Monday 23. September 2019

Ins Zentrum des Glaubens

Maria führt zu Gott dem Einzigen und Ewigen

Die Frage der Maria ist: Was darf ich von Gott erwarten, der mir ein so besonderes Kind geschenkt hat? Unsere Frage heute ist: Was dürfen wir von Gott erwarten, der uns Jesus, diesen unvergleichlichen Menschen, geschenkt hat?

Offenbarung 11, 19a; 12, 1–6a.10ab

19a Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar:
12,1 Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt.
2 Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.
3 Ein anderes Zeichen erschien am Himmel und siehe, ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen.
4 Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.
5 Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der alle Völker mit eisernem Zepter weiden wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt.
6a Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte.
10ab Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Königsherrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten.

 

Lukasevangelium 1, 39–56

46 Da sagte Maria: Meine Seele preist die Größe des Herrn
47 und mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter.

 

Manchmal wird der Katholizismus so karikiert, wir hätten nicht nur eine Dreieinigkeit, sondern vier Götter, d.h. wenn man Maria dazu nimmt. Manche verehren sie ja wirklich so, als wäre sie eine Göttin. Und manche meinen, als fünfte Gottheit käme der Teufel noch dazu. Das sind Fehlentwicklungen unseres Glaubens.

Unsere Lesungen heute dagegen sind ganz klar. Wenn wir Maria ins Zentrum unseres Feierns stellen, dann geht es um Gott den Einzigen und Ewigen.

 

In der Offenbarung des Johannes beginnt die Szene, indem die Lade des Bundes am Himmel sichtbar wird. Die Bundeslade ist der Kasten, den die Israeliten durch die Wüste getragen haben und in dem sich die Gesetzestafeln befanden, die Mose am Berg Sinai erhalten hat. Die Gebote Gottes - die heilige Tora - sind die gute Weisung, aus deren Kraft das jüdische Volk bis heute lebt. Das Erscheinen der heiligen Lade ermöglicht die anschließende Szene: Drachen, Feuer und eine Frau in Geburtswehen, entfesselte Gewalt und die Gegenkraft, Gut gegen Böse: das sind Bilder des Kampfes und der Bedrängnis, die wir bis heute in Film und Literatur kennen und verstehen. Diese Bilder haben einer Gemeinde damals, als die Offenbarung verfasst wurde, in bedrängter Zeit Trost und Zuversicht gegeben.

 

Doch so zentral die Frau in dieser Szene ist, letztlich geht es um Gott den Ewigen. Am Ende wird verkündet: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Königsherrschaft unseres Gottes.

Und genau darum geht es auch im Lobpreis der Maria, als sie ihre Verwandte Elisabeth besucht: Um die rettende Macht Gottes, die nun angebrochen ist. Das ist eine lange Erfahrung im jüdischen Glauben. Der Evangelist Lukas kennt ein Jahrhunderte altes Vorbild für die Worte von Maria, nämlich das Lied der Hanna, der Mutter des Profeten Samuel. Es ist uns im Ersten Testament überliefert (1 Sam 2,1-10).

 

Die Frage der Maria ist dieselbe wie die von Hanna: Was darf ich von Gott erwarten, der mir ein so besonderes Kind geschenkt hat? Unsere Frage heute ist: Was dürfen wir von Gott erwarten, der uns Jesus, diesen Menschen geschenkt hat, der wie kein anderer nahe an Gott dem Ewigen war und ist?

 

Die Worte der Maria sind radikal und umstürzlerisch. Und es ist nicht irgendein Geheimtext. Tag für Tag wird dieser Abschnitt als Magnificat im Abendgebet der Kirche gesprochen, das von allen Ordensleuten und Priestern weltweit gebetet wird. Immer wieder sollen wir genau daran erinnert werden:

51 Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten:

Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind;

52 er stürzt die Mächtigen vom Thron

und erhöht die Niedrigen.

53 Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben

und lässt die Reichen leer ausgehen.

Wenn wir als Christinnen und Christen immer wieder einmal einen Maßstab an unsere Weltgestaltung und an die Politik anlegen wollen: Dann bitte genau das! Wir sollten es keinesfalls billiger geben!

 

Der Evangelist Lukas stellt Maria mit ihrem Lied, das sie im Geist des Lobpreis der Hanna singt, nicht nur in die Tradition ihrer Heiligen Schrift, unseres Alten/ Ersten Testaments. Es spricht ausdrücklich von der bleibenden Treue Gottes mit seinem erwählten Volk, dem jüdischen Volk:

54 Er nimmt sich seines Knechtes Israel an

und denkt an sein Erbarmen,

55 das er unsern Vätern verheißen hat,

Abraham und seinen Nachkommen auf ewig.

Was Abraham und seinen Nachkommen an Gutem verheißen wurde, das hat Bestand und wird nun bestätigt und bekräftigt. Und da sind wir wieder bei der Heiligen Lade mit den Gesetzestafeln der Heiligen Weisung, der Tora. Denn genau darin findet sich die Fülle des Guten.

 

Maria am heutigen Fest führt uns zur Mitte unseres Glaubens, hin zur Fülle, die ganz und allein in der Offenbarung des Ewigen für das jüdische Volk wurzelt. Es ist eine einfache Frau – eine „Frau aus dem Volk“, wie es die Befreiungstheologie sagt –, die Zeugnis für den ewigen und einzigen Gott gibt; eine Frau mit einem Kind und mit allen Sorgen, die eine Mutter so hat. Es ist kein geistlicher oder weltlicher Führer, kein Asket und kein Priester, also auch kein Glaubensprofi. Das macht es so attraktiv, uns Maria an die Seite zu stellen. Sie ist wie wir und wir könnten sein wie sie.

 

Markus Himmelbauer

Mariä Himmelfahrt, 15. August 2019

 

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