Dienstag 6. Dezember 2016

Muße wäre gut, aber wer kommt schon dazu?

Gibt es so etwas wie „Zeitgerechtigkeit“? „Keine Zeit, tut mir leid!“ Das hören wir oft, wenn wir jemanden um etwas bitten. Oft hätten wir auch gerne für uns selbst mehr Zeit. Viele denken, dass sich das Leben insgesamt enorm beschleunigt hat und die Zeit bei allen knapper geworden ist – und das, obwohl wir heute viele Arbeiten schneller erledigen können und deshalb eigentlich Zeit gewinnen müssten.

Unterschiedliche Zeitverwendung


Nach der neuesten, im Jahr 2015 erschienen Zeitverwendungsstudie des deutschen Statistischen Bundesamtes haben die Menschen trotz aller Belastungen aber immer noch sehr viel Zeit für die Nutzung von Medien, und zwar durchschnittlich zwischen zweieinhalb und vier Stunden pro Tag. Dabei ist nicht überraschend, dass die Erwerbstätigen im mittleren Alter dafür weniger Zeit, Kinder und Jugendliche und vor allem ältere Menschen dafür mehr Zeit haben. Diese Werte wirken nicht so, als ob den Menschen Zeit fehlte oder sich ihr Leben dramatisch beschleunigt hätte. Auffällig sind jedoch die Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Frauen sind durchschnittlich weniger erwerbstätig, haben aber trotzdem weniger Zeit für die Mediennutzung oder für Freizeit und Spiele, weil sie immer noch ca. eineinhalb Stunden pro Tag mehr für Haushalts- und Familienarbeiten aufwenden. Dass sich die traditionellen Geschlechterrollen trotzdem zu wandeln begonnen haben, lässt sich daraus ablesen, dass sich 32% der Väter mehr Zeit für ihre Kinder, aber 28% der Frauen mehr Zeit für den Beruf wünschen.

 


Insgesamt scheint es nicht so zu sein, dass Einkommensarmut mit Zeitarmut einhergeht. Eher ist es umgekehrt, weil die Erwerbsarbeit, durch die Einkommensarmut vermieden wird, viel Zeit kostet. Den stärksten Einfluss auf die individuelle Zeitverwendung hat sicherlich das Alter: Den größten Zeitdruck gibt es in der Mitte des Lebens, in der Erwerbsarbeit und Elternschaft kumulierenden Zeitstress entfalten, besonders hoch. Gäbe es Möglichkeiten, diese „rush-hour“ des Lebens zu entzerren?

 


Zeit ist keine Naturkonstante. Zeitvorstellungen haben sich in der Geschichte gewandelt. Sie sind das Ergebnis von technischen und ökonomischen Prozessen, die durch die Computertechnik einen neuen Schub erhalten haben. Weil aber der Umgang mit Zeit gesellschaftlich hervorgebracht wird, lässt er sich auch gesellschaftlich gestalten. „Zeitpolitik“ mit dem Ziel von mehr allgemeinem „Zeitwohlstand“ ist möglich. Wie beim materiellen Wohlstand stellt sich selbstverständlich auch hier die Frage, wie eine gerechte Verteilung möglich ist.

 

Zeitsouveränität und Gerechtigkeit


Zunächst braucht jeder Mensch ein gewisses Minimum an Zeit, um Grundbedürfnisse zu befriedigen: Schlafen, Essen, Körperhygiene, Erholungspausen. Deshalb heißt es auch im Artikel 24 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte: „Jeder hat das Recht auf Erholung und Freizeit und insbesondere auf eine vernünftige Begrenzung der Arbeitszeit und regelmäßigen bezahlten Urlaub.“ Zusätzlich muss jedem ein möglichst großes und für alle gleiches Maß an Zeitsouveränität zur Verfügung stehen, um sein Leben entsprechend eigener Vorstellungen gestalten zu können. Dabei ist „Zeitgerechtigkeit“ mit anderen Gerechtigkeiten verknüpft. Denn genauso wie man Zeit braucht, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, braucht man dazu Bildung, soziale Beziehungen und soziale Sicherheit. Der bekannte Ausspruch „Zeit ist Geld“ macht deutlich, dass Verfügung über materielle Güter und Verfügung über Zeit teilweise austauschbar sind. Zeitautonomie muss zudem immer im sozialen Zusammenhang gesehen werden. Entscheidungen des einen über seine Zeitverwendung können die Zeitsouveränität anderer einschränken, beispielsweise in Paarbeziehungen, in der Familie, in Wohngemeinschaften oder auch in Arbeitsteams. Dann müssen Zeitplanungen fair ausgehandelt werden. Insbesondere in Bezug auf die „Zeitgerechtigkeit“ zwischen Männern und Frauen gibt es hier sicherlich noch große Defizite.


Auch müssen die Zeitrhythmen der Gesellschaft zu den ökologischen Rhythmen der Natur passen, sonst kann die Natur mit den immer schnelleren Produktions- und Konsumrhythmen der Gesellschaft nicht mithalten. Noch ein Kriterium wird immer wieder in der Literatur genannt, nämlich „Zeit-Vielfalt“. Denn Menschen wollen sich nicht immer nach dem für alle gleichen Takt richten müssen, sondern unterschiedliche Zeiten für unterschiedliche Lebensereignisse und eine menschliche Strukturierung des Zusammenlebens haben.

 

Zeit fair teilen


Zeit gut zu organisieren ist nicht nur Sache einzelner. Der Boom an Büchern zum Zeitmanagement erzeugt die Illusion, es läge in der Macht des Einzelnen, mit den neuen Zeitverhältnissen fertig zu werden. Es braucht jedoch eine gemeinsame Anstrengung einer „Zeitpolitik“, um für „Zeitgerechtigkeit“ zu sorgen. Ein altes Thema von Zeitpolitik ist die Arbeitszeitpolitik, wie sie besonders den Gewerkschaften ein Anliegen ist. In jüngster Zeit wird auch in der Familienpolitik erkannt, wie wichtig Zeiten sind. Dabei geht es auch um eine gendergerechte Verteilung und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ein besonderes Gewicht kommt den Öffnungszeiten von Kindergärten, Schulen und Behörden zu. Aber auch generell sind das Verhältnis von Erwerbsarbeitszeit und Freizeit, die Verteilung von Zeiten über den Lebenslauf hinweg wichtige Aspekte. Letzten Endes betrifft die Frage der Zeitverwendung und fairen Zeitverteilung alle Politikfelder.

 

Prof. Dr. Gerhard Kruip in Interesse. Soziale Information 4/2015

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Courage und Gottvertrauen. Der unfolgsame Nikolaus

Courage und Gottvertrauen. Der unfolgsame Nikolaus

zum Nikolaustag, 6. Dezember 2016 / Lesejahr A

 

Autorin: Mag. a Angelika Gumpendorfer-Eckerstorfer,

                 Referentin im Sozialreferat der Diözese Linz

Predigttext Christkönigsonntag Scheidl

Am Ende ist es ziemlich einfach.

Bock oder Schaf, das ist hier die Frage!

Predigt /Besinnungstext zum Christkönigsonntag

im Jahreskreis A (23.11.2014)

 

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Franz von Assisi, die Muslime und wir?

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Predigtvorschlag zum Erntedanksonntag 2016 Autor: Univ.-Prof. Dr. Michael Rosenberger, Linz
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