Freitag 20. Juli 2018

Humor in der Kirche?

Humor in der Kirche?

In der Sommer-Ausgabe unseres Pfarrbriefes "Ruf" hat sich Pfarrgemeinderats-Obmann Max Födinger mit dem Thema Humor in der Kirche beschäftigt.

Drei Mönche sitzen in einem Boot und fischen. Nach einer Weile gehen einem Mönch die Würmer aus. Er legt seine Angel zur Seite, schaut kurz zum Himmel und dann aufs Wasser. Er zieht seine Kutte etwas hoch, steigt aus dem Boot, geht über das Wasser zum Ufer, wo er sich einige Würmer holt, um dann zurück über das Wasser zum Boot zu gehen und weiter zu fischen.
Nach einer Weile gehen dem nächsten Mönch die Würmer aus. Auch er legt seine Angel zur Seite, schaut kurz zum Himmel, dann aufs Wasser, zieht seine Kutte etwas hoch, steigt aus dem Boot, geht übers Wasser zum Ufer, holt einige Würmer, geht über das Wasser zum Boot zurück und fischt weiter.
Nach einer Weile gehen auch dem dritten Mönch die Würmer aus. Er legt seine Angel zur Seite schaut kurz zum Himmel, dann aufs Wasser, zieht seine Kutte etwas hoch, steigt aus dem Boot und versinkt wie ein Stein.
Meint der erste Mönch zum anderen Mönch: „Gottvertrauen hat er ja…“
„Ja, das hat er“ meint der andere Mönch, „aber er weiß leider nicht, wo die Pfähle stehen.“
 
Einer der Pfähle, mittels derer man scheinbar übers Wasser geht, ist sicherlich der Humor ...und den hat Pater Pausch, Prior des Europaklosters Gut Aich.
Von seinem Vortrag im Rahmen einer kbw-Veranstaltung, habe ich mir einige beachtenswerte Gedanken mitgeschrieben:
 
Das Wichtigste, wenn wir humorvoll sein wollen ist, dass wir wach sind. Der Kasperl schreit einfach: seid ihr alle da? Dieses DA sein ist wichtig und das ist keine Hirnleistung sondern eine Erfahrung. Liebevoll miteinander umgehen und sich zu spüren und den anderen spüren zu lassen, dass ich ihn wahrnehme. Sich selbst sollte man eigentlich mehr spüren – Selbstempfindung sogar für die Zehen haben. Eine Übung wäre z.B.: die Zehen ruhig halten und dann versuchen, die dritte Zehe am linken Fuß spüren – das ist Selbstempfindung – dann geht es auch einfacher
humorvoll zu sein.
Weshalb Humor in der Kirche wichtig ist, hat Pater Pausch aus seiner Biografie abgeleitet. Als er seiner Familie den Entschluss Priester zu werden mitteilte, wurde ihm sehr abgeraten und der Vater hat gemeint: „Bauen wir um das Geld doch lieber eine Kegelbahn und außerdem wüsste ich eine fesche und vor allem reiche Braut für dich. Den letzter Trumpf hatte dann sein Großvater ausgespielt: „Schau einmal, wie lustig die Leute aus unserem Wirtshaus herauskommen und mit welcher Miene aus der Kirche und dann entscheide dich, bei welcher Firma du arbeiten willst!“
 
„Da habe ich gewusst, wenn ich es nicht schaffe, dass die Leute fröhlich aus der Kirche kommen, dann habe ich meine Aufgabe nicht richtig erfüllt.“ Humor soll eine Grundbefindlichkeit, eine Grundhaltung sein, das Leben zu achten! Vielleicht ist es göttlicher Humor, dass man etwas geben muss, um die Chance zum Leben zu bekommen. Man muss sein Lächeln, sein Lachen geben. Pater Pausch deutet das „halleluja“ als Verballhornung des Lachens – man kann nicht immer fromm sein.
Die kleine Julia geht mit ihrer Oma so gerne in die Kirche, weil der Pfarrer so freundlich ist. Er singt immer „hallo Julia“ und sie singt natürlich dann „hallo Herr Pfarrer“.
 
Humor hat etwas mit Demut zu tun. Vielleicht ist sie seine Schwester oder seine Großmutter. Demut heißt im Lateinischen „humilitas“, hat also dieselbe Wurzel wie Humor und ebenso „homo – Mensch sein“ und „humus – Erde“. Demut hat nichts mit buckeln zu tun, sondern ist die Fähigkeit zur Wandlung. Sich verwandeln lassen und demütig zu erkennen: so wie ich bin, bin ich nicht endgültig. Unser Körper verwandelt sich ständig (alle 7 Jahre total) und gerade beim Hirn sollten wir auf die Wandlungsfähigkeit achten. D.h., mit Vorurteilen, fixen Vorstellungen, der Selbstüberhöhung und der Selbstgefälligkeit, aufhören. Aber auch übertriebene Bescheidenheit kann falsch sein, denn dann fehlt eventuell die Leichtigkeit und das könnte eine Falle sein, in die wir nicht hineintappen sollten. Mit ein bisschen Leichtigkeit und Humor kann man schwierige Situationen auflösen. Leichtigkeit verhilft uns, das Verhalten der Anderen (vielleicht auch deren Schrulligkeit), als Weisheit zu sehen, die nicht die meine ist. Leichtigkeit führt zur Gelassenheit und die sollte man üben, dass man sie hat, wenn man sie braucht.
Eine Geschichte wirklicher Gelassenheit und Leichtigkeit erzählt er vom Bruder Heinrich. Der Abtprimas besucht das Kloster. Bevor das Essen beginnt, wird aus der Hl. Schrift gelesen. In diesem Augenblick schlüpft unter dem Vorlesepult eine Maus heraus, läuft in die Mitte des Refektoriums und marschiert zielstrebig auf den ehrwürdigen Gast zu, ist aber dann doch vor dem „Deo gratias“ verschwunden. Alle haben sich geschämt und den zuständigen Bruder Heinrich angefeindet. Der hat gefragt: „War es eine recht dürre Maus?“ Die Mitbrüder: „Was fragst Du so blöd?“ Bruder Heinrich: „Schenieren müssten wir uns nur, wenn es eine dürre gewesen wäre!“
 
Der Bruder Heinrich wurde auch einmal gefragt, wie er zu seiner Gelassenheit und Weisheit gekommen ist und er hat darauf geantwortet: „Ich habe in meinem Leben nur 3 Bücher gelesen, die Heilige Schrift, die Heilige Regel der Benediktiner und ein Andachtsbuch …aber leider nichts verstanden. So habe ich nach etwas Einfacherem gesucht und komme mit 2 Fragen gut zurecht:
1) Wo stehe ich jetzt vor meinem Herrgott
2) Welchen Schritt muss ich jetzt als nächsten machen, um ihm näher zu kommen.
 
Pater Pausch meinte abschließend, die beste Übung sei die Verneigung. Die ist nicht nur gut für meinen Körper, sondern auch für meine Haltung zum Leben. Das hat etwas mit Zuneigung zu tun, mit Liebe, mit meinem Herzen. Wenn ich nur mich sehe, kann ich mich auch nicht verneigen.
 
Pater Pausch hält nicht nur inspirierende Vorträge, er schreibt auch solche Bücher und mit diesen könnte man wahrscheinlich den Sommer anregend verbringen, z.B. „Auch schwarze Schafe können beten“ oder „Ich bin dann mal alt!“ oder „Sternstunden und Wüstentage“ oder…
 
Vielleicht ist es ein erstrebenswertes Ziel, immer mehr und immer öfter, über die kleinen Mäuse in unserem Leben lachen zu können.
 
Max Födinger
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Katholische Kirche in Oberösterreich
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