Monday 26. October 2020
Pfarre Wilhering

Pfarrer P. Johannes zum 29. Sonntag im Jahreskreis

18. Oktober 2020

Liebe Mitchristen!

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„Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuern zu zahlen?“ Mit dieser Frage in Mt 22,15-22 wollen die Pharisäer gemeinsam mit den Anhängern des Herodes Jesus eine Falle stellen. Die Antwort Jesu ist sensationell und geht weit über das hinaus, was damals als Problem im Hintergrund stand. Aber schon mit der Aufforderung „Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern zahlt“, hat er die Fragesteller mit ihrer List überführt. Dazu muss aber die damalige Situation genauer betrachtet werden.

 

 

„Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern zahlt“

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 Tizian                                   

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
"der Zinsgroschen"
  1. Die politische Situation:

Bekanntlich war Israel schon lange unter der Fremdherrschaft der Römer, die auch ihre Währung in Israel eingeführt hatten, und mit der auch Geschäfte gemacht wurden. Die Römer und ihre Handlanger waren Feinde der Juden, aber in wirtschaftlichen Belangen nützte man die römische Infrastruktur. Es wurde selbstverständlich mit dem Denar bezahlt, und die Gleichnisse Jesu verraten uns, dass die römische Währung für alle selbstverständlich war. Dennoch galt dieses Geld als unrein und unjüdisch. Deshalb musste vor dem Tempel der römische Denar in die jüdische Drachme gewechselt werden, und nur dieses heilige Geld durfte gespendet werden und nur damit durften auch Opfertiere gekauft werden. In Mt 17,24-27 wird als Tempelsteuer die Doppeldrachme kassiert. Dass die Priester den Wechselkurs unter Kontrolle hatten und mit den Geldwechslern kein schlechtes Geschäft machten, wird anderwärts berichtet.

 

     2. Der Hintergrund der Frage nach der kaiserlichen Steuer

 

Es ist offensichtlich, dass man Jesus in die Klemme bringen wollte: Sagte er „Ja, man soll dem Kaiser Steuern zahlen“, dann macht er sich das jüdische Volk zum Feind, denn dann gilt er als Freund der Römer, und man hätte nicht gezögert, die Aussage Jesu so rasch wie möglich zu verbreiten. Wenn er diese Steuer aber ablehnt, dann muss er sofort mit einer Anzeige beim römischen Statthalter rechnen. Die Reaktion Jesu ist also nicht nur für die Fragesteller überraschend, sie führt letztlich all diese Streitereien ad absurdum.

 

      3. „Zeigt mir die Münze, mit der ihr eure Steuern zahlt!“

 

Sie merken noch nicht, dass sie das Spiel verloren haben in dem Augenblick, in dem sie einen Denar herausziehen. Sie zeigen damit nämlich, dass sie längst die Vorzüge des römischen Wirtschaftssystems genießen und damit auch kein Problem haben. „Geld stinkt nicht“, haben schon die alten Römer gewusst. Nachdem sich Jesus dumm stellt und sie fragt, wessen Bild und Aufschrift das sei, das da auf der Münze eingeprägt ist, scheinen die Jünger der Pharisäer immer noch nicht begriffen zu haben, und erklären Jesus, dass das doch Bild und Aufschrift des Kaisers sei. Darauf kommt dann die Antwort, mit der Jesus sich aber trotzdem nicht festlegt: „Dann gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gebührt, und Gott, was Gott gebührt!“

 

Bild: Stiftsbibliothek Altenburg

 

Die entscheidende Botschaft ist damit wohl, dass man in der gesellschaftlichen Realität durchaus seinen Beitrag zu leisten hat, auch wenn das noch nichts mit Religion zu tun hat. Es ist auch durchaus nicht verwerflich für kirchliche Organisationen, die vom Staat gebotenen Möglichkeiten zu nutzen. Das muss und darf kein Hindernis sein, in authentischer Frömmigkeit Gott zu suchen und ihm zu geben, was ihm gebührt. Staat und Gottesdienst müssen kein Widerspruch sein, und sie waren es in der Zeit Jesu in Israel auch nicht. Es ist doch bekannt, dass Jesus sogar den Diener eines römischen Hauptmannes von einer schweren Krankheit geheilt hat, und dass er den Glauben des Hauptmanns gelobt hat. Solange ein Staat nichts verlangt, was einem tiefen Glauben widerspricht, braucht also ein religiöser Mensch sich nicht dagegen zu erheben.     

   

Der Text wird auch im PDF-Format angeboten, mit der Bitte, ihn auszudrucken und an die Nächsten und Näheren weiterzugeben, die kein Internet haben.

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