Samstag 17. November 2018

"Reißen wir die Mauern nieder!"

"Niemand ist offiziell für Armut, auch nicht der Finanzminister. Aber Armut wird in Kauf genommen“: Mauer aus prekären Jobs, Wohnkosten, sozialer Ungleichheit, Gesundheitsgefährdung, Austerität, schlechter Schule...

"Niemand ist offiziell für Armut, auch nicht der Finanzminister. Aber Armut wird in Kauf genommen“: Mauer aus prekären Jobs, Wohnkosten, sozialer Ungleichheit, Gesundheitsgefährdung, Austerität, schlechter Schule, Diffamierung.

 

„Wir reißen die Mauern nieder, die effektive Armutsbekämpfung und respektvolle Behandlung von Betroffenen verhindern“. Als Auftakt zum internationalen Tag gegen Armut durchbrach die Armutskonferenz eine "Mauer", welche sich aus Barrieren zusammensetzte, die erfolgreicher Armutsbekämpfung entgegenstehen: Willkür, Amtsgewalt, Prekäre Jobs, Wohnkosten, soziale Ungleichheit, Gesundheitsgefährdung, Austerität, schlechte Schule, Diffamierung. Im strömenden Regen vor dem Finanzministerium mischte sich in die Aktion auch der Ruf Armutsbetroffener: „Lasst uns nicht im Regen stehen!“

„Sorgen und Ängste gilt es ernst zu nehmen, besonders auch als Sorge über ungerechte Verhältnisse“, so die Armutskonferenz. „Niemand ist offiziell für Armut, auch nicht der Finanzminister. Aber Armut wird mittlerweile einfach in Kauf genommen. Zum Beispiel mit Kampagnen gegen Mindestsicherungsbezieher oder mit im Budget veranschlagten Kürzungsvorschlägen im Sozialen. Kürzungen bei den sog. Ermessensausgaben treffen Beratungsstellen für Familien und Kinder in Not, Bildungs- und Gesundheitsmaßnahmen. Das soziale Netz muss gerade dann halten, wenn man es am meisten braucht", so die Armutskonferenz. "Dort zu kürzen, bedeutet Armutsrisken zu erhöhen, statt Armut nachhaltig zu bekämpfen.

 

http://www.armutskonferenz.at/aktivitaeten/es-reicht-fuer-alle-aktionstage-2015.html


336.000 Menschen von „erheblicher Deprivation“ betroffen


Viele der Betroffenen hätten nie gedacht, dass sie einmal in Armut leben, ihre Biographien sind bunter als es der erste Blick glauben macht. Die Dauerpraktikantin mit Uni-Abschluss und der Schulabbrecher, die Alleinerzieherin mit drei Kindern, die früher als Dolmetscherin in der Welt herum kam, der Langzeitarbeitslose, der einmal eine Firma geleitet hat. Der junge Mann mit Depressionen, der sich in sozialen Initiativen engagiert, und die Zugewanderte in der Leiharbeitsfirma. Der Freund der sich als Ich-AG durchschlägt, und die – nach einem Bandscheibenvorfall des Vaters – überschuldete Familie. Ihre Geschichten sind unterschiedliche, ihre Lebensverähltnisse allesamt prekär.

Mehr als 330.000 Menschen in Österreich sind "erheblich materiell depriviert", also existentieller Teilhabemöglichkeiten „beraubt“ (lateinisch „depriviert“), leiden neben einem niedrigen Einkommen auch unter Einschränkungen in zentralen Lebensbereichen wie Wohnung, Gesundheit oder Bildung. Auf der anderen Seite besitzen die reichsten 5% des Landes die Hälfte des gesamten Bruttovermögens. Dabei werden Besitzer hoher Vermögen statistisch nur eingeschränkt erfasst. Die tatsächliche Ungleichverteilung ist demnach noch viel größer.

"Dauerhafte Armut bei steigendem Reichtum ist kein Naturgesetz. Es gibt genügend Instrumente und Möglichkeiten in der Schule, beim Wohnen und mit sozialen Dienstleistungen gegenzusteuern“, so die Armutskonferenz.


Herausforderungen stellen: Armutsbekämpfung ist möglich, Armut ist vermeidbar


Es geht darum, die Schwächen des Sozialstaats zu korrigieren und seine Stärken zu optimieren. Es geht darum, inklusive Antworten auf die großen sozialen Herausforderungen und neuen sozialen Risken, wie etwa prekäre Beschäftigung, Pflege, psychische Erkrankungen oder Migration zu finden. Es geht um einen Freiheitsbegriff, der auch die Freiheit der Benachteiligten einschließt. Es geht um ein Verständnis von Autonomie, das Bedürftigkeit nicht als Gegensatz formuliert. Es geht um eine Politik des Sozialen, die Bürgerinnen und Bürger sieht, nicht Untertanen.
Armut ist vermeidbar – auch in Krisenzeiten. Weniger Jobs, weniger Lohn, weniger Zukunft, weniger Sicherheit sind keine Naturereignisse, die über uns hereinbrechen.


 

Soziale Botschaft der Woche

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