Sunday 2. October 2022
Pfarre Tarsdorf

Von Zufällen, einem Hometrainer und der tiefen Liebe zur Musik

Wie kamen Richard und Margit zur Kirchenmusik? Warum engagieren sie sich, wie oft üben sie noch und was wünschen sie sich für die Zukunft? Das und vieles mehr verrieten Sie uns im Gespräch!

Ein Interview mit Chorleiter Richard Maier und Organistin Margit Kneißl:

 

„Im Wesen der Musik liegt es, Freude zu bereiten“ meinte schon Aristoteles. Dies gilt nicht nur für die Zuhörer:innen schöner Klänge, sondern vor allem für die Musiker:innen selbst. Kirchenmusik ist ein wesentlicher Teil der Liturgie und im sogenannten ‚Sacrosanctum consilium‘ festgelegt, dem Regelwerk zur Feier der Heiligen Liturgie aus dem Zweiten Vatikanischen Konzil. Musik während des Gottesdienstes hat demnach die wichtige Aufgabe, die Gläubigen einzustimmen und der Ehre Gottes zu dienen.

 

Seit 64 Jahren wird Kirchenmusik in Tarsdorf mit großem Ehrgeiz und unermüdlichem Einsatz von Chorleiter und Organist Richard Maier gelenkt und umgesetzt. Er hat allein in unserer Pfarre geschätzt über 12.000 Messen, Festgottesdienste, Hochzeiten und Beerdigungen auf der Orgel begleitet und ist bis heute bei uns und auch als Aushilfe in Nachbarpfarren aktiv. Mit über 30 Auftritten pro Jahr führt und fordert er die fleißigen Sänger:innen des Kirchenchors mit einem abwechslungsreichen Repertoire, welches über 20 Messen und über 800 vierstimmige Sätze bis hin zu englischen Gospels umfasst. Richard Maiers kirchenmusikalisches Schaffen wurde 2020 sogar mit dem selten vergebenen diözesanen Ehrenzeichen – der Severin-Medaille - gewürdigt.

 

Ihm zur Seite steht seit 50 Jahren Margit Kneißl als Organistin und Chorsängerin. Die heute pensionierte Volksschullehrerin startete im Alter von 13 Jahren mit Akkordeonunterricht bei Richard Maier, begann noch im selben Jahr im Kirchenchor zu singen und bald darauf Orgel zu spielen. Schon als Teenager begleitete sie die Festmessen in Tarsdorf auf der Orgel.

 

Beim Frühstück mit der Redaktion verriet das Dreamteam, wie sie zur Kirchenmusik kamen, warum sie sich engagierten, wie oft sie noch üben und was sie sich für die Zukunft wünschen. Während des Interviews kamen die beiden so richtig ins Schwärmen:

 

Was ist deine persönliche Art, die Kirchenmusik in Tarsdorf zu gestalten? Woran orientierst du dich?


Richard:  Ich orientiere mich an einer Fachzeitung – der „Singenden Kirche“ - und richte unser Programm danach aus. Sie zeigt mir, was in Wien, Salzburg oder Graz gerade gesungen wird. Für mich ist es das Höchste, wenn es musikalisch etwas für uns zu tun gibt. Das Gotteslob ist täglich im Einsatz, aber an Allerheiligen, zu Weihnachten, zu Heiligdreikönig, Ostern oder Pfingsten – da sind für mich die Festmessen, die wir einstudiert haben, besonders wichtig. Schon Pfarrer Engertsberger hat mir Messen mitgebracht, die wir übernommen haben. Unsere Werke von Mozart und Haydn habe ich selbst eingebracht. Auch die Kirchenmusikwoche, die ich jahrelang besuchte, hat unser Programm inspiriert. Ich habe dort immer etwas Schönes für unseren Chor gefunden, gekauft und einstudiert.


Margit: Und es sind viele englischsprachige Werke dabei – Richard hat damals einen Englischkurs besucht  und die Chormitglieder damit gefordert. Ich bewundere bis heute den Einsatz von Richard; er ist immer aufgeschlossen für Neues. Wir im Chor sind sehr dankbar dafür. Und auch sein Fleiß bei den Wochentagsmessen ist beachtlich. 

 

Richard: Früher habe ich die Festmessen selbst begleitet, während der Chor gesungen hat – das war schwierig. Dann kam Margit und ich konnte mich auf die Chorleitung konzentrieren.

 

Margit: Wir haben uns immer gut ergänzt. Zu zweit sind wir vollständig!

 

Richard: Jetzt kommt die Zeit, wo wir noch wen brauchen, nicht nur Organisten, sondern auch mal einen Chorleiter oder eine Chorleiterin!


Was sind eure Lieblingswerke? Gibt es Stücke die ihr gar nicht mögt?

 

Richard: Das ist schwer zu sagen, aber die Missa-brevis in C-Dur und die Orgel-Solo-Messe von Mozart mag ich sehr gern, ebenso die Christkindlmesse von Josef Kronsteiner. Das Transeamus von Schnabl ist eines meiner Lieblingsstücke – und es gibt keines, das ich nicht mag. Ich singe alles, damit wir ein abwechslungsreiches Programm haben. Die vier Weihnachtsmessen werden jährlich abgewechselt. Besonders war für mich auch die Aufführung der Sieben Worte des Erlösers am Kreuz von Josef Haydn – wir haben das erste und das siebte Wort einstudiert und das war für mich – und unseren Chor – das gewaltigste Werk. Es hat in unserem Repertoire für mich musikalisch den höchsten Wert.

 

Margit: Mir gefallen unter anderem besonders die Intradenmesse für 2 Trompeten und 2 Posaunen von F. Limbacher und der Kreuzweg von J. Kronsteiner. Gerne erinnere ich mich auch an zwei rhythmische Messen, die wir in meiner Jugendzeit gesungen haben.


Wer darf eigentlich Kirchenmusik machen?

 

Richard: Alle Mitglieder der Pfarrgemeinde sollen Kirchenmusik machen, die musikalisch sind!

 

Warum und wie seid ihr zur Kirchenmusik gekommen?

 

Richard: Durch Zufall  – eigentlich war ich Blasmusiker ….Ich bin als junger Mann reingewachsen und startete mit 13 als Sänger im Kirchenchor. Mit 15 Jahren lernte ich das Orgelspiel und übernahm mit 17 Jahren das Amt des Organisten und die Leitung des Kirchenchors. Die tiefe Liebe zur Musik hat sich aber erst mit der Zeit entwickelt – als Organist und auch in der Blasmusik.


Wie war das bei dir, Margit? 


Margit: Mit 13 habe ich Akkordeon bei Richard gelernt. Der Rest hat sich ergeben. Richard hat mich im Herbst gefragt, ob ich zum Chor gehen will, zu Weihnachten habe ich dann schon mitgesungen. Das ist heuer genau 50 Jahre her! Beim Orgelspiel war Not am „Mann“, weil Richard damals auch Kapellmeister war. Wenn Ausrückungen waren, habe ich bei den Gottesdiensten die Orgel gespielt. Richard hat mir "Starthilfe" gegeben, Vieles habe ich im Selbststudium erlernt. Am Gymnasium hatte ich vier Jahre Klavierunterricht, an der Pädak und beim  Kirchenmusikreferat dann später  Orgelunterricht. Eine spezielle Musikausbildung habe ich nicht.

 

Margit, du gestaltest auch aktiv mit. Welche Pläne und Ideen für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste möchtest du gern umsetzen?

 

Margit: Mit der Musikauswahl und neuen geistlichen Liedern bringt man frischen Wind und vielleicht auch wieder junge Menschen in den Gottesdienst. So wie die Generationen bei den Menschen zusammengehören, so ist es auch in der Kirchenmusik: Jung und Alt sollten Musik in der Kirche gestalten. Werke alter Komponisten, aber auch zeitgenössische Stücke und rhythmische Lieder sollten einplant sein. Wir haben das Glück mit Franziskus einen Kaplan zu haben, der das selbst vorlebt und uns immer wieder mit neuen Liedern überrascht, die er auf der Gitarre begleitet.
Neben einer Auswahl an neueren Liedern finde ich wichtig, dass außer der Orgelmusik auch andere Instrumente oder auch Sänger:innen-Gruppen zum Einsatz kommen. Musik im Gottesdienst sollte nicht ausschließlich Aufgabe des Organisten sein, denn auf diesem Gebiet gibt es leider wenig Nachwuchs.

 

Was ist für euch das Schöne am Orgelspiel?

 

Richard: Kaplan und Pfarrer lassen uns ziemlich freie Hand in der Gestaltung, das gefällt uns. Grundsätzlich erhalten wir vom Pfarrer die Lieder vor der Messe. Neue Stücke sind Anregungen und inspirieren.

 

Margit: Die Orgel ist ein ganz besonderes  Instrument - eben die Königin der Instrumente! Sie bietet viele Möglichkeiten der musikalischen Gestaltung durch ihre Register bzw. Klangfarben: mit dem Anschlag einer Taste können Flöten, Streicher, Trompeten, Posaunen....erklingen. Den Kirchenraum mit diesem Klang zu füllen, das ist sehr schön und erhebend - für mich fast wie eine Verbindung zwischen Himmel und Erde.

 

Richard: Normalerweise werden bei uns Festmessen nur mit Orgel, also ohne Orchester gespielt, da deckt bei uns die Orgel teilweise auch den Part der anderen Instrumente ab. Das ist nicht optimal, aber durch die Stimmung unserer Orgel notwendig.

 

Margit: Man spielt als Organistin meist alleine. Daher begleite ich gern andere Musiker:innen – es sind schöne und viel zu seltene Momente, wenn man im Ensemble spielt, mit Bläsern oder Streichern. Das hat mir schon immer gut gefallen.

 

Kirchenmusik - für dich ein Hobby oder Dienst an der Gesellschaft?

 

Margit: Beides: Hobby und Dienst an der Kirche. Ein Sprichwort sagt: Wer singt, betet doppelt! Singen im Chor und gemeinsames Musizieren kann sehr beglückend sein. Wenn die Harmonie in der Musik selbst und auch untereinander stimmt, fühlt man sich aufgehoben und geborgen! Wir hatten immer eine gute Gemeinschaft im Kirchenchor und haben viele lustige Stunden erlebt. Dafür bin ich dankbar.


Wie oft übt ihr eigentlich?


Margit: Jetzt – als Pensionistin - übe ich viel – sicher vier Stunden die Woche in der Kirche in Tarsdorf oder manchmal auch in Ostermiething. Jedenfalls mehr als früher, weil ich wieder Orgelstunden nehme. Früher habe ich nur auf die Festmessen hin geübt.

 

Wie ist die Musik Teil deines täglichen Lebens, Richard?
 

Richard: Am Heimtrainer singe ich mich ein, dann übe ich täglich zu Hause am Klavier. Die Toccata von Bach habe ich während der Pandemie auswendig gelernt. Auch vor der Messe nutze ich die Zeit, um die Stücke zu üben. Wenn ich nicht singen muss, genügen 10 Minuten vorher und ich spiele neue Choräle auch vom Blatt. Während der Kirche singe ich meine Solos. 

 

Was sind eure Wünsche an die Zukunft?

 

Margit: Eine neue Orgel und im Altarraum ein E-Piano! (beide lachen)

Nein, im Ernst: viele junge Leute für die Kirchenmusik zu begeistern!

 

Richard: Weiterhin eine gute Gemeinschaft im Chor. Wir waren schon immer ein lustiges Team, das soll so bleiben! Ein Chor kann zur zweiten Familie werden. In der Pandemie haben wir nur in kleiner Formation gesungen, jetzt genießt man den vollen Klang wieder umso mehr.

 

Danke für das Gespräch!

 

Für alle, die nun auf den Geschmack gekommen sind und sich für das Orgelspiel interessieren, empfiehlt die Redaktion ein persönliches Gespräch bei Tee und Kipferl mit Richard und Margit!

 

Kirchenführer Pfarrkirche Tarsdorf

Der Kirchenführer der Pfarrkirche St. Michael kann am Schriftenstand, in der Sakristei oder im Pfarramt zum Preis von 3,50 EUR erworben werden.

Evangelium von heute
Lk 17, 5–10 Wenn ihr doch Glauben hättet wie ein Senfkorn!
Namenstage
Fest der Heiligen Schutzengel, Hl. Beregis
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