Friday 25. September 2020
Pfarre Wilhering

Pfarrer P. Johannes zum 20. Sonntag im Jahreskreis

 

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                               Das Evangelium vom heurigen 20. Sonntag im Jahreskreis (Mt 15,21-28) berichtet von einem Aufenthalt Jesu in heidnischem Gebiet. Den frommen Christen mag es überraschen, wie ruppig Jesus mit der kanaanäischen Frau umgeht, die ihn bittet, ihr Kind von einem Dämon, von dem es gequält wird, zu heilen. Wir können durchaus sagen, dass Jesus hier, menschlich gesehen, dazulernen musste. „Frau, dein Glaube ist groß!“, ist der Satz, der hier zum Schlüssel wird, und der auch im Kontrast zum Kleinglauben steht, von dem wir vergangenen Sonntag gehört haben. Es ist aber wichtig, uns über die Situation damals ein wenig klarer zu werden.

  

1. „Ich bin nur zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt.“

 

Man muss schon bedenken, dass rund um Israel nur Mehrgottglaube wie auch in Griechenland verbreitet war. Dort hat es Zeus, Hera, Demeter, Aphrodite und viele andere Götter nach den Vorstellungen dieser Zeit gegeben, ebenso im kanaanäischen Bereich. Hier hat sich in den tausend Jahren bis dahin nicht viel verändert. Man denke nur an das Ringen des Propheten Elia, der als Kämpfer für den Glauben an Jahwe fast auf verlorenem Posten stand. Auch Israel war damals überwiegend diesem Fruchtbarkeitskult und den üblichen Vorstellungen verfallen.

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Das berühmte Gottesurteil auf dem Karmel, wo Elia den Baalskult verspottet und dem Volk das Zeichen des vom Himmel fallenden Feuers gegeben hatte, um die Macht Jahwes zu erweisen, ist bekannt. Auch die vielen Propheten nach ihm mussten gegen den Vielgötterglauben ankämpfen. Zwischen dem Jahweglauben und den vielen magischen Vorstellungen und den Opferriten waren Welten. Jesus wusste sich zu denen gesandt, die zumindest prinzipiell an diesen einen Gott glaubten, mit dem Jesus zutiefst eins war und mit dem er sich nächtelang im Gebet vereinigte.

 

   2. Hab Erbarmen mit mir, Herr, du Sohn Davids!“

 

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Man kann davon ausgehen, dass diese Frau bei den verschiedenen Opferpriestern ihrer Vielgötterreligion schon alles probiert und auch viel Geld ausgegeben hat. Nichts hat geholfen. Man kann sich durchaus vorstellen, dass sich ihr die Frage nach der Wirksamkeit dieser Götter irgendwann gestellt hat. Sie muss davon erfahren haben, dass es da einen Wunderheiler namens Jesus gibt. Ihn redet sie mit dem höchsten Titel an, der ihr vertraut ist. (Man darf nicht vergessen, dass David seinerzeit brutale Macht über die Kanaanäer ausgeübt hat und auch die kanaanäische Stadt Jerusalem zur Hauptstadt seines Reiches gemacht hat. Was heute Israel mit den Palästinensern macht, erinnert daran!)

 

   3. „Es ist nicht recht, das Brot den Kindern wegzunehmen und es den Hunden vorzuwerfen.“

 

Dieses für uns erschreckende Wort Jesu ist für diese Frau sehr plausibel. Es war für sie durchaus keine Beleidigung, sondern entspricht ihrer Logik. Was hat Jesus mit ihrem Vielgötterglauben zu tun? Diese Frau wagt es in ihrer äußersten Verzweiflung, den Vertreter einer anderen Religion anzusprechen. Sie muss mit einer solchen Antwort rechnen.

 

   4. „Frau, dein Glaube ist groß!“

 

Die Antwort der Frau ist zunächst insofern erstaunlich, als sie das Bild, das Jesus vermittelt, anzunehmen vermag. Klar, Jesus ist für die Israeliten da und nicht für die Kanaanäer. Dieser „Zauberheiler“, als den sie ihn betrachtet, ist für sie nicht zuständig. – Anders als durch Zauberriten kann sie sich eine eventuelle Rettung ihres Kindes aus ihrer bisherigen Erfahrung heraus ja nicht vorstellen. Sie übernimmt aber sofort das Bild, das Jesus gezeichnet hat, und stellt fest, dass auch die Hunde von dem satt werden, was die Kinder nicht mehr brauchen. Darin aber erkennt Jesus einen großen Glauben! Warum?

Die Frau überbietet mit ihrer Antwort ihre bisherigen Erfahrungen. Heilung konnte man aus ihrer Erfahrung heraus kaufen. Ihr Kind konnte aber nicht von der Macht des Bösen befreit werden. All ihre Mittel reichten nicht aus. Das Bild von den Hunden, die auch satt werden, eröffnete ihr den Blick auf eine Großzügigkeit, die es in ihrer Religion nicht gibt. Die zunächst schockierende Antwort Jesu lehrt sie ein völlig neues Verständnis. Jesus hat dieser Frau eine Tür zum Glauben geöffnet, und sie hat sie angenommen. Das Wort Gottes ist bei ihr auf fruchtbaren Boden gefallen. Sie hat von einer Großzügigkeit Gottes gespürt, die sie bisher nicht gekannt hat, und hat entsprechend geantwortet.

Jesus lebte ganz aus dem Reichtum der Liebe seines Vaters. Davon hat er ständig weitergeschenkt. Den Primitivreligionen war dieser Reichtum verborgen. Einen liebenden, großzügigen Gott kannten sie nicht. Angst, Leistung, Aufgabe der eigenen Persönlichkeit war gefordert. Die Not der Frau war so groß, dass sie ihre letzte Hoffnung auf Jesus gesetzt hat. Die Brosamen vom Tisch der Kinder hatten ihr gereicht.

Jetzt erfährt sie die Heilung ihres Kindes und damit die Überwindung der bösen Geister durch Jesus. Sie braucht nichts zu bezahlen. Sie erlebt das größte Geschenk ihres Lebens. Und sie erfährt, dass da keine Zauberei nötig ist. Sie hat ihr ganzes Vertrauen auf ihn geworfen, von dem ein Heil ausgeht, das alle ihre bisherigen Vorstellungen unendlich übersteigt. Klar ist, sie weiß jetzt, dass von den Göttern, die sie bisher verehrt und denen sie gedient hat, kein Heil ausgeht. Da ist der einzige große Gott, der alle Macht des Bösen zu brechen vermag. Diese Macht strömt durch Jesus in die Welt, und Gott ist so groß und reich, dass niemand ausgeschlossen ist, der sein ganzes Vertrauen in ihn setzt.

 

   5. „Gott hat alle in den Ungehorsam eingeschlossen, um sich aller zu erbarmen.“ (Röm 11,32)

 

Ein Gedanke noch zum letzten Satz der zweiten Lesung: Zu allen Zeiten versuchten Menschen, sich selbst von ihren Bedrängnissen, bis hin zum Tod, zu erlösen, bis heute. Die Selbsterlösungsstrategien nehmen kein Ende, bis zum Versuch, das Altern der Zellen zu unterbinden. Wonach sich jeder Mensch aber im tiefsten sehnt, ist eine Liebe, die ihn so annimmt, wie er eben ist. „Gott erbarmt sich“, ist vielleicht das schönste Wort für uns alle. Wir sind Gott nicht egal. Unsere Not berührt ihn. Wir brauchen nicht die Starken zu spielen. Wir dürfen ihm unsere Wunden zeigen. Die Kanaanäerin musste von Jesus dahin geführt werden, dass sie nicht mehr ihren bisherigen Göttern vertraut, sondern dem tiefsten Geheimnis, das sie in ihrem Herzen erahnt. Die Sehnsucht nach diesem Geheimnis lebt in uns allen, und auch die, die davon nichts wissen wollen, sind daraufhin geschaffen. Manchmal braucht es die Grenze der Verzweiflung, um sich von allen bisherigen Sicherheiten zu lösen, und dem die Hand entgegenzustrecken, der uns als einziger vor dem Untergang retten kann.

 

Der Text wird auch im PDF-Format angeboten, mit der Bitte, ihn auszudrucken und an die Nächsten und Näheren weiterzugeben, die kein Internet haben.

 

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