Thursday 27. February 2020
Pfarre Vorchdorf

Einfache Rituale bringen's

Gedanken zum Fest "Darstellung des Herrn" am 2. Februar.

Wenn man jemanden trifft, den man kennt, dann grüßt man ihn und wird ihn fragen, wie es ihm geht. Wenn mir jemand vertrauter ist, dann habe ich noch andere Formen der Begrüßung oder um meine Freude über das Wiedersehen auszudrücken. Umarmung, Kuss. Wenn ich als Religionslehrer die Klasse betrete, stehen die Schülerinnen und Schüler auf. Wenn wir in die Kirche kommen, nehmen wir Weihwasser. Alles kleine Rituale in unserem Alltag. Rituale, die uns in der Begegnung mit Menschen helfen. Wenn ich mir jedes mal überlegen müsste, was ich denn jetzt tue, wenn ich einen Bekannten treffe, dann wäre das gar nicht so einfach. Rituale sind wichtig, weil sie uns helfen, etwas auszudrücken und weil sie uns auch Halt und Orientierung geben können.
Das Evangelium des heutigen Festes berichtet uns auch davon, dass Maria und Josef ein Ritual vollzogen haben. Sie haben das vorgeschriebene Reinigungsopfer im Tempel darge-bracht. Etwas ganz normales in der damaligen Zeit, vielleicht so wie bei uns heute die Taufe von Kindern.
Und doch geschieht etwas Besonderes. Da begegnen sich Menschen. In der ost-kirchlichen Tradition heißt der heutige Tag „Fest der Begegnung des Herrn“. Da begegnen einander Menschen. Ganz normal. Und dennoch besonders. Diese Begegnung zwischen der Heiligen Familie und den beiden Propheten Hanna und Simeon ist einerseits Begegnung, in der Gott offenbar wird, weil sie erkennen, wer denn dieses kleine Kind ist. Andererseits ist es symbolisch die Begegnung zwischen Altem und Neuem Testament. Und diese beiden Teile unserer Bibel sind ja von der ersten bis zur letzten Seite „Liebesbrief Gottes an uns Menschen!“
Fest der Begegnung …auf der menschlichen Ebene und der göttlichen Ebene. Das feiern wir auch heute. Denn beides gehört immer zusammen. Und da werden uns zwei Menschen vor Augen gestellt. Wenn ich mir Hanna und Simeon vorstelle, diese beiden alten Menschen, die ganz auf Gott ausgerichtet leben, dann sehe ich zwei liebenswürdige Menschen, die durch den Glauben an Gott unendlich liebevoll, gelassen und weise geworden sind. Zwei Menschen, die voll liebender Hoffnung gewartet haben, dass Gottes Liebe noch einmal ganz deutlich und sichtbar in ihr Leben einbricht. Jetzt könnten wir uns denken: nett, aber das ist ja heute ganz anders. Nein, auch uns soll der Glaube zu liebenden, zufriedenen Menschen machen …und auch wir müssen immer neu lernen zu warten, mit dem Unerwarteten zu rechnen. Wir sollen damit rechnen, dass Gott uns begegnet mitten im Alltag. Und auch wir brauchen, um eine derartige Begegnung zu ermöglichen, Rituale. Zeichenhandlungen, die uns im Alltag immer wieder erinnern, an das was wirklich Sache ist. Genauso wie der Kuss der Ehepartnerin, auch wenn es vielleicht wie Gewohnheit wirkt, uns auch immer wieder an die Liebe dieses Menschen erinnert, so sollen uns Rituale daran erinnern, dass wir getauft und geliebt sind.
Drei Zeichenhandlungen, die auch wesentliche Elemente der Taufe sind, möchte ich nennen.
Segnen – bei der Taufe machen wir dem Täufling schweigend ein Kreuzerl auf die Stirn und bringen dadurch zum Ausdruck „ich freue mich über dich, ich möchte dich begleiten, ich stelle dich unter den Schutz Gottes!“ Ohne viele Worte wird hier „Gutes gesagt“ – was ja „segnen“ vom lateinischen hergeleitet bedeutet. Einander segnen, nicht nur Kinder, ohne viele Worte. Eine liebe Bekannte, die ein schweres Schicksal zu tragen hat und durchaus mit Gott gehadert hat, macht mir immer zur Verabschiedung schweigend ein Kreuz auf die Stirn.
Weihwasser – Zeichen des Lebens, der Reinheit. Zeichen, dass Gott die Quelle ist, aus der wir leben. Früher gab es den schönen Brauch des Weihbrunnkessels. Vielleicht kann man die Münzen, die meine Oma immer darin aufbewahrt hat, herausnehmen und den Kessel wieder neu mit Wasser füllen …und einfach beim Verlassen des Haues ein Kreuzzeichen machen und sich erinnern. „Ja, ich bin getauft und geliebt, JA zu Gott sagen!“
Kerze – Christus ist das Licht, das wird uns bei der Taufe bei der Übergabe der Kerze gesagt und das feiern wir auch heute. Zünden wir wieder öfter, aber immer bewusster eine Kerze an. Dadurch kommt Wärme und Licht …und das anzünden einer Kerze kann uns auch immer wieder an Gott erinnern.
Drei einfache Handlungen, die uns aber helfen können, genauso wartende und offene Men-schen zu werden, wie die beiden Jerusalemer Propheten Simeon und Hanna. Drei Rituale, die uns aber vor allem die Begegnung mit unserem großen Gott, der sich in Jesus als Mensch in unseren Alltag hineinstellt, zu ermöglichen. Gebe Gott, dass wir IHN immer neu erfahren.

P. Franz - eine alte Predigt aus dem Jahr 2014 wieder aufgewärmt :-)

 

Evangelium vom Fest „Darstellung des Herrn“ – Lk 2,22-40
Als sich für die Eltern Jesu die Tage der vom Gesetz des Mose vorgeschriebenen Reinigung erfüllt hatten, brachten sie das Kind nach Jerusalem hinauf, um es dem Herrn darzustellen, wie im Gesetz des Herrn geschrieben ist: Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn heilig genannt werden. Auch wollten sie ihr Opfer darbringen, wie es das Gesetz des Herrn vorschreibt: ein Paar Turteltauben oder zwei junge Tauben. Und siehe, in Jerusalem lebte ein Mann namens Símeon. Dieser Mann war gerecht und fromm und wartete auf den Trost Israels und der Heilige Geist ruhte auf ihm. Vom Heiligen Geist war ihm offenbart worden, er werde den Tod nicht schauen, ehe er den Christus des Herrn gesehen habe. Er wurde vom Geist in den Tempel geführt; und als die Eltern das Kind Jesus hereinbrachten, um mit ihm zu tun, was nach dem Gesetz üblich war, nahm Símeon das Kind in seine Arme und pries Gott mit den Worten: Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, das du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel. Sein Vater und seine Mutter staunten über die Worte, die über Jesus gesagt wurden. Und Símeon segnete sie und sagte zu Maria, der Mutter Jesu: Siehe, dieser ist dazu bestimmt, dass in Israel viele zu Fall kommen und aufgerichtet werden, und er wird ein Zeichen sein, dem widersprochen wird, – und deine Seele wird ein Schwert durchdringen. So sollen die Gedanken vieler Herzen offenbar werden. Damals lebte auch Hanna, eine Prophetin, eine Tochter Pénuëls, aus dem Stamm Ascher. Sie war schon hochbetagt. Als junges Mädchen hatte sie geheiratet und sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; nun war sie eine Witwe von vierundachtzig Jahren. Sie hielt sich ständig im Tempel auf und diente Gott Tag und Nacht mit Fasten und Beten. Zu derselben Stunde trat sie hinzu, pries Gott und sprach über das Kind zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems warteten. Als seine Eltern alles getan hatten, was das Gesetz des Herrn vorschreibt, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazaret zurück. Das Kind wuchs heran und wurde stark, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade ruhte auf ihm.

 

 

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