Thursday 26. November 2020

Allerheiligen 2020

Allerheiligen war heuer anders - wie vieles.

Als Nachlese gibt es einen Bericht vom letztjährigen Pfarrbrief:

 

Gestorben worden ist immer - Erfahrungen einer Wirtstochter

Vor 50 Jahren war noch manches anders. Die Menschen sind großteils zu Hause gestorben.
Die Zwettlerin Lisi Mühlböck erzählt über Gepflogenheiten rund um Tod und Begräbnis.

Magdalena Froschauer-Schwarz

„Wann immer möglich, war der Pfarrer in den Häusern bei den Sterbenden dabei.“ Sie bekamen vom Priester den Zuspruch der Kirche, Lossprechung von Schuld und das „Viaticum“ – die letzte Kommunion – als Wegzehrung.

Gemeinschaftlich. „Dann wurden die Nachbarn zu Hilfe gerufen, um beim Waschen und Anziehen des verstorbenen Menschen zu helfen, es gab ja noch keinen Leichenbestatter.“ Drei Tage wurde zu Hause aufgebahrt. Große Kerzenleuchter konnte man ausborgen. Auch einen Kranzständer.
Den ganzen Tag über kamen immer wieder Nachbarn ins Haus. Sie spritzten Weihwasser, beteten, sprachen mit der Familie. An zwei Abenden traf man sich zum „Nachtwachen“. Da wurde Rosenkranz gebetet; wenn der Raum groß genug war, direkt am Bett des/der Verstorbenen, sonst im Nebenraum.
Im Anschluss gab es dann bei den Bauern Most und Brot. Geschichten aus dem Leben der Verschiedenen wurden beredet, Trauer geteilt. Beim Dorftischler wurde der Sarg bestellt.

Begräbnistag. In der Früh kam der Tischler, um den Sarg zuzunageln. „Dieser Augenblick war oft sehr schmerzhaft, aber es gehörte zum Trauerprozess dazu. Mit dem Sarg wurde auf der Eingangsschwelle unter dem Türstock ein Kreuz gemacht. Zwei Rösser zogen den hohen Wagen mit dem Sarg, die Angehörigen und Nachbarn begleiteten den Zug zur Kirche. Am Weg wurde gebetet. Meist waren die Beisetzungen unter der Woche um 10 Uhr. Früher nicht, denn es mussten ja die Verwandten anreisen.“

Küchendienst. Lisi Mühlböck ist im Gasthof Schwarz am Marktplatz aufgewachsen. Wenn eine Zehrung bestellt war, bedeutete das den Einsatz der ganzen Familie. Ein oder zwei Tage vorher wurden die Schöberl für die Suppe gebacken. Es war eine Kunst, die Metallförmchen so gut auszufetten, dass die Suppeneinlage nicht in den Formen hängenblieb. Am Begräbnistag um 5 Uhr früh heizte ihre Mutter dann den Holzofen an und stellte das Rindfleisch zu. Kartoffeln für den Erdäpfelschmarrn wurden geschält, in großen Töpfen dampfte die Suppe am Herd. Auch die Leberknödel mussten frisch zubereitet werden. Zum gekochten Rindfleisch gab‘s dann Semmelkren und Salat aus Roten Rüben.
Der Bäcker brachte die bestellten Anis-Semmeln, die ja auch heute noch zum Essen dazu gehören.

Die Gäste kommen. Nach der Beisetzung auf dem Friedhof musste dann im Wirtshaus alles schnell gehen. Die Trauergesellschaft hatte Hunger. Schüsseln mit Suppe wurden eingestellt. Mit Knödeln und Fleisch ging man von Gast zu Gast. Als Lisi etwa 10 Jahre alt war, wollte ein Knödel partout nicht von ihrer Serviergabel auf den Teller eines Herrn rutschen. Immer und immer wieder versuchte der schon schmunzelnde Gast ihr anzudeuten, dass sie doch ihren Daumen zu Hilfe nehmen soll. Es dauerte, bis sie den hilfreichen Wink verstand, um dann endlich das Knödelserviermanöver – zwar etwas unorthodox – glücklich zu Ende zu bringen.
Die übriggebliebene Suppe verteilte Lisis Mutter großzügig an ihre Angestellten, die sie mit nach Hause nehmen durften.

Zehrung als guter Abschluss. „Es is jetzt ummi“. Das Beisammensein der Verwandtschaft und Nachbarschaft beim Mahl hat die Wirtstochter oft als wichtige Marke erlebt. Ein Punkt, eine Markierung, wo die Ermutigung spürbar war, dass nun auch wieder der Alltag Raum bekommen darf.

Pfarre Zwettl an der Rodl
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