Thursday 6. May 2021
Pfarre Wilhering

Pfarrer P. Johannes zum Palmsonntag

Liebe Pfarrgemeinde! Liebe Leserin, lieber Leser!                                       PDF

 

Der Palmsonntag ist in der christlichen Tradition und im Volksbewusstsein sehr ausgeprägt. Die am Palmsonntag gesegneten Palmbuschen werden in vielen Häusern und oft auch auf den Feldern und in Gärten angebracht im Vertrauen, dass Gott hier seinen Segen walten lässt.

Am Palmsonntag gibt es üblicherweise keine Predigt, weil nach dem Evangelium bei der Segnung der Palmzweige und nach dem Einzug in der Kirche noch die Passion vorgelesen wird. In diesem Ausnahmejahr lade ich ein, den Hintergrund des Palmsonntages ein wenig genauer zu betrachten.

Die Szene vom Einzug in Jerusalem wird von allen vier Evangelisten erzählt, wir kennen aber nur die Stelle von den ersten drei Evangelien. Es besteht also diesmal auch die Chance, die Botschaft des Johannesevangeliums genauer zu betrachten. Historisch dürften feierliche Einzüge von Wallfahrergemeinschaften anlässlich des Paschafestes üblich gewesen sein wie auch heutzutage bei großen Wallfahrtsorten. Jesus und seine Begleiter inszenieren hier aber durchaus eine mit großer Aufmerksamkeit verfolgte Zeichenhandlung, zu der neben dem eigentlichen Einzug auch noch die Tempelreinigung und die Verfluchung des Feigenbaumes gehört. Der Evangelist des heurigen Jahres, Matthäus, erzählt diese Handlungen direkt hintereinander. Daneben möchte ich aber doch auch auf wichtige Aussagen bei Johannes hinweisen.

 

Der Palmesel und die Dornenkrone gehören zusammen!

 

Der Palmsonntag ist ein Christkönigsfest. Aber was für ein König präsentiert sich hier! Jesus geht zwar nicht zu Fuß, aber er zieht auf einem Esel in Jerusalem ein. Die Begleiter und auch andere Leute legen Kleider und Zweige von den Bäumen auf den Boden und huldigen dem so einziehenden Herrn. Es gibt im Alten Testament Thronerhebungsszenen, in denen auch solche Gesten vollzogen werden, aber es ist unvorstellbar, dass der König von einem Esel getragen wird. Matthäus – und auch Johannes – deuten diese Szene mit einem Zitat aus Sacharja. Der Messias wird auf einem Esel in seine Stadt einziehen. Er offenbart sich als Friedenskönig. Mit einem Esel kann man in keinen Krieg ziehen. Dies ist auch eine Absage an Messiashoffnungen, bei denen Israel mit Gewalt von der römischen Besatzungsmacht befreit werden wird.

Die bei Matthäus sofort folgende Vertreibung der Händler aus dem Tempel darf so verstanden werden: Das eigentliche Problem sind nicht die politischen Zustände, sondern, dass im Tempel die Möglichkeit der Gottesbegegnung durch Geschäftemacherei verdeckt wird. Und gleich kommen Lahme und Blinde, und der Herr heilt sie. Das eigentliche Problem ist also, dass die wahre Not in der Gesellschaft nicht gesehen wird. Der Friedenskönig sieht diese eigentliche Not, er ist gekommen, um wirkliche Heilung zu bringen. Alle sind eingeladen, zu erkennen, wo die wunden Punkte in einer Gesellschaft sind, nämlich in der fehlenden Nächstenliebe.

Die Priesterschaft, die die Kontrolle über den Tempel hat, erträgt das Vorgehen Jesu nicht, und Fachleute sind der Meinung, dass dieses Handeln Jesu letztlich sein Todesurteil war. Jesus wird für das bestehende System mit seinem Handeln zu einer furchtbaren Bedrohung, die ihn letztlich ans Kreuz bringt. Somit wird der Friedenskönig zum Gefolterten, zu Grunde gerichteten, zum Spott der ganzen Gesellschaft. „Heil dir, König der Juden!“, höhnen die Soldaten, nachdem sie ihm die Dornenkrone aufgesetzt haben. „Also bist du doch ein König“, sagt Pilatus im Johannesevangelium. Darauf antwortet Jesus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“ Wir können durchaus herauslesen, dass Jesus „dieser Welt“, also der Grundeinstellung der Masse, immer fremd sein wird.

 

„Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht wird.“ (Joh 12,23)

 

Im Johannesevangelium möchten Griechen Jesus nach seinem Einzug in Jerusalem kennenlernen. Als die Jünger die Begegnung vermitteln wollen, sagt Jesus dieses überraschende Wort, das zunächst harmlos klingt. Bei genauerem Hinhören ist da aber der Kreuzestod Jesu gemeint, ebenso bei der „Erhöhung des Menschensohnes“. Jesus schließt auch gleich das Bild vom Weizenkorn an, das in die Erde fallen muss, um Frucht bringen zu können. Im 8. Kapitel hat es noch geheißen „Niemand nahm ihn fest, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.“ Jetzt ist die Stunde da.

Jesus hat also genau gewusst, was ihn erwartet. Es erschüttert mich, wie Jesus das ausgehalten hat, immer klarer zu sehen, dass die Mächtigen des eigenen Volkes ihn beseitigen werden, ja, dass einer seiner engsten Vertrauten ihn verraten wird, alle ihn verlassen werden und dass einer von ihnen bestreiten wird, ihn überhaupt gekannt zu haben. Und genau diese Situation nennt Jesus „Verherrlichung“!

 

„Jetzt ist meine Seele erschüttert.“

 

Eines soll noch erwähnt werden: Die Johannespassion schreibt ja nichts von der Angst am Ölberg. Dafür spricht dieses Evangelium gleich nach dem Einzug in Jerusalem davon. „Jetzt ist meine Seele erschüttert. Was soll ich sagen: Vater, rette mich aus dieser Stunde? Aber deshalb bin ich in diese Stunde gekommen. Vater, verherrliche deinen Namen!“ (Joh 12,27 f.) Jesus wird uns also hier durchaus auch als der gezeigt, der furchtbare innere Kämpfe durchleidet, der einerseits so souverän erscheint, der aber eine schrecklich quälende Spannung in sich trägt, der ständig mit seinem Vater ringt, ja, sich durchringen muss dazu, diese grauenhafte Stunde anzunehmen, die aber zugleich die Stunde der Verherrlichung ist. Die Abschiedsrede (ab Joh 13,31) beginnt dann Jesus mit den Worten: „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen.“

Tod und Auferstehung sind eine Einheit, die irdisch gesehen schlimmste Katastrophe wird in die ewige Herrlichkeit hineinverwandelt.

Und wir alle dürfen an dieser Verherrlichung teilhaben. Dieses Wort darf uns Hoffnung über diese Welt hinaus geben: „‘Und ich, wenn ich von der Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen.‘ Das sagte er, um anzudeuten, auf welche Weise er sterben werde.“ (Joh 12,32 f.)

 

Am Johannesevangelium wird deutlich, dass man den feierlichen Einzug Jesu in Jerusalem nicht trennen kann von seiner Passion. Dieses Evangelium, das eigentlich mehr als die anderen Jesus als den schon Verherrlichten zeichnet, den, der souverän mit den Gerichtsdienern, mit Kajaphas und Pilatus redet, lässt uns auch an dieser Stelle wieder etwas von seinen inneren Kämpfen spüren. Jesus, das darf auch hier festgestellt werden, weiß, wie es uns geht, und ist uns gerade in unseren Nöten und in unserer Verzweiflung ganz, ganz nahe. Er lässt uns gerade hier nicht im Stich!

 

Der Text wird auch im PDF-Format angeboten, mit der Bitte, ihn auszudrucken und an die Nächsten und Näheren weiterzugeben, die kein Internet haben.

 

Kleiner Hinweis: Leider hatten wir kein Bild von P. Johannes im rosa oder violetten Messkleid.

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