Friday 14. August 2020
Pfarre Vorchdorf

Rosenwunder

Im Hof des Pfarrhofs beim Bildstock blüht ein wunderschöner Rosenstrauch. Ein Impuls zur Gelassenheit.

Dass auf diesem Gedenkstein, der anlässlich des 70. Geburtstages von P. Ernst errichtet worden ist, auch der Heilige Franziskus (1181/82-1226) abgebildet ist, freut mich besonders und erinnert mich an eine Legende. Bei der Portiunkula-Kapelle in Assisi, wo Franziskus mit seinen Gefährten die erste „Ordensniederlassung“ hatte, blüht heute noch ein Rosenstrauch, der keine Dornen trägt. 1215 soll sich Franz von Assisi, übermannt von tiefen Zweifeln und weltlichen Versuchungen, dort in ein Dornengestrüpp geworfen haben, um diese Gedanken „abzutöten“, wie das im Mittelalter ja unter Mönchen durchaus üblich war. Der Strauch habe sich wundersamerweise in einen Rosenstrauch ohne Dornen verwandelt. So hat Franziskus erkannt, dass es nicht um Strenge geht, sondern mehr um Liebe. Dass diese Liebe aber mitunter auch in Zweifel gezogen werden kann, aber dennoch von Gott gutgeheißen wird, zeigt eine moderne Franziskus-Legende auf.

Rosen im Winter
In der Frühzeit ihrer Gemeinschaften wanderten Franziskus und Klara eines Tages vom Städtchen Spello durch Olivenhaine und Eichenwälder zurück nach Assisi. Dabei waren sie nicht wenig beunruhigt. Ein Haus hatte ihnen die Türe geöffnet und auf ihre Bitte hin etwas Brot und Wasser gegeben. Dabei hatten die beiden aber böse Blicke auf sich gezogen, und sie mussten peinliches Geflüster mit versteckten Witzen und phantasiereichen Anspielungen hinnehmen. Schweigend traten sie nun hinaus vor die untergehende Sonne. Es war die kalte Jahreszeit, und das Land lag ringsum mit Schnee bedeckt. Als es am Horizont dunkelte, unterbrach Franziskus das traurige Schweigen: „Schwester, hast Du verstanden, was die Leute über uns gesagt haben?“ Damals verfolgte die römische Kirche nämlich mit aller Härte Laien, Frauen und Männer, die das Evangelium wie die Apostel lebten und gemeinsam umherzogen. Klara gab keine Antwort. Ihr Herz war wie zugeschnürt, und sie spürte, dass ihr Tränen näher waren als Worte. „Es ist Zeit, uns zu trennen“, sagte schließlich der hl. Franz. „Du wirst noch vor Einbrechen der Nacht in San Damiano sein. Ich werde allein gehen und Dir folgen, wie Gott mich führt.“ Da brach Klara in Tränen aus, blieb auf dem Weg stehen, fasste sich dann aber und ging gesenkten Hauptes weiter. In einem Wald stand sie still und wartete auf den Bruder: „Wann werden wir uns wiedersehen?“ – „Im Sommer, dann, wenn die Rosen blühen“, erwiderte der Poverello (= „der Arme“ = Ehrenname für Franziskus). Da geschah etwas Wunderbares: Ringsum blühten Rosen auf den reifbedeckten Hecken. Nach dem ersten Staunen eilte Klara, pflückte einen Strauß Rosen und legte ihn Franz in die Hände.
(Arnaldo Fortini (1889-1970) nach einer umbrischen Volkserzählung.)

Mögen auch für Sie immer wieder Rosen blühen und Sie in dieser herausfordernden Zeit so manch positive Überraschung erleben.

P. Franz

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