Monday 9. December 2019

Nach dem Beispiel der Hirten: Solidarität und Nächstenliebe in Pfarre und Stadt

Der gelebten Nächstenliebe in unserer Stadt hat Helmut Obermayr nachgespürt.

In wenigen Wochen werden wieder die Krippen aufgebaut. Zur Vielfalt der Figuren gehören neben der Heiligen Familie die Hirten und die Heiligen Drei Könige. Sie bringen ihre Geschenke zur Familie im Stall.

Von den Hirten ist das im Lukas-Evangelium gar nicht überliefert. Aber für die gläubigen Menschen, die seit Jahrhunderten diese Krippen bauen, ist es selbstverständlich, dass die selbst armen Hirten der Not leidenden Familie mit ihrem Kind helfen.

Weihnachten ist nicht nur das Fest, in dem sich die Liebe Gottes in der Geburt Jesu zeigt, in der Überlieferung unserer Krippen ist es auch ein Anlass für praktische Nächstenliebe und Solidarität. Die Hirten und die Weisen haben ihre Gaben dem Jesuskind in der Krippe gebracht.

Heute gilt die Solidarität den Armen in unserer Gesellschaft und Menschen in Not. Sie gleichen dem armen Kind im Stall von Betlehem. Gerade in einer Zeit, in der so oft über immer mehr Egoismus geklagt wird, ist es erfreulich, dass wir auch in unserer Stadt und in unserer Pfarre über viele Beispiele berichten können, wie sich Menschen für andere einsetzen.

 

Weihnachtsaktionen

 

Zu den wichtigen Aktionen rund um Weihnachten gehören die Sternsinger der Katholischen Jungschar. Kinder opfern Ferientage, um für Projekte in den armen Ländern der Welt Geld zu sammeln. Sie gehen von Haus zu Haus, von Wohnung zu Wohnung. Fallweise erleben sie auch Ablehnung und Enttäuschung, aber meistens wird ihr Einsatz durch Spenden belohnt. Natürlich arbeiten an dieser Aktion auch viele Erwachsene mit, in der Vorbereitung, als Begleiter, als Gastgeber zu Mittag oder selbst als Sternsinger. An die 70 Kinder und Erwachsene beteiligen sich in unserer Pfarre.

Schon den ganzen Advent über engagieren sich im Rahmen der Pfarre viele Traunerinnen und Trauner für Not leidende Mitmenschen in unserer Stadt: Vor dem Sudhaus am Madlschenter Weg treffen sich Abend für Abend Besucher bei den Standeln, an denen die Sozialarbeit der Pfarre unterstützt wird. Der Charity-Glühweinstand des Stadtmarketing Traun lädt mit seinen Firmen, mit Vereinen und Institutionen ab 29. November jeweils von Montag bis Samstag zum gemütlichen Beisammensein ein. Seit rund 15 Jahren wird diese Aktion durchgeführt, rund 127.000,- Euro wurden seither der Pfarre für ihre Sozialarbeit zur Verfügung gestellt.

Näheres und vor allem eine Übersicht, was die Gäste erwarte, finden Sie im Internet unter www.stadtmarketing-traun.at.

 

Am selben Ort laden die „Raubritter Traun“ unter ihrem Vereinsnamen „Hilfe für Trauner Familien“ zum Glühwein ein. Sie starten ebenfalls am 29. November, am ersten Adventwochenende zusätzlich beim Weihnachtsmarkt im Schloss. Jeweils von Donnerstag bis Samstag bewirten 14 „Burgfräulein und Raubritter“ die Besucher. Rund 1 500 Stunden sind sie einschließlich der Vorbereitung im Einsatz. In Zusammenarbeit mit den Pfarren, der Sozialabteilung der Stadt und dem Sozialmarkt helfen sie seit fast 40 Jahren Familien in Notlagen durch die Bezahlung von Rechnungen oder die Anschaffung und Reparatur von Haushaltsgeräten. Die Mitwirkenden haben als Mitglieder einer Jugendgruppe der Pfarre mit dieser Aktion begonnen.

Sie werden ebenso wie der Charity-Stand von der Familie Koll und vom Sudhaus-Wirt Robert Mader unterstützt. Näheres auch darüber im Internet unter www.raubrittergluehwein.at.

 

Sozialarbeit der Pfarre

 

Der Sozialkreis der Pfarre, der von den beiden genannten Aktionen unterstützt wird, hat heuer mit rund 40000 Euro vor allem Familien geholfen. Pfarrsekretär Hans Rumetshofer ist mit vielen Schicksalen konfrontiert, die uns in unserer Wohlstandsgesellschaft gar nicht bewusst sind. Auch dabei bewährt sich die enge Zusammenarbeit mit dem Sozialservice der Stadt. Einige Gruppen der Pfarre sind das ganze Jahr über aktiv und stellen vor allem ihre Zeit zur Verfügung. Im Pfarrcafé bewirten Sonntag für Sonntag nach den Gottesdiensten abwechselnd circa 50 MitarbeiterInnen die Gäste mit Kuchen und Brötchen. Der Erlös kommt Projekten in der Dritten Welt zugute.

Im Krankenhausbesuchsdienst der Pfarre engagieren sich acht Personen, die Patienten aus unserer Stadt mit einem Besuch überraschen.

Eine Gruppe von 18 Frauen und Männern besucht alle Seniorinnen und Senioren der Pfarre zum Geburtstag und bringt Grüße, Wünsche und ein kleines Geschenk. Weit über 600 solcher Besuche stehen auf der Liste.

 

Rotes Kreuz und Feuerwehr

 

Auch im Besuchsdienst, und zwar für die Zentren für Betreuung und Pflege, sind 98 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Roten Kreuzes aktiv. Das Rote Kreuz Traun ist nicht nur für unsere Stadt, sondern auch für Ansfelden, Hörsching, Oftering, Pasching und Pucking zuständig.

Die Zahlen sind eindrucksvoll: Aktuell zählt das Rote Kreuz Traun in diesen sechs Gemeinden 447 ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, nur elf sind Angestellte, die von zehn Zivildienern unterstützt werden.

Im Rettungsdienst haben die freiwilligen Mitarbeiter im Vorjahr über 60000 Stunden gearbeitet, dazu kommt der nächtliche Hausärztliche Notdienst rund ums Jahr mit 39 Ehrenamtlichen. Das Jugendrotkreuz, Erste-Hilfe-Kurse, Blutspendedienst und Hilfe in Krisen und Katastrophen, Rufhilfe und Verwaltung könnten ohne die Freiwilligen nicht bewältigt werden.

Ihre wertvolle Zeit stellen auch die 146 Männer und Frauen der Freiwilligen Feuerwehr Traun zur Verfügung. 27 Jugendliche bereiten sich auf ihre Aufgaben vor, 97 Aktive riskieren bei ihren Einsätzen oft die Gesundheit oder gar ihr Leben. Schon 314 mal wurden sie bis Mitte Oktober mit dem Pager oder der Sirene alarmiert. Im Vorjahr haben sie bei 386 Einsätzen 19 Menschen das Leben gerettet. Rund ein Viertel entfällt auf Brände, wie es auf der Homepage der Feuerwehr Traun nachzulesen ist. Noch zwei eindrucksvolle Zahlen stechen hervor: 27.575 Stunden haben die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Traun im Vorjahr geleistet, über 8.600 wurden für Schulung und Ausbildung aufgewendet.

 

Die Gabenbringer unserer Zeit

 

Gabenbringer heißen die Hirten in den Krippen, weil sie Geschenke wie Essen oder Stoff für Windeln bringen. Sie zeigen ihre Nächstenliebe und Solidarität der Familie im Stall von Betlehem.

Die vielen hundert Menschen aus unserer Stadt, die in den geschilderten Beispielen Gutes tun und ihr Geld, aber vor allem ihre Zeit opfern, tun das für ihre Mitmenschen. Sie beschenken so wie die Hirten andere Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, sei es angesichts eines Unfalls oder einer Krankheit, sei es in der Einsamkeit oder sei es in großer materieller Not.

An das Kind in der Krippe werden sie dabei kaum denken. Aus diesem kleinen Kind ist ein erwachsener Mann geworden, der seinen Mitmenschen immer wieder die Nächstenliebe gepredigt hat. „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“, hat Jesus kurz vor seinem Tod gesagt. Wer den Mitmenschen hilft, bringt nach dem Beispiel der Hirten von Betlehem seine Gaben zur Krippe. Die Aufzählung über soziales Engagement ist bei weitem nicht vollständig. Es sind einige Beispiele. Es wäre allein bei uns in Traun eine riesige Krippe mit hunderten von „Hirten“, wenn wir sie alle zeigen würden.

 

Helmut Obermayr

Stadtpfarre Traun
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