Friday 27. May 2022

Warum wir nicht tun, was wir wissen. Wer rettet die Welt unserer Kinder?

LEGO Wohnmobil am Strand. © Michael Haderer

Was tun, damit sich ein zukunftsfähiger Lebensstil durchsetzt? Aber was sind die Stolpersteine und was braucht es, damit die Hindernisse überwunden werden können?

Es ist Zeit, sich von der Vorstellung des stets allein von der Vernunft geleiteten Wesens zu verabschieden, denn wissensbasierte Überlegungen sind nur ein kleiner Teil unserer Entscheidungen. Das erste Hindernis ist die Komplexität und Vernetztheit unserer Welt, alle ökologischen Zusammenhänge zu verstehen ist nicht möglich. Das liegt daran, dass manches nicht erforscht wurde, sich in der Zwischenzeit wieder verändert hat oder einfach weil es zu viele Informationen sind. Aber es ist auch nicht nötig, alles bis ins Detail zu wissen, wenn die Richtung stimmt.

 

Psychologische Studien haben gezeigt, dass für uns exponentielle Entwicklungen kaum zu begreifen sind, wir verschätzen uns nach unten, zum Beispiel beim Temperaturanstieg. Außerdem sind wir im Grunde - auch wenn es sich unglaubwürdig anhört - "überoptimistisch". Denken Sie nur an die Steuererklärung: Schaffen Sie es, sie gleich im Frühling abzugeben, obwohl Sie sich das vorgenommen haben? Genauso ergeht es uns mit Risiken, wir unterschätzen sie auch. Kontrollillusion und das Verhaltensmuster, auf Überforderung mit Einkapselung zu reagieren, tun ein Übriges. Erfolgreiches Öko-Design muss daher helfen, schwierige Entscheidungssituationen zu strukturieren. Es muss aber auch Rückmeldung in der Situation gegeben werden, zum Beispiel mit Hilfe eines Strommessgeräts.

 

Ein weiteres Handikap sind die mit einer Handlung verbundenen Auswirkungen: Unser Vorteil einer Handlung ist offensichtlich. Aber bei vielem sind die negativen Folgen nicht sofort, am selben Ort und an uns selbst merkbar: Zum Beispiel bei spanischem Gemüse - die Wasserknappheit durch die Plantagen. Außerdem liegt Österreich in Hinsicht auf die Erderwärmung in einer eher privilegierten Zone.

 

Und wenn wir ehrlich sind: Wer rennt nicht auch manchmal trotz besseren Wissens mit der Masse mit. Noch dazu, wenn die Anreize so gesetzt sind, dass der nicht-nachhaltige Weg der einfachere ist. Gutes Öko-Design kennzeichnet sich daher auch dadurch, dass es den Weg des geringsten Widerstandes pflastert. Und es gibt noch etwas, das uns am enkeltauglichen Handeln hindert: die viel beschworene Macht der Gewohnheit. Hier fällt eine Veränderung leichter, wenn Zeit ist, Neues erst zu beobachten, dann noch die Möglichkeit besteht, es zu probieren und wenn es nicht konträr zum bisherigen Verhalten ist. Nicht zu unterschätzen ist auch der Steuerungseffekt von vermeintlichen Details: Wo platziere ich die gesunden Lebensmittel im Regal, wo wird der Lift hin gebaut und wo die Treppe?

 

Ein Faktor, der bedacht werden muss: Manchmal ist es aufgrund gegebener Umstände tatsächlich nicht möglich, das Richtige zu tun. Hier muss erst das Umfeld richtig gestaltet werden, zum Beispiel ein Taktfahrplan.

 

Wie steht es aber dann um die (Wahl-)Freiheit der Menschen? Es gibt keine neutralen Arrangements von Welt, die Gestaltung des Umfelds ist aber mitentscheidend. Damit ist es aber nicht getan, manchmal wird auch ein Schubs (nudge) von Zeit zu Zeit in Richtung einer enkeltauglichen Lebensweise dienlich sein. Einen Beitrag können auch Personen, denen öffentliche Aufmerksamkeit zukommt, leisten: Alltagsradelnde BürgermeisterInnen. Ohne dass Vorteile der Veränderung erkennbar sind, wird es trotzdem nicht gehen: zum Beispiel keine langwierige Parkplatzsuche für Fahrräder.

 

Neben den äußeren Anreizen kommt der Wandel auch von innen: Was macht glücklich? Beteiligung, Entschleunigung, ... Dazu gehört auch ein entsprechender sozialer Bezug.

 

Harald Welzer empfiehlt daher: Suchen Sie sich ein paar Freunde, fangen Sie an und haben Sie Spaß dabei. Geschichten solcher AnfängerInnen finden Sie unter: www.futurzwei.org

 

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