niedrig ist, auf die kommenden fünf bis zehn Jahre gesehen, kann diese Abhängigkeit für die privaten Haushalte sehr teuer kommen und den wirtschaftlichen Aufschwung gefährden. Und wird weiterhin so viel Erdöl wie bisher verbrannt, dann kommt das den zukünftigen Generationen teuer, weil damit auch der Klimawandel angeheizt wird",  fordert VCÖ-Expertin Ulla Rasmussen ein umfassendes Maßnahmenpaket für eine Energiewende im Verkehr.

Der Verkehr ist  bereits für 80 Prozent des heimischen Erdölverbrauchs für Energie verantwortlich, im Jahr 2000 betrug der Anteil 68 Prozent und im Jahr 1995 nur 63 Prozent, wie eine aktuelle VCÖ-Analyse auf Basis von Daten der Statistik Austria zeigt. Der Erdölverbrauch des Verkehrs ist seit dem Jahr 1999 um 24 Prozent gestiegen, während im gleichen Zeitraum der Sektor Raumwärme (inklusive Warmwasser) den Verbrauch um 52 Prozent reduzieren konnte.

"Der Sektor Raumwärme hat die Energiewende erfolgreich auf den Weg gebracht und wird den Erdölverbrauch in den kommenden Jahren weiter reduzieren. Diese Energiewende ist auch im Verkehr möglich", weist VCÖ-Expertin Rasmussen auf die Ergebnisse der neuen VCÖ-Publikation "Klima und Energie - Potenziale im Verkehr" hin.

Möglich ist die Energiewende im Verkehr mit einem 3 Säulen-Programm: Verkehr vermeiden, Verkehr verlagern, Verbrauch verringern, betont der VCÖ. Während die Vermeidung des Verkehrs durch Raumordnung (Stopp der Zersiedelung, Förderung der Nahversorgung, etc.) eine langfristige Maßnahme ist, wirken Maßnahmen zur Verkehrsverlagerung kurzfristig. Immerhin jede zehnte Autofahrt ist kürzer als ein Kilometer, etwa jede zweite Autofahrt ist kürzer als fünf Kilometer und damit in Radfahrdistanz. "Großes Potenzial hat zudem eine Nahverkehrsoffensive in den Ballungsräumen. Hier braucht es für Pendlerinnen und Pendler häufigere Verbindungen und ein dichteres Öffi-Netz", betont VCÖ-Expertin Rasmussen.

Verschlechtert wird die Energiebilanz durch den hohen Verbrauch der Fahrzeuge. Alle Pkw von Österreichs privaten Haushalten haben einen Durchschnittsverbrauch von rund 6,8 Liter pro 100 Kilometer. Die in den ersten vier Monaten des heurigen Jahres neu zugelassenen heimischen Pkw verbrauchen laut Herstellerangaben im Schnitt 5,1 Liter und sind damit selbst unter Laborbedingungen vom 3-Liter-Auto weit entfernt. Zusätzlich ist zu berücksichtigen, dass der tatsächliche Spritverbrauch zunehmend vom Normverbrauch abweicht, EU-weit liegt der tatsächliche Verbrauch im Schnitt bereits um ein Drittel höher als die Herstellerangaben versprechen.

Elektromotoren sind effizienter als Verbrennungsmotoren. "Die Elektrifizierung des Verkehrssystems ist engagierter und rascher voranzutreiben als bisher. E-Mobilität ist dabei umfassend zu betrachten: Vom E-Auto über E-Fahrrad und E-Moped bis hin zum Öffentlichen Verkehr, der überwiegend mit Strom fährt", fordert VCÖ-Expertin Rasmussen forciertere Maßnahmen zur Verringerung der Erdölabhängigkeit des Verkehrs in Österreich. Auch im Güterverkehr ist das Potenzial für mehr Effizienz und damit einen geringeren Energieverbrauch sehr hoch.

 

Alternativen finden Sie auf der Mobilityfair vom 29. bis 31. Mai in Wels: http://mobilityfair.at/

 

Quelle: vcoe.at

Univ. Prof. Dr. Michael Rosenberger
Univ. Prof. Dr. Michael Rosenberger
Umweltsprecher
Mag.a Lucia Göbesberger
Mag.a Lucia Göbesberger
Referentin
T.: 0732/7610-3255
M.: 0676/8776-3255

Fachausschuss Schöpfungsverantwortung des Pastoralrates

Mitglieder:

Hermann Deisenberger, Josef Froschauer (Vorsitzender), Josef Gruber, Christian Hein, Harald Rechberger, Magdalena Schobesberger, Georg Spiekermann, Joachim Sulzer, Sophie Winklberger, Georg Winkler (Stellvertretender Vorsizender), Michael Rosenberger (Umweltsprecher), Lucia Göbesberger (Referentin für Umweltfragen).

Eintragungswoche: 22. bis 29. Juni 2020.

Papst Franziskus hat beginnend mit Mai ein Laudato-Si‘-Jahr ausgerufen. Fünf Jahre nach dem Erscheinen dieser Enzyklika mit dem Untertitel „Über die Sorge für das gemeinsame Haus“ ist ihr Inhalt aktueller denn je. Die öko-soziale Krise wurde zwar durch die Pandemie-Berichterstattung zum Teil überlagert, aber eines machte die aktuelle Krise deutlich: Nämlich wie sehr alle miteinander verbunden und voneinander abhängig sind. Das wird Papst Franziskus nicht müde in diesem Rundschreiben zu betonen. Weiters wurde durch die Krise deutlich – Politiker_innen können das Ruder in die Hand nehmen und gestalten (bei aller Fehleranfälligkeit in der gebotenen Eile). Genau das fordert der Papst von den Politiker_innen, sich nicht durch scheinbare Alternativlosigkeit vor sich hertreiben zu lassen, sondern das Primat der Politik (im Rahmen der Verfassung) wahrzunehmen und die Voraussetzungen für ein gutes Leben für alle zu schaffen. Dazu gehört, sich der Klimakrise zu stellen und Entscheidungen auf ihre Klimaverträglichkeit zu überprüfen. Damit dieses Anliegen im Zuge des Wiederaufbaus nicht scheinbar unabänderlichen Sachzwängen zum Opfer fällt, ist es umso wichtiger das Klimavolksbegehren zu unterstützen.

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