Tuesday 22. September 2020

90 Jahre Volksbücherei Traun und 100 Jahre Pfarrbücherei

Rudolf Walter hat die 100-jähre Geschichte der Pfarrbücherei in den Chroniken recherchiert.

Im Jahre 1920 wurde unter dem neuen Pfarrer Karl Hintermaier die Bibliothek des Katholischen Arbeitervereins (platziert im Gasthaus Schmidt) mit der kleinen Pfarrbibliothek vereinigt und modernisiert. Sie kam in den ersten Stock des Pfarrhofes und war zur öffentlichen Benützung gedacht.

 

1927 erfolgte die Übertragung der bestehenden Bibliothek ins neue Katholische Vereinshaus und die Umgestaltung nach modernsten Vorschriften des Borromäusvereins. Pfarrer Hintermaier war das noch nicht neutral genug – die Bezeichnung „Katholisch“ könne manche abschrecken. Darum dachte man an den Bau eines eigenen Gebäudes. 1929 war es dann soweit. Durch eine Verlegung der Pfarrhofmauer und guten Verhandlungen mit Gemeinde und Land gelang es, ein ebenerdiges Gebäude im Pfarrhofgarten zu bauen. Die meisten Arbeiten wurden gratis geleistet, der Plan stammte vom Trau- ner Architekten Tischler. Die Kosten beliefen sich auf 3800 Schilling, die Innenausstattung (ohne Bücher) kos- tete 1200 Schilling. Als Name wählte man „Volksbücherei.“ Die Leserzahl stieg bald auf 280, der Buchbestand auf 1 600. Eigentümer war die Pfarrpfründe, Eigentümer der Bücher die katholische Kirche.

 

Während des Ständestaates wurde 1935 auf Antrag des Landesbildungsreferenten die „rote“ Bücherei von Traun der Volksbücherei zur Sichtung übergeben. 1936 wurden einige wenige Bücher eingeliedert.

Nach dem Anschluss an Deutschland verfügte ein Kommissar aus Linz die Ablieferung der Bücher. Die Gestapo beschlagnahmte am 15. Mai 1939 gegen den Protest des Pfarrers (viele Bücher seien von ihm persönlich angekauft worden) den Büchereibestand, die Überführung ins Gemeindegebäude fand in seiner Abwesenheit statt. 1941 wurde auf Verlangen der Gemeinde das Büchereigebäude zur Unterbringung der Gemeindebücherei verpachtet (zwölf Reichsmark monatlich).

 

Die Amerikaner gaben 1945 das Büchereigebäude an die Pfarre zurück, nut ten es aber bis Oktober 1945 als Kanzlei. Mitte Oktober konnte die „Volksbücherei“ wiedereröffnet werden. Leiter war Franz Fellinger.

1946 kam Frau Grete Jäger (verheiratete Sturm) als Angestellte ins Pfarramt und engagierte sich sehr in der Bücherei.

1952 weist die Chronik 350 Leser und 1600 Bücher auf, 1957 bereits 2932 Bücher.

Es ging dann immer bergauf, die Leserzahl stieg und die Bücheranzahl wuchs ständig. Das Hauptinteresse damals lag bei Krimis, Heimatromanen, Karl May und Belletristik.

1963 erfolgte die räumliche Erweiterung der Bücherei auf das Doppelte. Frau Ottilie Walter war jetzt die Büchereileiterin und hatte ein sehr engagiertes Team zur Seite. Sie führte die Bücherei bis 1992.

1989 konnte das 60-Jahr-Jubiläum mit einer Dichterlesung groß gefeiert werden.

 

1992 kam es zu einer Partnerschaft zwischen Pfarre und Gemeinde. Die „Volksbücherei“ fusionierte mit angekauften Beständen des Linzer Büchereibusses, ein Verein „Bücherei“ wurde gegründet, paritätisch besetzt von Gemeinde und Pfarre. Die Bücherei Traun, später Bibliothek Traun, war zuerst am Kirchenplatz 2 und kam später, weit vergrößert, in das ehemalige Burgstaller-Gebäude in der Bahnhofstraße.

Erste Obfrau des Vereins wurde Heidi Klee-Eiselsberg (von der Pfarre vorgeschlagen). Heute ist die Bibliothek Traun ein Anziehungspunkt für viele, ihr Angebot ist modern und umfangreich (Bücher, digitale Medien ...).

 

Eine lange Geschichte mit Höhen und Tiefen, getragen vom Engagement freiwilliger Mitarbeiter, immer mit dem Blick auf die Menschen und ihre Bedürfnisse und Fragen.

 

Rudolf Walter

Stadtpfarre Traun
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Katholische Kirche in Oberösterreich
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