Wednesday 3. March 2021
Pfarre Steyr-Ennsleite

Faschingssonntag

Pfarrleiterin A. Paulitsch als GotteslobAb Faschingssonntag, 14. Februar feiertenn wir nach längerer Zeit wieder Gottesdienst - und es war trotz Corona-Krise ein fröhlicher Auftakt. In bewährter Weise hielt unsere Pfarrleiterin Angelika Paulitsch eine zur Zeit passende Faschingspredigt - diesmal als Gotteslob -, die bei den Besucher*innen großen Anklang fand. Hier können Sie ihre Gedanken nachlesen.

 

Pfarrleiterin A. Paulitsch als Gotteslob

 

Guten Morgen! Ist das fein

Heut wieder mal draußen zu sein!

Als Gotteslob, muss ich euch sagen

Hat man‘s nicht leicht in diesen Tagen

 

So lang schon ist es nicht erlaubt,

dass ihr mich aus dem Wagen klaubt

und mitnehmt in die Kirchenbank

und braucht für euren Volksgesang.

 

Wie sehn‘ ich mich nach frischer Luft

Nach Orgelklang und Weihrauchduft!

Statt dessen: kaltes Einerlei

Tagtäglich in der Sakristei.

 

Dabei hatte ich es noch fein.

Ich brauchte nicht einsam zu sein.

Weil, wenn man es großzügig misst

Ein Bücherwagen ein Haushalt ist

 

Nur ziemlich eng ist‘s und mitunter

Geht es drin drüber und auch drunter.

Für mich ganz unten ist es schwer

Es gibt keine Bewegung mehr

 

Und das Ennsleitner Liederbuch

Gleich neben mir – ist wie ein Fluch

Weil dieser dünne grüne Wicht

Die halbe Zeit nur englisch spricht.

 

Doch merke: trotz der großen Zahl

Gab es keinen Coronafall

Dafür – nur dass ich es erwähne

Monatelang streng Quarantäne.

 

Drum bitt ich euch, holt mich hier raus

Denn lange halt ich’s nicht mehr aus

Na gut, ich gebe zu: wie immer

Trifft es manch andere viel schlimmer.

Zum Beispiel die Weihwasserschalen

leiden im Kasten schlimme Qualen

weil lang schon niemand sich benetzt

sie (sind) durch Desinfekt-Spender ersetzt

 

Und außerdem die Mini Glocken

Zu denen will sich niemand hocken

Sie leiden still und liegen stumm

Auf den Altarstufen herum

 

Die Nummernanzeige nimmts schwer

Sie fühlt sich unnütz und so leer

Und auch das Altarmikrofon

Vermisst schon sehr den guten Ton.

 

Die Bänke laden ein zum Sitzen

Doch niemand darf sie recht benützen

Unfähig dass sie sich sehr wehrt

Ist jede zweite abgesperrt.

 

Und nicht zuletzt die Orgelpfeifen

Können es gar nicht recht begreifen

Dass niemand mehr zu ihrem Klingen

Von Herzen laut und falsch will singen.

 

So bitte ich den Lieben Gott:

Ach hilf uns doch in unserer Not!

ich will auch brav und artig sein

und immer alle Leut‘ erfreun.

 

Und ich beklage mich nie wieder

Dass immer nur dieselben Lieder

Im Gottesdienst Verwendung finden,

die frohe Botschaft zu verkünden.

 

dass Leute, für die Gottesdienst

grundsätzlich etwas Fades ist

sich gerne unterhalten möchten

und aus meinen Bänder Zöpfchen flechten

 

 

Auch ist es eine harte Sache

Wenn manchmal ich zu Boden krache

Da kriege ich Buch-Rücken-Weh

Doch das vergeht – ist schon o.k.

 

Dass kleine Kinder in mich beissen

Dass Seiten durch Gebrauch verschleißen

Das nehm‘ ich gerne jetzt in Kauf

Nur schlagt mich bitte wieder auf.

 

Berührt und streichelt meine Seiten

Die euer Singen wolln begleiten.

Weil leises Flirten mit den Noten

Ist auch bei Covid nicht verboten.

 

Spürt nach der Melodie des Lebens

Der Hoffnung, die niemals vergebens.

Nehmt mich zur Hand, das Herz singt laut

Die Lieder die euch so vertraut

 

Bei euch daheim macht’s ebenso:

Singt laut in Küche, Gang und Klo

Und hör’ns auch nur im Bad die Fliesen

Lasst Euch das Dasein nicht vermiesen.

 

Und wenn es auch noch dauern mag

Ich freu mich schon auf jenen Tag

Wo viele Stimmen laut erklingen

Und fröhlich Halleluja singen!

 

 

Angelika Paulitsch, Febr 2021, Foto: Burghard Ebenhöh

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