Thursday 7. July 2022
Pfarre Wilhering

Pfarrer P. Johannes zum Weißen Sonntag

24. April 2022

Liebe österliche Gemeinschaft!

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Bibeltexte 240422

 

 

 

 

 

Das Wort des Thomas im Evangelium vom Weißen Sonntag: „Wenn ich meinen Finger nicht in die Male der Nägel und meine Hand nicht in seine Seite lege, glaube ich nicht!“, lädt zu einer genaueren Betrachtung ein.

 

 

 

Beim ersten Hinhören ist es ein vernünftiges Argument: Jemand, dem solche Wunden zugefügt wurden, kann nicht überleben. Bei genauerem Nachdenken wird aber die ganze Not der Menschheit deutlich:

 

Was ist mit allen Verhungernden, Ausgebeuteten, Versklavten, Vergewaltigten, Gefolterten, denen die Menschenwürde geraubt wurde? Der gekreuzigte Herr fasst in sich alle Verwundung, die die Welt durchzieht, seit es Menschen gibt. Das Wort des Thomas ist somit die Forderung, alle Wunden der Welt in der Osterbotschaft wiederfinden zu können. Man darf nicht tun, als ob das alles nichts wäre, was je auf der Welt gelitten wurde.

 

Das Evangelium vom „ungläubigen Thomas“, womit man diesem Apostel sehr unrecht tut, offenbart, dass hier Jesus gerade in seinen „Verletzungen“, in dem, was seinen Körper zerstört hat, als der österliche Herr, als Sieger über Sünde und Tod erkannt wird. Diese Wunden sind für Thomas fühlbar, sie sind nicht weg, aber sie sind verwandelt, und sie lösen in ihm eine solche Erschütterung aus, dass er betroffen ausruft: „Mein Herr und mein Gott!“

 

Eine Wunde gibt es allerdings beim auferstandenen Herrn nicht, die der Rachsucht! Menschen wurde oft so Entsetzliches angetan, dass sie davon ein Leben lang traumatisiert und damit unfähig waren, zu verzeihen. Man braucht nur das Buch von P. Konrad Just zu lesen, dann merkt man, dass es die Nazi-Schergen darauf abgesehen hatten, Persönlichkeiten in menschliche Wracks zu verwandeln, und dass sie dabei sehr erfinderisch waren. Wenn jemand, der Grauenhaftes mitgemacht hatte, fähig ist, sich davon so sehr zu lösen, dass er den Folterknechten verzeihen kann – dann ist von ihm selbst eine Fessel abgefallen, die ihm bisher alle Kraft genommen hat.

 

In den Evangelien gibt es nicht die geringste Andeutung, dass der österliche Herr an Kajaphas, Herodes oder Pilatus irgendwie Rache nehmen würde. Das spricht Petrus auch in seiner Rede auf dem Tempelplatz aus (Apg 3,11-26). „Der Gott unserer Väter hat seinen Knecht Jesus verherrlicht, den ihr verraten und vor Pilatus verleugnet habt, obwohl dieser entschieden hatte, ihn freizulassen…. Den Urheber des Lebens habt ihr getötet, aber Gott hat ihn von den Toten auferweckt…. Nun, Brüder, ich weiß, ihr habt aus Unwissenheit gehandelt, ebenso wie eure Führer…“ Gott eröffnet gerade durch ein schreckliches Verbrechen der Menschheit ein neues Heil, er verwandelt den Tod in ein unfassbares, unvergängliches Leben, das jenem die Macht endgültig raubt.

 

Für Thomas sind gerade die verwandelten Wunden die Tür zum Osterglauben! Für Maria von Magdala war es die Anrede mit dem Namen, für die Emmausjünger das Brotbrechen, für alle Apostel das gemeinsame Essen und der reiche Fischfang, und auch in unseren Zeiten geht das Ostergeheimnis immer wieder Menschen so existentiell auf, dass sie davon verwandelt und damit auch von der dunklen Macht der seelischen Verletzungen frei werden.

 

Hier liegt das Fundament aller echten Vergebung. Dazu möchte der Auferstandene die Kraft geben, wenn er die Jünger anhaucht und zu ihnen sagt: „Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben…!“

 

Bitte lesen Sie auch die Predigten von P. Johannes aus 2021 und zur selben Bibelstelle 2020!

 

Der Text wird auch im PDF-Format angeboten, mit der Bitte, ihn auszudrucken und an die Nächsten und Näheren weiterzugeben, die kein Internet haben.

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