Mittwoch 23. Mai 2018

WWF-Studie Hunger auf Land: Unsere Ernährung frisst wertvolle Lebensräume auf

Der WWF Österreich präsentierte eine neue Studie zum Thema Nachhaltige Ernährung.

Die Ergebnisse der Publikation „Hunger auf Land: Flächenverbrauch der österreichischen Ernährung im In- und Ausland“ zeichnen ein besorgniserregendes Bild.  Auf die Ernährung in Österreichs entfallen dabei ca. 3,1 Millionen Hektar – 40 Prozent davon im Ausland. Außerdem setzen die Zerstörung von Wald und wertvollem Boden und die Emissionen, die bei der Herstellung von Lebensmitteln entstehen, dem Klimawandel stark zu.

 

Unsere Ernährung nimmt global gesehen fünf Milliarden Hektar an Fläche in Beschlag. Das entspricht etwa einem Drittel der vorhandenen Fläche und liegt dabei in der Größenordnung von Asien. Für Österreich sehen die Zahlen zum Landfußabdruck wie folgt aus: es werden ca. 3,1 Millionen Hektar Fläche für unsere Ernährung verbraucht. Das entspricht ungefähr einem Drittel der Fläche von Österreich. „Aktuell beanspruchen wir Österreicherinnen und Österreicher 3 ½ Planeten zur Befriedigung unserer Bedürfnisse. Unser Landfußabdruck gefährdet Tieren und Pflanzen und zerstört Wälder und Böden, die als gigantische Kohlenstoffspeicher fungieren und das Klima entlasten“, gibt Friederike Klein, Referentin für Nachhaltige Ernährung beim WWF Österreich, zu bedenken.

 

Die globalen Spuren unseres Ernährungsstils

 

Ca. 40 Prozent unseres Landfußabdruckes fallen im Ausland an. Dieser wird zum einen durch unseren Konsum von pflanzlichen Lebensmitteln wie exotischen Früchten, Kaffee und pflanzlichen Ölen verursacht. Zum anderen verbraucht der Verzehr von Fleisch- und Milchprodukten direkt oder indirekt über den Import von Futtermitteln große Flächen v.a. in Europa, Brasilien, Australien und Neuseeland. Die meiste Fläche nutzen wir in Europa, gefolgt von Südamerika, Asien und Afrika. Aus Südamerika importieren wir jährlich ca. 60.000 Hektar, aus Asien ca. 39.000 Hektar Fläche. „Wir müssen uns die Frage stellen, wie viele Produkte wir vom anderen Ende der Welt importieren müssen. Wer auf Regionalität und Saisonalität achtet, tut der Umwelt etwas Gutes“, unterstreicht Klein.

 

Fleisch zeichnet sich besonders drastisch im Landfußabdruck ab

 

75 Prozent unseres ernährungsbedingten Flächenverbrauchs ist auf tierische Produkte zurückzuführen. Wobei Fleisch und Milchprodukte etwa gleich viel zu diesem Anteil besteuern. Dass tierische Produkte besondere Flächenfresser sind, bestätigt ein einfacher Vergleich von Eiweiß-Lieferanten: ein Kilogramm Hülsenfrüchte verbraucht durchschnittlich 3,6m2, ein Kilogramm Rindfleisch 46m2 – das entspricht dem 13-fachen der Fläche. Klein dazu: „Österreicherinnen und Österreicher essen heute fast doppelt so viel Fleisch wie noch vor 60 Jahren. Das ist nicht nur schlecht für unsere Gesundheit, sondern verbraucht auch extreme Flächen. Außerdem importieren wir Fleisch wie Schaf und Wild, aber auch Obst und Gemüse aus Übersee. Das setzt der Umwelt doppelt zu.“

 

Auswirkungen unseres Flächenverbrauches

 

Durch unsere Ernährung „verbrauchen“ wir Natur. Wald- und Wiesenflächen werden in Felder umgewidmet. Das hat teils fatale Folgen für Flora und Fauna. Von fast 80.000 untersuchten Arten an Tieren und Pflanzen weltweit ist rund ein Drittel vom Aussterben bedroht. In Südostasien und Südamerika wird seltenen Arten wie Orang-Utan und Tiger dadurch das Überleben schwer gemacht.

Gesunde Ernährung braucht weniger Fläche. Und das schont die Umwelt.
Der Druck auf die begrenzte Fläche steigt immer weiter an. Das hat Auswirkungen auf die Artenvielfalt, aber auch auf unser Klima. Aber unsere Ernährung bietet einen enormen Hebel um vergleichsweise rasch und einfach den Druck auf unsere Flächen und unser Klima zu verringern. Durch eine Umstellung unserer Essgewohnheiten auf eine gesunde Ernährung kann der Land-Fußabdruck auf einen Schlag um 28 Prozent reduziert und gleichzeitig die Gesundheit verbessert werden. In der Praxis bedeutet das: mehr regionales und saisonales Gemüse und Getreide, dafür einen geringeren Fleischverzehr und weniger Milchprodukte.

 

Folder: Hunger auf Land

 

(www.wwf.at)

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