Saturday 25. June 2022
Pfarre Wilhering

Pfarrer P. Johannes zum 3. Sonntag in der Osterzeit

1. Mai 2022

Liebe Mitchristen!

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Bibeltexte 010522

 

See Gennesaret

 

Wir hören an diesem 3. Sonntag in der Osterzeit einen „Nachtrag“ zu den Osterberichten des Johannesevangeliums, und dieser hat einige Besonderheiten.

Insbesondere sind da wieder sieben Jünger Jesu beim Fischen auf dem See Gennesaret in Galiläa –

 

und sie haben ähnlich wie in Lk 5 nichts gefangen. (Vgl. dazu meine Gedanken zum 5. Sonntag dieses Jahres)

 

Jesus steht am Morgen dieses Tages am Ufer des Sees, aber die Jünger erkennen ihn nicht. Er fragt sie, ob sie etwas gefangen haben, und weist sie an, das Netz auf der „rechten“ Seite des Bootes auszuwerfen. Sie fangen so viele Fische, dass sie das Netz nicht einholen können. Es sind 153 große Fische.

 

aus dem Jesus-Film

von Youtube 2003

mit dem Text des

Joh Evangelium

 

Daran erkennt „der Jünger, den Jesus liebt“, dass es der Herr ist. Petrus schwimmt dann mit dem Oberkleid, das er angelegt hat, ans Ufer. Dort brennt schon ein Kohlenfeuer, und darauf liegen Fisch und Brot. Jesus lädt die Jünger ein: „Kommt her und esst!“

 

Johannes notiert dann: „Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.“ Hier wird wieder die Spannung zwischen Gewissheit und Zweifel bewusst gemacht, die sich so sehr durch die Osterberichte zieht.

 

An dieser Stelle zeigt sich einmal mehr, wie sehr man sich müht, mit einer Erfahrung umzugehen, die unfassbar dicht und doch für das normale Denken unmöglich nachvollziehbar ist. Die Ostererfahrung hat die Welt verändert, aber auch wenn man sich um den Osterglauben bemüht, bleibt doch der Zweifel, weil alle alltäglichen Erfahrungen dazu in völligem Widerspruch stehen. Einige Anregungen, sich dem Geheimnis der Auferstehung zu stellen, sollen hier versucht werden.

  1. Der Jünger, den Jesus liebt, erkennt, dass es der Herr ist. Petrus glaubt diesem Jünger.

Weder Maria von Magdala noch die Emmausjünger haben den Auferstandenen sofort erkannt. Dann aber folgt eine Gewissheit, die sie sofort zu Kündern der Osterbotschaft macht.

 

Petrus und der Jünger, den Jesus liebte, eilten beide zum Grab. Dieser Jünger „sah und glaubte“ (Joh 20,8). Petrus und Johannes bekennen vor dem hohen Rat: „Wir können unmöglich schweigen über das, was wir gesehen und gehört haben“ (Apg 4,20). Es braucht offensichtlich den, der die Kraft zum Glauben hat und den anderen zum Bekenntnis bewegt. Der „Jünger, den Jesus liebt“, offenbart ein Geheimnis. Gemäß der Aufzählung im heutigen Evangelium müsste es, auch mit Blick auf andere Bibelstellen, Johannes, Sohn des Zebedäus, sein. Dieser glaubende Jünger gibt also schon am Beginn der Kirche die Kraft zur Verkündigung, auch wenn der andere der Sprecher ist.

  1. Ein Bild für die Kirche aller Zeiten:

Schon in der frühen Kirche wurde dieser reiche Fischfang als Bild für die Ausbreitung des Evangeliums und für Ostererfahrungen aller Zeiten gesehen. Die Verkünder mühen sich ab und erleben oft Misserfolg. Eine ganze Nacht sind sie unterwegs und die Netze sind leer. Gemäß Lukas 5 soll Petrus Menschenfischer sein! Zu allen Zeiten möchte man Menschen für Christus gewinnen. Auch in der Gegenwart könnte man jammern: Die Kirchen werden immer leerer, tausende treten jedes Jahr aus, in der Öffentlichkeit ist kaum ein Glaubensbewusstsein spürbar. Alle Mühe scheint umsonst.

 

In diese Situation ruft der Auferstandene: „Werft das Netz auf der rechten Seite aus.“ Diese „rechte“ Seite meint eine Korrektur der bisherigen Abläufe. Die Verantwortlichen haben ihre Prinzipien und meinen, anders könne es nicht gehen. Der österliche Herr eröffnet eine neue Sichtweise. Die Fische schwimmen dann ohne Aufwand, wie von selbst, in die „Netze“. Es scheint, als würden die Verkünder oft ihrer Verkündigung im Weg stehen. Sie sollten aufhören, nur ihr vorgefertigtes Programm zu fahren. Gott hat andere Wege als die oft so „gescheiten“ Profis der Verkündigung. Manchmal denke ich mir: Es ist eine solche Sehnsucht nach dem Evangelium vorhanden, aber man versucht die Menschen mit hohlen Vorspiegelungen zu begeistern statt mit dem göttlichen Geheimnis, man möchte mit klug erdachten Programmen locken, statt den Heiligen Geist wirken zu lassen. Nachdem die Jünger endlich den Ruf des Herrn verstehen, ist das Netz übervoll. (Erinnern wir uns an die Pfingstpredigt des Petrus: Diese Worte trafen die Menschen ins Herz, und an diesem Tag ließen sich 3000 Menschen taufen!)

  1. Kohlenfeuer, Brot und Fisch

Große Kirchenlehrer der frühen Kirche haben sich mit der Bedeutung dieses Mahles beschäftigt, das der Auferstandene den Jüngern bereitet.

 

aus dem Jesus-Film

von Youtube 2003

mit dem Text des

Joh Evangelium

 

Sie haben in diesem Feuer das Kreuz gesehen und in Brot und Fisch den Gekreuzigten, der sich selbst den Jüngern zur Speise gibt. Es ist die Verbindung mit der eucharistischen Rede (Joh 6), wo Jesus sagt: „Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch! Ich gebe es hin für das Leben der Welt“, worauf viele Jünger davongelaufen sind, weil sie sagten: „Diese Rede ist unerträglich.“ Ohne diese Nahrung, diese ständige Teilhabe am Leiden und Sterben Jesu und an seiner Auferstehung ist die Kirche kraftlos, sie kann keine Menschen für den Herrn gewinnen, sie kocht dann nur ihr eigenes Süppchen, das sie selbst nicht satt macht und auch für die Adressaten der Verkündigung uninteressant ist.

  1. Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?

Es fällt auf, dass der Auferstandene den Petrus hier mit seinem eigentlichen Namen anredet! Jesus tut dies dreimal! Beim dritten Mal wird Petrus traurig. Diese Stelle wird oft auf die dreimalige Verleugnung bezogen, und das ist sicher nicht falsch.

Sie weist aber auch darauf hin, dass es gar nicht leicht ist, den Gekreuzigten und Auferstandenen wirklich mit seinem innersten Wesenskern zu lieben, und dass man etwas leicht sagen kann, was nicht die innerste Mitte trifft. Zugleich wird deutlich, dass nur die wirkliche Liebe zu Christus zu einer authentischen Kirchenführung fähig macht.

Es braucht auch die Annahme der Vergebung und damit eine tiefe Demut – und das bleibende Bewusstsein, dass man selber immer ein armer Sünder ist, um so Geduld mit den anderen zu haben, die auch nicht vollkommen sind. Auch Petrus ist ein Jünger, den Jesus liebt, dem es aber wohl schwerer fällt, diese Liebe anzunehmen.

 

Man kann nur weitergeben, was man zuerst als Gnade angenommen hat, und zwar aus tiefstem Herzen. Man muss sich immer neu einschwingen in die göttliche Liebe, die reines Geschenk ist. Erst dann kann man Menschen für Christus gewinnen, erst dann kann man „Menschenfischer“ sein im Auftrag des Herrn.

 

Bitte lesen Sie auch die Predigt von P. Johannes vom 5. Sonntag im Jahreskreis!

 

Der Text wird auch im PDF-Format angeboten, mit der Bitte, ihn auszudrucken und an die Nächsten und Näheren weiterzugeben, die kein Internet haben.

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KonsR Mag. P. Johannes Mülleder
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