Sunday 8. December 2019
Pfarre Vorchdorf

Goldene Kirchenmusik-Nadel

Am 17. November 2019 wurde die Abendmesse als Cäcilienmesse gefeiert. Dabei wurde Organist Sigismund Sebestyen geehrt.

Am 22. November ist das Fest der Heiligen Cäcilia, der Patronin der Kirchenmusik. Aus diesem Grund hat unser Organist Sigismund Sebestyen die Initiative ergriffen und den Trinitatischor (das ist gewissermaßen der evangelische Kirchenchor) und die Musikkapelle der Siebenbürger Vorchdorf eingeladen, einen festlichen Gottesdienst zu gestalten. Mit einer wunderbaren Mischung aus Chorgesang und Blasmusik haben sie so die Abendmesse bereichert, zu der dieses mal extra an die 200 Mitfeiernde gekommen waren. Dies stellte somit auch den würdigen Rahmen für die Verleihung einer Ehrung an unseren Sigi dar. Seit 1989 wirkt Herr Sebestyen als Organist in Vorchdorf. Daneben engagiert er sich auch noch bei der Musikkapelle und beim Trinitatischor. In seiner legeren Art und mit sienem musikalischen Können ist er eine Bereicherung für ganz Vorchdorf, was in der launigen Laudatio zum Ausdruck kam. P. Franz, Organisten-Chef SR Rudi Hüttner und Bgm. DI Gunter Schimpl überbrachten die Goldene Kirchen-Musik-Ehrennadel, ein Flascherl Rotwein und auch einen Blumenstrauß an Sigis Gattin Margarethe. Sichtlich gerührt nahm der Geehrte die Auszeichnung an mit den Worten: "Ihr Verräter!" :-) Wir danken Sigismund für seinen Einsatz und seiner Frau dafür, dass sie so viel Verständnis aufbringt für den Einsatz ihres Mannes und freuen uns, wenn er uns noch viele Jahre (dann in der Pension) als Kirchenmusiker erhalten bleibt.

Laudatio für den Geehrten - von SR Rudi Hüttner

Sigismund Sebestyen (Zsigmond Sebestyén) ist nun mit seiner Frau Margarete  vom versteckten Platz beim Chor hierher nach vorne gebeten worden, gleichsam vor den Vorhang. Anlass ist eine besondere Ehrung, die in unserer Diözese üblich ist, dass nämlich für 30-jährige Tätigkeit im Dienste der Kirchenmusik, bei Sigismund als Organist vor allem, früher auch als Sänger, vom Bischof Dank und Anerkennung ausgesprochen wird. Dies geschieht durch die Überreichung einer entsprechenden Urkunde und der goldenen Ehrennadel.
Ich wurde nun von Pfarrer P. Franz ersucht, etwas über seine Tätigkeit zu berichten, möchte aber gleich anfangs den Dank auch an Margarete aussprechen, denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass man als Organist auch eine Partnerin braucht, die diese nicht immer familienfreundliche Tätigkeit mitträgt.
Wenn nun diese Abendmesse als Cäcilienmesse vom Musikverein der Siebenbürger Vorchdorfs und dem Trinitatischor gestaltet worden ist, so geht das sicher auf die Initiative von Sigismund zurück, dem die hl. Cäcilia als Patronin der Kirchenmusik viel bedeutet. Daher ist es angebracht, heute diese Ehrung vorzunehmen. Es ist aber auch euch Mitgliedern von Chor und Musikkapelle zu danken, dass ihr wieder dieser Initiative gefolgt seid, obwohl die  in der katholischen Kirche so ausgeprägte Heiligenverehrung in der  evangelischen Kirche nicht diesen Stellenwert hat. Eure so würdige musikalische Messgestaltung geschah also im besten ökumenischen Geist. Nun zu unserem Geehrten, der zusammen mit seiner Frau Margarete ein Beispiel für gelungene Integration darstellt. Erlaubt daher, dass ich weiter aushole, auch wenn ich die Messe zusätzlich in die Länge ziehe:
1956 im rumänischen Deva am Fluss Maresch geboren, wuchs er in einer katholischen, ungarischsprachigen Familie auf, besonders vom Vater her im positiven Sinn musikalisch vorbelastet. Der große väterliche Marienverehrer  war dort über vierzig Jahre Organist. Im kathol. Gymnasium machte er schon Orgel- und Chorleiterausbildung  und erreichte dafür mit der Matura 1975 auch den Diplom-Abschluss. Nach zwei Jahren Theologiestudium folgten bis 1981 kirchliche Tätigkeiten als Organist, Religionslehrer und Chorleiter von drei Chören: für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, wo er auch die Lehrerin Margarete kennenlernte. Nach der Heirat 1981 drohte für Margarete die Entlassung oder Versetzung, falls er sich weiter als Religionslehrer und aktiv kirchlich betätigte. Dies führte 1983 zur Flucht aus religiösen Gründen, zuerst nach Altmünster, 1985 kam das Paar nach Vorchdorf.  Hier war Sigismund in der Fa. Miba neun Jahre, Margarete sieben Jahre  beschäftigt. Von Beginn an waren sie bestrebt, unsere vom Ungarischen so ganz unterschiedliche  Sprache zu erlernen, wohl etwas erleichtert infolge ihrer Ausbildung und der Kenntnis der Struktur einer indoeuropäischen Sprache durch das Rumänische.
Als Mitglieder einer Familienrunde kamen sie mit dem damaligen Kaplan P. Franz Wimmer in Kontakt, der Sigismund 1989 ersuchte, bei der neu eingeführten Osternachtfeier in Einsiedling die Orgel zu spielen. Kurz darauf soll OSR Anton Stockhammer auch schon auf Sigismund mit den scharfen Worten zugekommen sein: „Du spüst bei uns!“ So kamen auch wir beide In Verbindung. 1990 folgten beide gerne der Einladung von OSR Stockhammer, dem Kirchenchor beizutreten, in dem Sigismund bis 2007 als Bass und Margarete bis 2016 als Sopran mitwirkten.
Wir drei Organisten teilten uns die Sonntags- und Wochendienste ein, wobei wir uns nach dem Schichtdienst von Sigismund richten mussten. Z.B. spielte er sonntags, wenn er Nachtschicht hatte, anschließend die Frühmesse um 7 Uhr. 1993 änderten wir nach Beginn seiner Ausbildung in der psychiatrischen Abteilung des damaligen Wagner-Jauregg-Krankenhauses die Einteilung, er übernahm  lange Zeit den Dienst an Samstagen.
Auch in der evangelischen Kirchengemeinde wurde man auf ihn aufmerksam, etwa ab 1995 spielte er als Aushilfe, bald aber regulär, seit 2005 auch in Kirchham, gelegentlich auch in Eberstalzell. Sein Orgeldienst stellt sich jetzt so dar: sonntags am Vormittag dreimal im Monat in Kirchham, einmal in der evangelischen Kirche, hier in der Pfarrkirche regelmäßig die Abendmesse und, wenn es der Dienst erlaubt, bei Bedarf an Wochentagen.
Freundlicherweise habe ich von den Obmännern des Chors und Musikvereins auch einige Informationen erhalten. Seit der Gründung am 31. Jänner 2001 leitet er den Chor, der mit 32 Mitgliedern startete und 2006 vom „Evangelischen Kirchenchor“ auf „Trinitatis-Chor“ umbenannt wurde. Seine musikalischen Fähigkeiten verfeinerte er noch bis 2008 - 2010 mit der Ausbildung zum Chorleiter. Unter seiner Führung gab es einige Höhepunkte, wie Auftritte bei einer Veranstaltung im Rahmen „Linz als Kulturhauptstadt 2009“,  bei der „50-Jahr-Feier“ der evangel. Heilandskirche, bei zwei „Chor-Weihnachten“ hier in der Pfarrkirche. Besprechungen mit ihm sind angeblich immer spannend und danach mit Arbeit verbunden. Zu seinen Leitsprüchen soll gehören: „Ich habe nie gesagt, dass es mit mir einfach ist, aber mit mir wird es sicher nicht fad.“
Dem Musikverein – ihm gehört er als Saxophonist seit 6. Jänner 1999 an – stellt er auch seine Arbeitskraft bei Bedarf immer zur Verfügung. Er denkt mit, kommt immer wieder mal mit neuen Ideen bzw. Verbesserungsvorschlägen und beteiligt sich aktiv an deren Umsetzung. Aus dem E-Mail des Obmanns darf ich zitieren: „Sigi teilt gerne freche Sprüche aus, steckt sie aber nicht so gerne ein, wenn sie gegen ihn gerichtet sind. Daher ist sein legendärer Ausspruch =Halt die Pappn, du Pippn= (IMMER mit einem Lächeln auf den Lippen) bereits ein oftmals kopierter und bestens   integrierter Ausspruch, der uns immer wieder erheitert.“ Ich kann mir vorstellen, dass solche Aussprüche mit seinem ungarischen Akzent  recht erheiternd wirken. Der Obmann gratuliert  dir zur Auszeichnung herzlich und hofft, dass du weiter zur Verfügung stehst, orglerisch, musikalisch, gesellschaftlich.
So gratuliere auch ich für diese Auszeichnung  und für unsere immer gute Zusammenarbeit, drücke das mit den einzigen Worten, die ich auf Ungarisch kann, aus: köszönöm szépen, Siga. Vielen, vielen Dank.

 

Pfarre Vorchdorf
4655 Vorchdorf
Schloßplatz 2
Telefon: 07614/6313-10
Telefax: 07614/6313-30
Katholische Kirche in Oberösterreich
Diözese Linz

Kommunikationsbüro
Herrenstraße 19
Postfach 251
4021 Linz
https://www.dioezese-linz.at/
Darstellung: