Montag 17. Dezember 2018

Achtung! Demütigung macht krank. Beschämung geht unter die Haut.

Armutskonferenz zeigt auf: Wie erschwerte soziale Situation, erhöhter Stress und psychische Erkrankungen zusammenhängen.

 "Wir machen die Abwertungsspirale und das Ringen um Anerkennung, Wertschätzung und Würde zum Thema." Henriette Gschwendtner, als Betroffene engagiert für die Interessen sozial Benachteiligter, Sozialwissenschafter Alban Knecht von der Uni Linz und Psychologe Martin Schenk stellten Studien zum Thema "Achtung" der kommenden Armutskonferenz vor. Armut ist nicht nur ein Verlust an Einkommen. Armut ist stets verbunden mit einem Verlust an sozialem Status. In der Geschichte wurden immer wieder die jeweiligen Verlierergruppen eines grundlegenden sozialen Wandels für ihre verschlechterte ökonomische Lage selbst verantwortlich gemacht, beschimpft und abgewertet.


Beschämung schneidet ins Herz

 

Beschämung geht unter die Haut: Die stärksten Wirkungen äußern sich in erhöhtem Stress und höheren Raten psychischer Erkrankungen. Beschämung schneidet ins Herz: Die stärksten Zusammenhänge finden sich mit Bluthochdruck und Herzerkrankungen. Je öfter, je länger und je stärker die Verachtung, desto schädlicher für die Gesundheit.

 

Hier geht es um den „Distress“, den schlechten Stress, der nagt und quält, der lange dauert und niederhält. Tätigkeiten, die hohe Anforderungen stellen und gleichzeitig mit einem niedrigen Kontrollspielraum ausgestattet sind, erhöhen diesen schlechten Stress. Die niedrige Kontrolle kann in zwei Formen auftreten: zum einen nicht über die Gestaltung der Arbeitsaufgaben entscheiden zu können, zum anderen nicht die Möglichkeit zu haben, die eigenen Fähigkeiten und Fertigkeiten zu nutzen. Dieser schlechte Stress, der in einer solchen „Gratifikationskrise“ entsteht, wirkt besonders dort, wo man nichts verdient und nichts zu reden hat.

 

„Prekär“ heißt ja wörtlich nicht nur „unsicher“, sondern lateinisch eigentlich „auf Widerruf gewährt“, „auf Bitten erlangt“. Da steckt der geringe Umfang an Kontrollchancen und Handlungsspielräumen bereits im Begriff.

 

Gratifikationskrisen lösen starke negative Gefühle aus und gehen mit exzessiver Aktivierung des autonomen Nervensystems einher samt seiner neurobiologischen Folgen. Den Hintergrund bildet eine Stimulation der Hypophysen-Nebennierenachse, die mit vermehrter Ausschüttung von Kortikoiden einhergeht.


Soziales Netz wichtig

 

Ein soziales Netz ist wichtig für uns alle.  Wer sozial Benachteiligte zu Sündenböcken erklärt, wer Leute am Sozialamt bloß stellt, wer Zwangsinstrumente gegen Arbeitssuchende einsetzt, wer mit erobernder Fürsorge Hilfesuchende entmündigt, der vergiftet den Alltag der Betroffenen, trägt zur Zerstörung ihres sozialen Netzes bei.  Armutsbetroffene müssen viel zu oft Situationen der Einsamkeit, der Ohnmacht und der Beschämung erleben.


Durchlöcherung des sozialen Netzes führt zu 10% mehr psychischen Problemen

 

Die Durchlöcherung des unteren sozialen Netzes führt zu einer Abwärtsspirale, die schwierige soziale Situationen verschärft und verlängert. Besonders für die untere Mittelschicht. Die Streichungen der Wohnbeihilfe in England führten zu einem 10 prozentigen Anstieg von Erschöpfungsdepressionen bei Personen aus Niedrigeinkommenshaushalten wie aktuelle Studien der Universität Oxford zeigen.

 

(www.armutskonferenz.at)

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