Donnerstag 13. Dezember 2018

Christliche Feste, Religion und Brauchtum

Der Jahreslauf in unserem Land ist von christlichen Festen geprägt. Dr. Helmut Obermayr hat eine Übersicht über all diese Festtage zusammengestellt.

Der Jahreslauf in unserem Land ist von christlichen Festen geprägt. Ostern und Weihnachten, Pfingsten, die Feiertage im Mai und Juni, Allerheiligen sind Fixpunkte, die im Arbeitsleben, in der Einteilung des Schuljahres, in der Urlaubsplanung und im familiären Ablauf bestimmend sind, egal ob den Menschen der religiöse Gehalt noch etwas bedeutet oder nicht.

Sehr viele begehen diese Feste und Feiertage aber auch sehr bewusst in ihrem religiösen Sinn und besuchen den an diesen Tagen meist recht feierlich gestalteten Gottesdienst. Eltern und Großeltern erzählen den Kindern von den Ereignissen im Leben Jesu, die die Grundlage für die meisten Feiertage sind. In Religionsunterricht wird das Wissen um den religiösen Gehalt der Feste altersgerecht vermittelt.

 

Um die christlichen Feste und Feiertage hat sich ein reichhaltiges Brauchtum entwickelt. Es reicht teilweise weit in die Zeit zurück, als unser Land noch von der Landwirtschaft geprägt war. Zum Teil haben sich neue Bräuche entwickelt, die auch bei Kindern und Jugendlichen großen Anklang finden.

Oft erkennt man in diesen Bräuchen einen religiösen Bezug, manchmal besteht kein oder nur wenig Zusammenhang mit dem christlichen Inhalt eines Festes. Manche Bräuche sind nämlich uralt und haben ihre Wurzeln in der heidnischen Zeit. Vor allem im dunklen und kalten Winter – es gab ja früher keine elektrische Beleuchtung – hatten die Menschen oft Angst vor Geistern, die sie dann vertreiben oder gut stimmen wollten. Der Angst vor solchen heidnischen Geistern haben die Kirchen den Glauben an den guten und liebevollen Gott entgegengesetzt.

 

Das religiöse Brauchtum in Oberösterreich und generell in Österreich ist von der Römisch-Katholischen und der evangelischen Kirche geprägt. Auch muslimische Familien haben einige Bräuche, etwa das Beschenken zu Weihnachten, übernommen. Besonders das Beschenken zu Weihnachten und zu Ostern ist auch in nicht religiösen Familien üblich.

 

 

Neujahr: 1. Jänner

 

Neujahr ist ein weltliches Kalenderfest zum Jahresbeginn. Der religiöse Gehalt der Beschneidung und Namensgebung Jesu bzw. in der katholischen Kirche als Weltfriedenstag und Marienfeiertag schlägt sich im Brauchtum nicht nieder. 

 

In der Nacht vom 31. Dezember auf den 1. Jänner, der Silvester- oder Neujahrsnacht, wollen Menschen einen Blick in die Zukunft werfen. Das Bleigießen zum Beispiel ist ein weit verbreiteter Brauch. Die dabei entstehende Figuren sollen Ereignisse im Neuen Jahr vorhersagen.

Das Neue Jahr wird mit Raketen und Knallkörpern begrüßt. Der Lärm sollte früher die bösen Geister vertreiben und die Natur wieder wecken. Das Abschießen von Raketen und Knallkörpern gilt aber überall auch als Zeichen der Freude.

 

 

Dreikönig oder Epiphanie: 6. Jänner

 

Nach dem Evangelium haben weise Sterndeuter aus dem Morgenland das Jesuskind gesucht und beschenkt, weil es ihnen ein Engel als neugeborenen König verkündet hatte. Ein Stern hatte sie nach Betlehem geführt. In der Bibel werden keine Könige sondern Sterndeuter genannt, im Lauf der Zeit sind daraus die „Heiligen Drei Könige“ Caspar, Melchior und Balthasar geworden.

In Erinnerung daran ziehen Kinder und manchmal auch Erwachsene als Könige verkleidet von Haus zu Haus und sammeln Gaben. Die Katholische Jungschar hat daraus das Sternsingen gemacht. Die Kinder sammeln nicht für sich sondern bitten um Geldspenden für Anliegen der Entwicklungszusammenarbeit in armen Ländern der Welt. Sie schreiben die Buchstaben C– M – B und die aktuelle Jahreszahl an die Tür. Die Buchstaben sind nicht die Anfangsbuchstaben der Heiligen Drei Könige.

C- M–B ist ein Segensspruch und bedeutet „Christus mansionem benedicat“ das heißt „Christus segne das Haus.“

In der Nacht auf den 6. Jänner finden in manchen Gegenden, vor allem im Salzkammergut Lichtumzüge der Glöckler statt. Das hänge wieder mit der Vertreibung von Geistern zusammen, die die Menschen gefürchtet hatten, erklären manche Volkskundler den Hintergrund der Glöcklerläufe. Denn diese Nacht ist eine sogenannte Raunacht. Manche Hausfrauen lassen in dieser Nacht auch keine Wäsche auf der Leine hängen, denn das könnte Unglück bringen, hatte man früher gemeint.

Auch wenn die Menschen nicht mehr an solche Geister glauben, haben sich bestimmte Bräuche erhalten. In vielen Häusern gehen die Bewohner mit Weihrauch segnend durch die Räume.

 

In manchen Orthodoxen Kirchen wird Weihnachten erst am 6. und 7. Jänner gefeiert.

 

 

Fasching: zwischen 31. Jänner und 9. März

 

An vier Tagen, von Samstag bis Dienstag vor der Fastenzeit, findet der Fasching mit Maskenumzügen und vielen Veranstaltungen den Höhepunkt. Der Termin wechselt nach dem Termin von Ostern. Der frühestmögliche Termin für den Faschingssamstag ist der 31.Jänner, der späteste für den Faschingsdienstag der 9. März. Dem Fasching folgt nämlich der Aschermittwoch als Beginn der 40-tägigen Fasten- und Bußzeit als Vorbereitung auf das Osterfest.

Da diese Zeit früher sehr streng eingehalten wurde, wollten sich die Menschen vorher noch einmal austoben und besonders gut unterhalten. Dazu gehören auch das Verkleiden und das Verspotten vor allem von Politikern und Vorgesetzten.

 

 

Fastenzeit: vom Aschermittwoch bis Ostern

 

Als Vorbereitung auf die wichtigsten Feste haben die christlichen Kirchen Fastenzeiten angeordnet.

Die katholische Kirche kennt die 40-tägige Fastenzeit vor Ostern, die aber länger, nämlich sechseinhalb Wochen dauert, weil die Sonntage und die Kartage, die letzten Tage vor Ostern, nicht mitgezählt werden.

Auftakt ist der Aschermittwoch, an dem den Kirchenbesuchern ein Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet wird, das an die Vergänglichkeit und an Buße erinnert. An diesem Tag sollte auf das Essen von Fleisch verzichtet werden. Daraus hat sich der Brauch des Heringsschmauses entwickelt, der aber mit einem üppigen Fischessen ganz im Gegensatz zum Grundgedanken des Fastens steht.

Große Feste sollten in der Fastenzeit nicht gefeiert werden. Früher waren auch Tanzveranstaltungen verboten.

 

In den letzten Jahren wurden neue Fastenaktionen begründet: Am Familienfasttag wird nur Suppe gegessen, dafür wird ein Betrag für Frauen in den armen Ländern der Welt gespendet. Manche Menschen verzichten in der Fastenzeit auf Alkohol oder Süßigkeiten, manche essen die ganze Fastenzeit hindurch kein Fleisch oder verzichten auf ihr Auto.

 

In den orthodoxen Kirchen gelten für die Fastenzeit viel strengere Vorschriften.

In der evangelischen Kirche ist das Fasten nicht streng und einheitlich geregelt. Trotzdem werden in vielen Gemeinden in der Fastenzeit keine Feste gefeiert.

 

 

Die Karwoche

 

Die Woche vor Ostern ist die Karwoche.

 

Sie beginnt mit dem Palmsonntag, an dem daran erinnert wird, dass Jesus wenige Tage vor seinem Leiden und Tod von den Menschen in Jerusalem mit Palmzweigen begeistert empfangen wurde und auf einem Esel in diese heilige Stadt geritten ist.

In den katholischen Kirchen werden an diesem Tag beim Gottesdienst Palmbuschen gesegnet, die aus verschiedenen Zweigen bestehen, vor allem aus  den bereits blühenden Zweigen der Salweide, die Palmkätzchen genannt werden. Diese Palmbuschen werden in den Wohnungen und Häusern oft hinter den Kreuzen befestigt. Auch in Wiesen und Felder werden sie als Zeichen des Segens und im Aberglauben zum Schutz vor Unwettern gesteckt.

Häufig finden am Palmsonntag auch Prozessionen, also Umzüge statt, die an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnern. Manchmal wird zur Freude der Kinder sogar ein Esel mitgeführt.

 

Der Donnerstag vor Ostern ist der Gründonnerstag. Die Christen feiern an diesem Tag die Einsetzung des Abendmahls durch Jesus am Paschafest der Juden. Mit diesem Letzten Abendmahl mit seinen Aposteln hat Jesus den christlichen Gottesdienst begründet, der in der katholischen Kirche als Messe oder Eucharistiefeier, in den evangelischen Kirchen als Abendmahlsfeier bezeichnet wird.

 

Mit dem Gründonnerstag beginnen die Kartage in der Erinnerung an das Leiden und den Tod Jesu. Bis zur Auferstehungsfeier in der Nacht auf den Ostersonntag läuten die Kirchenglocken nicht mehr.

Dass am Gründonnerstag in vielen Familien Spinat und frischer Salat gegessen werden, hat keine religiösen Wurzeln. Der Name „Gründonnerstag“ ist zwar sehr alt, aber man weiß den Ursprung des Namens nicht genau. Dem Namen entsprechend essen aber viele Familien eben grüne Speisen.

 

Am Karfreitag erinnern sich die Christen an den Tod Jesu am Kreuz. Dieser Tag ist ein strenger Fasttag, an dem aus religiösen Gründen kein Fleisch gegessen werden soll. Die sehr ernsten Gottesdienste an diesem Tag haben eine besondere Bedeutung, vielfach werden für Kinder eigene Gottesdienste gehalten. Für evangelische Christen steht an diesem Tag die Freude über die Erlösung durch den Kreuzestod Jesu im Vordergrund.

Da nach einem alten katholischen Brauch die Kirchenglocken schweigen, ziehen Kinder mit hölzernen „Ratschen“ durch den Ort. Oft sammeln die Ministranten dabei Geld für ihren Ausflug.

 

Der Karsamstag ist vom Brauchtum her ein sehr ruhiger Tag. Früher galt er als Fasttag. Im Hinblick auf das üppige Essen zu Ostern wird auch heute noch in vielen Familien bescheiden gegessen.

Nach der Bibel ist Jesus am Morgen des Ostersonntags auferstanden.  In den meisten Kirchen findet die Auferstehungsfeier in besonders feierlicher Form aber schon am späten Abend des Karsamstags statt. Vor der Kirche brennt ein Osterfeuer, damit wird die prächtig geschmückte große Osterkerze entzündet und in die dunkle Kirche getragen.

 

Ostern: zwischen 22. März und 25. April

 

Das wichtigste Fest der Christen ist aus religiöser Sicht Ostern. Während in der Karwoche an den Tod Jesu am Kreuz erinnert wird, ist Ostern das Fest der Auferstehung: Jesus ist nach drei Tagen vom Tod auferstanden. Damit können alle Menschen auf die Auferstehung hoffen.

 

Der Ostersonntag fällt auf den Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Der erste mögliche Termin ist der 22.März, der letzte der 25. April. Fast alle orthodoxen Kirchen feiern Ostern aber nicht nach diesen Terminen des Gregorianischen Kalenders sondern an einem anderen Datum nach dem Julianischen Kalender.

Vom Ostertermin hängen auch die Termine von Christi Himmelfahrt (40 Tage später) und Pfingsten (50 Tage später), für die Katholische Kirche auch von Fronleichnam (10 Tage nach Pfingsten), ab.

 

Zu Ostern werden die Kinder beschenkt. Den kleinen Kindern wird erzählt, dass der Osterhase diese Geschenke bringt und versteckt. Die Kinder suchen diese Geschenke und die ebenfalls versteckten bunten Ostereier.

Weder der Osterhase noch die Ostereier haben aber eine biblische Wurzel in der christlichen Religion. Dass zu Ostern besonders viele gekochte Eier gegessen werden, hat einen eher banalen Grund: Während der Fastenzeit war es früher auch nicht erlaubt, Eier zu essen. Gerade im Frühling legten die Hühner aber wieder mehr Eier als im Winter (in den modernen Hühnerfarmen gilt das nicht mehr). So waren besonders viele Eier vorhanden, die gekocht wurden, um länger haltbar zu sein. Weil sich die Menschen über frische Eier freuten, wurden diese auch verziert, bemalt und verschenkt. Ein beliebter Brauch ist das „Eierpecken“. Mit dem steigenden Wohlstand waren dann Eier wohl kein wirkliches Geschenk mehr für Kinder, sodass auch andere Dinge verschenkt werden.

Vielfach wird zu Ostern Lammfleisch gegessen. Das erinnert an das jüdische Passah-Mahl, das Jesus mit seinen Aposteln vor seinem Leiden gefeiert hatte.

 

 

Der 1. Mai mit seinem reichhaltigen Brauchtum hat keine besondere religiöse Bedeutung. Er ist seit 1955 dem Heiligen Josef geweiht, dem Ziehvater Jesu, der auch Patron der Arbeiter ist.

 

Christi Himmelfahrt

 

Das Fest Christi Himmelfahrt findet 40 Tage nach Ostern statt. Im Neuen Testament berichtet die Apostelgeschichte, dass Jesus seinen Jüngern nach der Auferstehung vierzig Tage lang immer wieder erschienen ist. Beim letzten Zusammentreffen wurde er vor ihren Augen in den Himmel aufgenommen. In der Auferstehung und in der Himmelfahrt Jesu sieht die Kirche das Versprechen, dass auch wir auf das ewige Leben in einer neuen Welt ohne Leid und Tod hoffen dürfen.

In vielen Pfarren wird an diesem Feiertag Erstkommunion gefeiert. Die Kinder – meist aus der zweiten Klasse der Volksschule – empfangen an diesem Tag erstmals die Hostie, die in der Wandlung zum Leib Christi geworden ist.

 

Pfingsten

 

Pfingsten wird fünfzig Tage nach Ostern gefeiert. Es ist das Fest des Heiligen Geistes und gilt als Geburtstag der Kirche. Die Apostel, Maria und die Frauen, die Jesus gefolgt waren, hatten sich nach der Himmelfahrt Jesu gemeinsam in Jerusalem zurückgezogen. Am Pfingsttag kam ein Brausen vom Himmel, Zungen wie von Feuer ließen sich auf ihnen nieder, sie wurden vom Heiligen Geist erfüllt und begannen in verschiedenen Sprachen zu reden, sodass alle in Jerusalem versammelten Pilger sie in ihrer Heimatsprache verstehen konnte, schildert die Apostelgeschichte das Geschehen.

Ab diesem Zeitpunkt predigten die Apostel öffentlich, wirkten Wunder und tauften viele Menschen, die sich der Lehre Jesu anschlossen.

Der Termin des Pfingstfestes geht auf ein altes jüdisches Fest zurück, das fünfzig Tage nach dem Paschafest gefeiert wurde, und zu dem jüdische Pilger aus dem ganzen Gebiet um das Mittelmeer und dem Vorderen Orient nach Jerusalem kamen.

 

In der Katholischen Kirche war Pfingsten früher der Termin für die Firmung. Seit aber in den Pfarren und nicht mehr nur in den Bischofskirchen gefirmt wird, ist die Firmung nicht mehr an Pfingsten gebunden.

 

Fronleichnam

 

In der Römisch-Katholischen Kirche finden am Fronleichnamstag Prozessionen statt, bei denen das Allerheiligste, das Brot, in dem Jesus zugegen ist, in einer vergoldeten Monstranz mitgetragen wird. Dabei gehen meist auch die Erstkommunionkinder in einer eigenen Gruppe mit, wobei die Mädchen die weißen Kleider tragen, die in vielen Pfarren zur Erstkommunion üblich sind.

An mehreren Altären am Weg wird gebetet, aus der Bibel gelesen und der Segen erteilt. Vielfach sind die Wege und Straßen entlang der Prozession mit Birkenzweigen geschmückt.

 

Maria Himmelfahrt

 

Ein ebenfalls in der Römisch-Katholischen Kirche besonders begangener Feiertag ist Maria Himmelfahrt am 15. August. In der Bibel findet sich kein Hinweis auf den Tod Mariens. In sogenannten apokryphen Evangelien, die von der Kirche nicht als Teil der Bibel anerkannt sind, wird aber ausführlich davon berichtet, dass der Leib Marias nach ihrem Tod in den Himmel entrückt wurde Seit dem 6. Jahrhundert wird diese Himmelfahrt gefeiert, ein Fest, das die evangelische Kirche nicht kennt, dass aber in den Orthodoxen Kirchen besonders feierlich begangen wird. An diesem Tag werden in vielen Kirchen Kräuter gesegnet.

 

Kurz nach Herbstbeginn wird Erntedank gefeiert. Die Christen danken Gott für die Ernte. Schön gestaltete Erntekronen aus Getreidehalmen und Früchte schmücken die katholischen Kirchen. In manchen katholischen Pfarren finden Prozessionen, also Umzüge, statt.

 

 

Reformationstag, Allerheiligen, Allerseelen: 31. Oktober, 1. und 2. November

 

Am 31. Oktober feiern die evangelischen Kirchen den Reformationstag in der Erinnerung daran, dass Martin Luther in Wittenberg seine Thesen zur Reform der christlichen Kirche angeschlagen hat. Er prangerte Missstände in der päpstlichen Kirche, ihrer Hierarchie und in der Theologie an. Dieses Ereignis hat letztlich zur Reformation und zum Entstehen der evangelischen Kirche des Augsburger Bekenntnisses, AB, geführt.

 

Allerheiligen ist eigentlich ein Tag, an dem in der katholischen Kirche Gott für jene Heiligen gedankt wird, denen kein eigener Tag gewidmet ist. Allerseelen ist der Gedenktag für die Verstorbenen. Das Totengedenken findet aber bereits am Allerheiligentag statt. Die Gräber werden besonders geschmückt, auf fast allen Gräbern brennen mehrere Kerzen. In den Friedhöfen werden Gedenkfeiern abgehalten.

 

Halloween: Seit einigen Jahren ziehen auch bei uns in der Nacht vom 31. Oktober auf 1. November Kinder von Haus zu Haus und fordern mit dem Spruch „Gebt mir Süßes, sonst gibt es Saures“ Süßigkeiten. Dieses Brauchtum wurde aus dem anglo-amerikanischen Raum übernommen und hat keinen christlichen Bezug.

Allerdings gab es noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts auch im Innviertel und im Mühlviertel ein ganz ähnliches Brauchtum, die Armen-Seelen-Gänger. Gruppen von Kindern aus armen Familien oder auch maskierte Erwachsene zogen zu den Bauernhäusern und baten um ein besonderes Brot. Sie bettelten stellvertretend für die „Armen Seelen“, die Seelen jener Verstorbenen, die im Jenseits noch für ihre Sünden büßen mussten. Wer den „Seelen-Gängern“ Brot gab, erlöste eine „Arme Seele“ aus dem Fegefeuer, die dann in den Himmel kommen konnte. Dieses Bitten war in manchen Gegenden ebenfalls mit Drohungen für den Fall verbunden, dass nichts gegeben würde. Dieser religiöse Hintergrund ist bei Halloween aber nicht mehr festzustellen und entspricht auch nicht mehr dem heutigen theologischen Verständnis

 

 

Martinsfest: 11. November

 

Am 11. November wird das Fest des heiligen Martin gefeiert. Vor allem in den Kindergärten und Volksschulen finden Martinsfeste mit Umzügen statt, bei denen die Kinder Laternen tragen und Lieder über Martin singen. Martin wurde vor 1.700 Jahren im heutigen Ungarn geboren, war römischer Offizier, beendete aus christlicher Überzeugung seine militärische Laufbahn, wurde getauft und war zuletzt Bischof in Tours im heutigen Frankreich. Er hat sich unter anderem sehr um die Armen gekümmert.

Das Brauchtum knüpft an zwei Erzählungen an, die symbolisch für ihn sind. Er soll als Offizier einem frierenden Bettler ohne Mantel begegnet sein. Mit seinem Schwert teilte er den eigenen Mantel und gab die Hälfte dem Bettler. Das wird in den Liedern besungen.

 

Außerdem findet zu Martini der „Martinischmaus“ statt, bei dem vor allem Gänse gegessen werden. Das erinnert ebenfalls an eine Legende: Die Menschen wollten Martin zum Bischof machen, er weigerte sich und versteckte sich im Gänsestall. Die Gänse schnatterten aufgeregt, sodass er gefunden und dann zum Bischof geweiht wurde. Das büßen heute noch alljährlich unzählige Gänse.

In Kindergärten, in denen man keine Heiligen ehren will, wird statt des Martinsfestes ein Laternenfest gefeiert.

 

 

Advent: Vier Sonntage vor Weihnachten

 

In den Wochen vor Weihnachten bereiten sich Christen im Advent auf das Fest vor, das in Erinnerung an die Geburt Jesu gefeiert wird. Früher war der Advent eine strenge Fastenzeit.

In der winterlichen Dunkelheit, die noch nicht durch elektrisches Licht erleuchtet war, sehnten sich die Menschen nach Helligkeit. Schon die Römer feierten zur Wintersonnenwende ein Lichterfest, auf dessen Termin die Kirche dann Weihnachten setzte. In der Bibel ist kein bestimmter Tag der Geburt Jesu angegeben.

 

Die Dauer des Advents schwankt um bis zu einer Woche, abhängig vom  Wochentag, auf den Weihnachten fällt. Die Adventkalender der Kinder haben dagegen immer 24 Fenster, von denen täglich eines geöffnet wird. Sie beginnen immer am 1. Dezember.

An den vier Sonntagen vor Weihnachten werden bei den Gottesdiensten vor allem Bibelstellen gelesen, die auf das Kommen Jesu, des Erlösers, hinweisen. In den Kirchen und Wohnungen hängen oder stehen Adventkränze mit vier Kerzen. An jedem Adventsonntag wird eine Kerze mehr entzündet, bis direkt vor Weihnachten alle vier brennen. In vielen Familien setzen sich die Erwachsenen und Kinder am Abend zusammen und singen passende Lieder.

Hirten- und Krippenspiele weisen auf das Weihnachtsgeschehen hin, das sie in die bäuerliche Welt von früher versetzen.

 

In den Zentren der Orte und Städte werden als Vorboten von Weihnachten große Christbäume aufgestellt und Lichterketten und leuchtende Figuren aufgehängt, die die festliche Erwartung ausdrücken sollen.  Auch immer mehr private Häuser und Balkone von Wohnungen werden damit geschmückt. Bei „Christkindl-“ und Weihnachtsmärkten werden Kleinigkeiten und weihnachtlicher Schmuck verkauft. Heißer Punsch – oft mit viel Alkohol – und Glühwein gehören zu diesen Märkten. Sie sollen in den manchmal kalten Adventnächten wärmen und haben mit dem religiösen Sinn von Advent und Weihnachten natürlich nichts zu tun.

 

 

Nikolaus: 6. Dezember

 

Das Fest des heiligen Nikolaus ist bei Kindern besonders beliebt, bringt der Nikolaus doch Geschenke.

Nikolaus war vor rund 1.700 Jahren Bischof von Myra in der heutigen Türkei. Er hat sich besonders um die Armen gekümmert und soll einmal drei Mädchen goldene Äpfel geschenkt haben, damit sie heiraten konnten. Deshalb bringt er den Kindern Geschenke: Am 6. Dezember oder auch einen Tag vorher kommen als Bischof verkleidete Menschen in die Häuser und Wohnungen und beschenken die Kinder. Der Nikolaus befragt die Kinder und lobt sie, wenn sie brav waren. Heute ist es nicht mehr erwünscht, dass er sie im Fall des Gegenteils tadelt.

Das bei uns übliche Nikolausbrauchtum ist ursprünglich katholisch, weil die evangelischen Kirchen die Heiligenverehrung nicht kennen. Während in der Vergangenheit die Kinder in katholischen Familien die Geschenke vom Nikolaus bekamen, wurden sie in evangelischen Familien nur zu Weihnachten beschenkt.

Die Gestalt des heiligen Nikolaus hat sich über die Figur des Santa Claus zum Weihnachtsmann vermischt.

Früher kamen mit dem Nikolaus auch finstere Gestalten, machten den Kindern Angst oder schlugen sie sogar mit Ruten. Diese Figuren – der Krampus vor allem – waren aber eigentlich Darsteller von Naturgeistern. In vielen Orten ist es üblich geworden, dass an einem Abend im Advent, oft kombiniert mit einem Weihnachtsmarkt, Perchten auftreten, lärmen und die Zuseher, vor allem junge Mädchen, erschrecken. In Oberösterreich war das nie Brauchtum, zeitlich gehören die Perchten eigentlich in die Tage nach Weihnachten. Die üblich gewordenen Perchtenläufe werden als Unterhaltungsveranstaltung bezahlt.

 

 

Weihnachten: 24. – 26. Dezember

 

Weihnachten ist das beliebteste Fest. Es erinnert an die Geburt Jesu Christi im Stall von Betlehem. Jesus Christus ist der Erlöser, in dem Gott Mensch geworden ist. Mit der Geburt Jesu beginnt für die Christen eine neue Zeit. In der Bibel heißt es, dass damit das Licht in die Welt gekommen ist.

Am 24. Dezember ist Heiliger Abend als Auftakt und Höhepunkt der Familienfeiern. Der kirchliche Weihnachtsfeiertag ist der 25. Dezember, der auch Christtag genannt wird. Der zweite Feiertag ist der Stefanitag. Er wird noch als weihnachtlicher Festtag begangen, obwohl er kirchlich dem ersten Märtyrer, dem heiligen Stefan, gewidmet ist.

Das Fest hängt zeitlich mit der Wintersonnenwende zusammen, nach der die Tage wieder länger werden. Die Kirche hat es auf diesen Termin gelegt, in dem im alten Rom ein Lichterfest gefeiert wurde. Lichterfeste sind auch aus anderen europäischen Ländern überliefert. Daher spielt im Brauchtum zu Weihnachten das Licht eine ganz wichtige Rolle.

 

Das am meisten verbreitete Symbol ist der mit bunten Kugeln, Gold- und Silberfäden und Kerzen geschmückte Christbaum. Er wird auch Weihnachtsbaum oder in nicht christlichen Familien Lichterbaum genannt. Am Heiligen Abend werden die Kerzen entzündet, die Familie versammelt sich vor dem Christbaum. In religiösen Familien wird aus der Bibel das Kapitel von der Geburt Christi vorgelesen, es werden Weihnachtslieder gesungen oder gespielt, vor allem „Stille Nacht, heilige Nacht“. Der Brauch, in den Wohnungen einen Christbaum aufzustellen, ist noch gar nicht sehr alt. Er kommt aus dem evangelischen Bereich und wurde im Lauf des 19. Jahrhunderts auch bei uns allgemein verbreitet.

Die Kinder und auch Erwachsene bekommen Geschenke, auf die sie sich schon lange freuten. Diese Geschenke bringt nach Kinderglauben das Christkind, an das manche Kinder im Advent einen Brief mit ihren Wünschen geschrieben haben. Immer öfter tritt an die Stelle des Christkinds auch in unserer Region der Weihnachtsmann, der anderswo als Santa Claus der Gabenbringer ist. Das Beschenken knüpft an die volkstümliche Überlieferung an, dass die Hirten von Betlehem zur Krippe mit dem neugeborenen Kind Geschenke gebracht haben, weil die Familie arm war und nichts hatte.

 

Zu den sehr alten Überlieferungen gehören die Weihnachtskrippen, die in den Kirchen und sehr vielen Wohnungen aufgestellt werden. Sie stellen das Geschehen rund um die Geburt Jesu Christi dar. In einem Stall liegt in einem Futtertrog, der eigentlichen Krippe, das neugeborene Kind. Daneben sitzt seine Mutter Maria, der hl. Josef steht über beiden. Ein Engel schwebt über dem Stall. Er singt „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden.“ Hinten liegen ein Ochs und ein Esel. In der Nähe der Krippe schlafen Hirten, denen ein Engel verkündet, dass der Erlöser geboren wurde. Daher gehen die Hirten zur Krippe und bringen der armen Familie Geschenke. Oft ist das Weihnachtsgeschehen in eine heimatliche Landschaft versetzt, mit Bergen, Bauernhäusern, sogar Gasthäusern mit geizigen Wirten, die die heilige Familie nicht aufgenommen haben. Zu den Krippen gehören auch die Heiligen Drei Könige, die später dem Kind kostbare Geschenke, nämlich Gold, Weihrauch und Myrrhe bringen. In Krippenausstellungen kann man diese wunderbaren und vielfältigen Werke der Volkskunst bestaunen.

 

Ein neuer Weihnachtsbrauch ist das Friedenslicht aus Betlehem, das erst 1986 vom ORF Oberösterreich eingeführt wurde. Ein Kind entzündet am Beginn des Advents in der Geburtsgrotte in Betlehem eine Kerze. In einer speziellen Lampe wird dieses Licht nach Linz gebracht und von hier an Millionen Menschen in ganz Europa und darüber hinaus verteilt.

Kurz vor Weihnachten holen Gruppen aus verschiedenen Ländern, vor allem Pfadfinder, dieses Friedenslicht im ORF Oberösterreich und verteilen es weiter. In Oberösterreich wird das Friedenslicht mit den Zügen der ÖBB transportiert, es brennt in den Kirchen, vor allem aber bringen es auch Kinder und Jugendliche als Symbol des Weihnachtsfriedens zu den Menschen.

Dieses Licht erinnert daran, dass bei der Geburt Jesu die Engel den Menschen, die guten Willens sind, den Frieden versprochen haben. Da eine Kerze an der anderen entzündet wird, kann sich dieses Weihnachtssymbol in vielen Ländern ausbreiten. Das bedeutet, dass der Friede von Mensch zu Mensch weitergegeben werden muss, so wie das Licht von Kerze zu Kerze weitergegeben wird.

Das Friedenslicht aus Betlehem ist im Rahmen der großen ORF-Spendenaktion „Licht ins Dunkel“ entstanden, bei der Geld für Kinder und Menschen in Not gesammelt wird. Auch das ist mit Weihnachten verbunden: Die Hirten haben dem Kind in Betlehem Geschenke gebracht, damit es nicht hungern und frieren muss.

 

In manchen Orthodoxen Kirchen wird Weihnachten erst zu Epiphanie gefeiert, wie es bei der Darstellung des Brauchtums am Jahresbeginn schon erwähnt wurde.

 

Dr. Helmut Obermayr

 

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