Monday 14. October 2019

Veränderung – Herausforderung und Chance

Veränderung – Herausforderung und Chance

In einem Artikel für das Pfarrblatt "Ruf" hat Helmut Obermayr über Herausforderung und Chance von Veränderungen geschrieben.

Momentan erleben wir unruhige Zeiten: In der Politik ist vieles in Bewegung, das System der Weltwirtschaft ist alles andere als stabil, Umweltprobleme fordern eine Änderung unseres Lebensstils. Unruhige Zeiten beunruhigen viele Menschen. Man kann sich davor fürchten, man kann sie aber auch als Herausforderung sehen, die neue Chancen bringt.
„Es gibt nichts Dauerhaftes außer der Veränderung“, hat der große griechische Philosoph Heraklit betont. „Alles fließt“ ist seine Erkenntnis.
 
Auch hier bei uns in der Pfarre steht uns eine gravierende Änderung ins Haus, wenn unser Pfarrer Franz Wild seine jahrzehntelange Arbeit für uns beendet, um sich einer neuen Aufgabe zu widmen, die ihm hoffentlich ein bisschen mehr Freizeit lassen wird. Die drei Trauner Pfarren rücken ab Herbst noch näher zusammen. Franz Asen wird Pfarrer in Oedt, St. Martin und bei uns in der Stadtpfarre.
„Wie wird das alles jetzt weiter gehen“, diese Frage habe ich in den letzten Monaten und Wochen oft gehört. Auch viele Menschen, die mit unserer Pfarre gar nicht
besonders verbunden sind, stellen sie. Man hört daraus Unruhe und manchmal auch Zweifel, ob es uns gelingen wird, das gut funktionierende Pfarrleben zu erhalten.
 
Diese Beunruhigung ist ein Beweis dafür, dass die Arbeit, die Franz Wild seit 33 Jahren in der Stadtpfarre und seit 10 Jahren auch in Oedt leistet, höchst anerkannt und sehr geschätzt wird. Diese Leistungen, seine Persönlichkeit, sein Einsatz werden in der nächsten Ausgabe des „Ruf“ ausführlich gewürdigt werden.
 

Herausforderung

 

Dass die neue Organisation eine große Herausforderung wird, ist allen bewusst, die im Seelsorgeteam, im Pfarrgemeinderat und in den einzelnen Gruppen aktiv sind und Verantwortung tragen. Es sind alle notwendigen Maßnahmen und Planungen im Laufen. Auch darüber wird in der Herbstausgabe des „Ruf“ informiert werden. Manches wird vielleicht am Anfang nicht ganz perfekt funktionieren. Wir werden Geduld und Verständnis für einander brauchen. Das Gebot der Nächstenliebe, der Auftrag zur Einheit, zur Liebe unter uns, die uns Jesus hinterlassen hat, sollten unsere Richtschnur sein, wenn wir diese Herausforderung annehmen.
 

Chancen der Veränderung

 

Jede Änderung bringt aber auch Chancen. Ich möchte sie in drei Punkten zusammenfassen:
 
Wenn die drei Trauner Pfarren so eng zusammenrücken, werden wir erstens voneinander lernen können. Jede unserer Pfarren hat Stärken, die Beispiel für die anderen sein können. Schon jetzt wurden und werden Feste und Gottesdienste zu besonderen Anlässen in der Stadtpfarre und in Oedt gemeinsam gefeiert, die Firmung oder einige Maiandachten auch gemeinsam mit St. Martin.
 
Durch gemeinsames Handeln werden wir zweitens im Leben der Stadt noch mehr als bisher wahrgenommen werde, ob wir zu Fragen etwa der Integration Stellung beziehen oder zum Beispiel Kontakte zu anderen Religionen pflegen. Auch dafür gibt es jetzt schon Ansätze. Denken wir nur an die Präsenz vor der Karwoche oder im Advent auf dem Bauernmarkt, bei denen auf den christlichen Sinn der Feste hingewiesen wird. Unsere sozialen Aktivitäten werden noch deutlicher wahrgenommen werden.
 
Schließlich ist drittens jede Änderung auch eine Chance, die bisherige Routine einmal zu überdenken. Vieles funktioniert in allen drei Pfarren wirklich gut. Trotzdem ist es sinnvoll, einmal darüber nachzudenken, ob nicht nach vielen Jahren manches auch an neue Umstände angepasst werden könnte. In meiner sehr langen beruflichen Erfahrung habe ich gelernt, dass es notwendig ist, auch Bewährtes einmal in Frage zu stellen. Dabei kann sich bestätigten, dass das gewohnte Vorgehen ohnehin optimal ist, dabei können sich auch Veränderungen als notwendig erweisen. Wichtig ist es, darüber einmal nachzudenken. Eine so gravierende Änderung, wie wir sie jetzt erleben, ist ein guter Anlass dafür.
 

Gottvertrauen

 

In der Bibel finden sich radikale Beispiele für die Chancen und die Bewältigung von Veränderungen: Abraham brach aus der Heimat auf und wurde zum Stammvater des Judentums und damit auch unseres Glaubens. Moses brach mit seinem Volk aus der ägyptischen Knechtschaft auf. Paulus wagte den Schritt von den Synagogen zur Mission der damaligen Heiden. Die Ordensgründerinnen und Ordensgründer schufen die Grundlagen für einen ganz neuen Lebensstil. Das sind nur einige Beispiele für die Herausforderung und die Möglichkeiten einer Veränderung. Grundlage war immer das Vertrauen, dass Gott die Seinen nicht im Stich lässt, dass er mit ihnen und bei ihnen ist.
 
Die Veränderungen, uns bevorstehen, sind bei weitem nicht so schwerwiegend wie die genannten Beispiele. Wenn wir sie vertrauensvoll angehen und uns auf Gottes Hilfe verlassen, werden die Herausforderung auch neue Chancen bringen.
 
Ein Satz eines antiken griechischen Philosophen habe ich an den Anfang dieses Artikels gestellt. Ein Zitat des römischen Philosophen und Kaisers Marc Aurel soll den Schlusspunkt setzen: „Das Universum ist Veränderung; unser Leben ist, was wir
daraus machen“.
 
Helmut Obermayr
Stadtpfarre Traun
4050 Traun
Kirchenplatz 1
Telefon: 07229/72332
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Katholische Kirche in Oberösterreich
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