Mittwoch 18. Oktober 2017

"An der Ökumene führt kein Weg vorbei"

Am 15. März 2017 fanden sich auf Initiative des KBW Treffpunkt Bildung der evangelische Superintendent Dr. Gerold Lehner und Abt Dr. Reinhold Dessl zum Podiumsgespräch über die Ökumene im Pfarrsaal ein.

Die Zusammenfassung des Abends können Sie hier nachlesen.

„Am Dialog führt kein Weg vorbei“

Großes Publikumsinteresse bei Diskussion zur Ökumene

 

Zwettl an der Rodl. „Diese Veranstaltung hat meine ökumenische Haltung gestärkt.“ -­ Fast alle der 105 Besucherinnen der Veranstaltung „Was uns Luther zu sagen hat“ am 15. März in Zwettl an der Rodl haben den Rückmeldeabschnitt in diesem Sinn ausgefüllt.

 

Diskussion mit großem Publikumsinteresse.
Das Katholische Bildungswerk der Pfarre hatte 500 Jahre nach dem Beginn der Reformation (Luthers 95 Thesen im Jahr 1517) zur Diskussion darüber eingeladen, was evangelische und katholische Christen trennt und was sie verbindet. Impulsreferate sprachen der Superintendent der Evangelischen Diözese A.B. Oberösterreich, Dr. Gerold Lehner, und der Wilheringer Abt Dr. Reinhold Dessl. Zwettl wie etliche andere Pfarren in der Region sind Wilheringer Pfarren. Dessl ist in der Pfarre Zwettl aufgewachsen.

Es trennt uns nicht viel. Das vermittelten die beiden Referenten, die am Podium als sich wertschätzende Glaubens-Geschwister ein sympathisches Aufeinander-Zugehen und Miteinander-Wollen pflegten.
Gerold Lehner meinte am Ende der Diskussion, der letzte ökumenische Stolperstein ist die Kirche, ihre Gestalt, ihre Ämter. Er fragte, „darf sich die Kirche so wichtig nehmen?“

Es fehlt in manchem die gemeinsame Sprache.
Abt Dessl wies in seinem Einleitungsstatement auf die Geschichte auch der Region Mühlviertel hin — etwa hundert Jahre war sie evangelisch. Selbst das Stift Wilhering war eine Zeitlang lutherisch. Buße und Hoffnung sei nach dieser trennenden und oft auch verfolgenden Geschichte wichtig. Es gebe schon noch etliche Unterschiede, etwa dass in der evangelischen Kirche Frauen Priesterinnen und Bischöfinnen sein können, dass Priester heiraten dürfen … Doch die Entkoppelung von Priestertum und Zölibat in der evangelischen Schwesterkirche sei nicht der entscheidende Unterschied. Wirklich anders ist, dass die katholische Kirche das Amtspriestertum mit einer (Priester)-Weihe verbindet, während die evangelische Kirche vom allgemeinen Priestertum aller Getauften ausgeht (was in der katholischen Kirche durch das II. Vatikanum ja auch betont wird). „In der Sache ist man nicht weit auseinander, aber es fehlt im Amts- und Sakramentenverständnis noch die letzte gemeinsame Sprache“, so Dessl. Luther habe sogar an die Realpräsenz Jesu Christi in der Eucharistie geglaubt. Das sollten die Lutheraner neu entdecken. Der gemeinsame Gang zum Tisch des Herrn sollte so möglich sein.
Eine Frau aus dem Publikum sprach die gleichberechtigte Rolle der Frau in der evangelischen Kirche an und fragte, ob davon die katholische Kirche nicht lernen könnte. Abt Dessl bejahte die Frage: „Es wäre ein Gewinn, Verheiratete als Amtsträger zu haben. Es wäre ein Gewinn, Frauen als Amtsträgerinnen zu haben.“ Seiner ökumenischen Vision aus dem Einleitungs-Statement: Einheit mit dem Papst, aber nicht unter dem Papst, konnte Lehner zustimmen. 

Aneinander freuen. — Diese Haltung wurde von den Referenten mehrmals betont. Dessl etwa sagte, der christliche Grundwasserspiegel steigt, wenn die verschiedenen Kirchen in der Welt wirken. Er habe Freude, wenn es den anderen Kirchen gut geht. Lehner sagte, die evangelische Kirche sieht auf die katholische und die katholische auf die evangelische. „Wir sind dankbar füreinander.“ Auf der diözesanen Ebene und lokal wären weitere ökumenische Schritte aufeinander zu möglich. „Auf der diözesanen Ebene ist es sehr beglückend“, sagte Lehner, doch „wir sind eingebremst.“ Die Gesamtkirche ist nicht so weit.

In den Stärken liegen auch Schwächen sagte Lehner und nannte sehr wertschätzend als Stärken der katholischen Kirche: die Kontinuität und Tradition sowie die Weltkirche und die Einheit. Die Stärke Tradition gehe einher mit der Schwäche Reformvermeidung, die Stärke Weltkirche habe die Schwäche geringerer Selbstständigkeit der Ortskirchen und Systemträgheit zur Folge. Die Stärke Einheit bedinge die Angst vor Vielfalt. — Wie viel Einheit braucht es für die Gemeinschaft. Wie viel Vielfalt ist möglich, wie viel Einheit ist nötig? Diese Fragen stellte Lehner zur großen katholischen Stärke der weltkirchlichen Einheit.

Gott ist Fülle, verschwenderisch reich, davon ist in der Bibel mehrmals die Rede, sagte Lehner und behalf sich mit einem Vergleich, um eine Antwort auf die Frage zu formulieren, ob (ökumenische) Vielfalt nicht als Bereicherung erfahren werden könnte:  Es gibt, so Lehner in seinem Vergleich, eine unendliche Vielfalt an Kirchenbauten. Und es gibt keine Kirche, die alles hat. Aber alle Kirchen haben etwas gemeinsam: den Altar. „Die Einheit muss sein, und es gibt die Fülle!“ Die Kirche sei das
Instrument, das Lied von der großen Freiheit Gottes zu spielen. Zusammengefasst kann der Abend mit einem Satz Dessls werden. „In der Ökumene führt kein Weg am Dialog vorbei.“ – Dass dieser herzlich, respektvoll und ehrlich geführt werden kann, zeigten Lehner und Dessl vor.

 

 

 

 

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