Montag 20. August 2018

Es wird genug sein!

Der Ewige sorgt für das Lebensnotwendige

Ob Hilfe suchende Menschen nach Österreich kommen oder wir als Pfarrgemeinde etwas planen: Wenn es das nächste Mal heißt „Es reicht nicht“, dann ist uns heute zugesagt, was Gottes Kraft unter uns und mit uns wirken wird.

Johannesevangelium, Kapitel 16

5 Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben?

6 Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte.

7 Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll.

8 Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm:

9 Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele!

10 Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen!

 

Landläufig sagen wir, Gott ist gut für unsere Seele. Aber unsere Lesungen (Ex 16, Joh 16) heute erzählen, wie Gott sich um unsere alltäglichen Bedürfnisse kümmert. „Unser tägliches Brot gib uns heute“ beten wir im Vaterunser. Das steht für eine lange Linie von Erfahrungen unzähliger Generation seit der Wüstenwanderung der Israeliten: Der Ewige sorgt für das Lebensnotwendige.

 

Die Menschenmenge, die Jesus folgt, kennt die Zeichen, mit denen er die Machttaten des Ewigen verkündet hat. Immer wieder haben wir an den letzten Sonntagen von Heilungen gehört, vom Austreiben von Dämonen und von unreinen Geistern. Ärzte gab es damals auch schon und ich glaube nicht, dass Jesus dies als Ersatz für ein funktionierendes Sozialversicherungssystem gewirkt hat. Es geht um Heilung in einem umfassenden Sinn: genug zum Überleben haben und darüber hinaus Chancen, sich als Mensch zu entfalten.

 

Die Broterzählung bei Johannes erinnert an die Befreiungsgeschichte des Volks Israel. Die Menge lagert auf einem Bergrücken: Das lässt – wie bei der Bergpredigt des Matthäus – Anklänge an den Gottesberg in der Wüste aufkommen, wo das Volk Israel die Heilige Weisung der Tora erhalten hat. Der Hinweis auf das Paschafest bestärkt diese Auslegung: Zu Pessach oder Pascha auf Griechisch geht es auch um Überwindung des krankhaften Zustands der Sklaverei. Brot spielt dort ebenfalls eine Rolle: die ungesäuerten Brote, die am Vorabend des Auszugs gebacken und gegessen wurden. Wir lesen jährlich am Gründonnerstag darüber.

 

Wie könnte diese Szene noch gut ausgehen? Jedenfalls nicht mit Geld: Die Jüngerkasse war damals anscheinend ebenso knapp wie unsere Pfarrfinanzen heute. Für mich aber ist diese Aussage noch mehr als ein negativer Saldo. Sie bedeutet für mich: Mit einer traditionellen Herangehensweise, mit einem Projekt, mit einem Budget, mit dem Zukaufen von Dienstleistungen … kommen wir nicht ans Ziel. Ihr kennt meinen Stehsatz und er findet auch hier seine Bestätigung: Rechnen bringt uns nicht weiter.

 

Das Johannesevangelium beschreibt gerne die Vollmacht Jesu, dass er als Sohn Gottes über den Dingen steht und eigentlich ohnehin schon alles weiß. Jesus könnte die Szene souverän gestalten; er macht es aber nicht ohne die Gruppe seiner Vertrauten. Den Jüngern hilft aber kein politischer oder religiöser Funktionär. Die Rettung kommt unerwartet, nicht von dort, wo man als erstes hinschauen wollte: Unscheinbar ist ein Bub, der zufällig fünf Brote und zwei Fische dabei hat. Was die Zahl bedeutet, darüber ist viel spekuliert worden: Die fünf Brote vielleicht als die fünf Bücher der Tora, der guten Weisung Gottes, die fünf Bücher Mose. Und die Fische symbolisieren die beiden anderen Teilen der Heiligen Schrift: die Propheten und die Schriften. Unser so genanntes Altes/ Erstes Testament ist ja die Heilige Schrift Jesu und der Jüngerinnen und Jünger; das Neue Testament wurde erst Jahrzehnte später verfasst und noch später gesammelt und als Buch zusammengestellt.

 

„Nehmen wir einmal das, was wir haben“, so will ich diese Vorgehensweise auslegen. Lassen wir uns nicht schrecken und lähmen von der Aufgabe, die vor uns steht. Sprechen wir das Dankgebet über unseren kleinen Beginn und teilen wir aus. Die Geschichte erzählt erstaunliches, wie viel da noch übergeblieben ist: Zwölf Körbe mit Brot. Die Ausleger meinen, das symbolisiere die zwölf Stämme des Volkes Israels. Die Erzählung weitet den Radius aus: Zunächst eine aussichtslose Situation: dann immerhin fünf Brote und zwei Fische, dann die fünftausend Männer – es waren wohl auch noch zusätzlich Frauen und Kinder dabei, eines wird ja in der Geschichte erwähnt – und zuletzt der Blick auf ganz Israel.

 

So einen souveränen Wundertäter hätten wir gern jederzeit zur Verfügung. Und natürlich, dass er es genauso macht, wie wir es wünschen. Aber Jesus – und mit ihm Gottes Macht – lassen sich nicht in unsere Gewalt bringen. Jesus entzieht sich der Menge: Wie einst Mose, so geht auch er ganz allein auf den Berg hinauf.

 

„Es reicht nicht“, diesen Satz kennen wir. Ob Hilfe suchende Menschen nach Österreich kommen oder wir als Pfarrgemeinde etwas für unseren Ort planen. Nun haben wir diese Erzählung als Vorbild und zur Ermutigung. Und wir bekennen, dass Jesus unter uns ist, dass wir als Gemeinde der Leib Christi sind, gestärkt durch die Gegenwart des Geistes Gottes. Wenn es das nächste Mal heißt „Es reicht nicht“, dann ist uns hier ein Modell zugesagt, was Gottes Kraft dann unter uns und mit uns wirken wird. Amen.

 

Markus Himmelbauer, 17. So. JK B, 29.07.2018

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