Samstag 20. Oktober 2018

Das Geschenk des Sonntags

Der Sonntag ist ein Geschenk, dessen Wert uns vielleicht gar nicht genug bewusst ist.

Jede Woche erleben wir einen Tag, der ganz anders ist als die übrigen: Die Geschäfte sind geschlossen, die große Mehrheit der Menschen hat einen freien Tag,
Familienfeste werden gefeiert, die Hektik der Arbeitswoche fällt weg.
Wir haben Zeit für gemeinsame Aktivitäten, für Sport oder Kultur. Für viele von uns ist es der einzige Tag der Woche, an dem wir Zeit und Ruhe für die Familie haben, für ein gemeinsames Essen, fürs Beisammensein, für Besuche, Zeit, um mit den Kindern zu spielen, einen Ausflug oder einen Spaziergang in die Natur zu machen.
Am Sonntag gestaltet sich das Leben auch anders als am Samstag, der für die meisten auch schon zum freien Wochenende gehört.
Noch etwas unterscheidet diesen Tag vom Rest der Woche: Etwa eine halbe Million Menschen besuchen in Österreich einen katholischen Gottesdienst, in unserer Pfarre sind es einige hundert. Auch in den anderen christlichen Kirchen versammeln sich Menschen, um diesen besonderen Tag in besonderer Weise zu begehen.
 
Der Sonntag ist ein Geschenk, dessen Wert uns vielleicht gar nicht genug bewusst ist. Er gibt dem Leben einen Rhythmus, unterbricht den gleichförmigen Ablauf der Arbeitswoche und sollte Erholung und Ausrasten ermöglichen. Vor allem schenkt der freie Sonntag das Erlebnis der Gemeinschaft.
 

Diskussion um Sonntagsarbeit

 

In der Diskussion um die neue Arbeitszeitregelung ist der arbeitsfreie Sonntag wieder zum Thema geworden. Die Bischöfe, kirchliche Organisationen, die Vertretungen der Arbeitnehmer haben dagegen protestiert, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an vier Sonntagen oder Feiertagen im Jahr zur Arbeit eingeteilt werden dürfen.
Die Allianz für den Sonntag wendet sich seit Jahren gegen eine Ausweitung der Arbeitszeit an Sonn- und Feiertagen.
Natürlich ist auch jetzt schon Sonntagsarbeit erlaubt, wo sie wirklich notwendig ist. Das Gesetz zählt diese Ausnahmen sehr genau auf – ob es sich um industrielle Produktionsweisen handelt, die nicht unterbrochen werden können, um Arbeiten etwa auf den Straßen, die möglichst wenig Behinderungen verursachen sollen, um das Gesundheitsweisen, die Gastronomie oder die Medien. Aber die Ausnahmen sind beschränkt und gelten in den Krankenhäusern nicht für die Verwaltung oder für bestimmte Therapiebereiche. Auch in den Medien arbeiten zum Beispiel nur jene, die für das Programm unmittelbar gebraucht werden.
Es ist übrigens interessant, dass derzeit in Italien heftig über eine Einschränkung der bisher rund um die Uhr mögliche Offenhaltung der Geschäfte diskutiert wird. Die großen Handelskonzerne sind gegen jede Einschränkung. Die Kirche, der Kleinhandel, die Arbeitnehmerorganisationen begrüßen die Absicht der Regierung, den Sonntag wieder mehr den Familien zu widmen.
 

Der biblische Sabbat und der Sonntag.

 

Die Bibel kennt nicht den Sonntag als Ruhetag sondern den Sabbat. Seine Einhaltung ist eines der wichtigsten Gebote des Judentums. „Am siebten Tag vollendete Gott das Werk, das er gemacht hatte, und er ruhte am siebten Tag…Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn..“ berichtet die Schöpfungsgeschichte der Bibel. Der Sabbat ist Teil der Schöpfung, erst mit ihm hat Gott das Werk vollendet.
Das dritte von den zehn Geboten heißt: „Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig! Sechs Tage darfst du schaffen und all deine Arbeit tun. An ihm darfst du keine Arbeit tun: du und dein Sohn und deine Tochter, dein Sklave und deine Sklavin und dein Vieh und dein Fremder in deinen Toren. Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel, Erde und Meer gemacht und alles, was dazugehört; am siebten Tag ruhte er. Darum hat der Herr den Sabbat gesegnet und ihn geheiligt.“
Der Sabbat ist also ein Geschenk für die ganze Gesellschaft. Das Judentum hat dieses Gebot bis in kleine Details geregelt, aber auch in den Schriften der Rabbiner sind Ausnahmen vorgesehen, etwa für die Abwehr von Gefahren, Lebensrettung, Krankenbesuche oder die Versorgung des Viehs.
In der Auseinandersetzung zwischen Jesus und den jüdischen Gesetzeslehrern geht es wiederholt um die Sabbatruhe, als er zum Beispiel Menschen heilte. Als die Jünger an einem Sabbat Hunger hatten und beim Gang durch die Felder Getreideähren abrissen, stellten ihn die Pharisäer ebenfalls zur Rede. Die Antwort Jesu fasst den Sinn zusammen: „Der Sabbat wurde für den Menschen gemacht, nicht der Mensch für den Sabbat.“
 
Es dauerte einige Jahrhunderte, bis aus dem jüdischen Sabbat der christliche Sonntag wurde. Es hängt unter anderem mit der Ausbreitung des Christentums im heidnischen römischen Reich zusammen. Aus unserem Glauben heraus ist der Sonntag der Tag, an dem Jesus von den Toten auferstanden ist. Darum feiern wir ihn.
 
Beten
 

Den Sonntag feiern

 

Der Sabbat ist für den Menschen gemacht – in unserer christlichen Kultur ist der Sonntag das Geschenk für uns Menschen. Wir alle müssen uns für ihn einsetzen, in der politischen Diskussion ebenso wie in unserem persönlichen Verhalten. Das beginnt beim Einkaufen, man kann das Brot auch am Samstag schon kaufen. Das gilt für schwere Arbeit im privaten Bereich.
Als Christen sind wir zur Feier des Sonntags besonders eingeladen. Jeden Sonntag feiern wir in unserer Kirche um 8.00 und um 10.00 Uhr Gottesdienst, in Oedt und
St. Martin um 9.30 Uhr.
Jene Menschen aber, die am Sonntag arbeiten, damit wir ihn genießen können, oder die auch am Sonntag für unsere Gesundheit und Sicherheit sorgen, die uns bewirten oder die in den Fabriken oder auf den Straßen arbeiten müssen, verdienen unseren besonderen Dank, weil sie auf ein für die Menschen wertvolles Geschenk freiwillig oder unfreiwillig verzichten.
 
Helmut Obermayr
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