Saturday 28. March 2020

Gedanken zum 4. Fastensonntag

Schwanenstadt, Rüstorf am 22.3.2020

Liebe Pfarrangehörige

Meine Tante, eine Klosterschwester, hat immer gesagt: „Selten ein Schaden, wo kein Nutzen dabei ist.“ Ein Satz für Optimisten oder einer für Menschen, die auch etwas anderes als eine Krise sehen können?

 

Im Evangelium vom 4. Fastensonntag öffnet Jesus dem Blinden die Augen. Bitten auch wir Jesus darum, dass er uns die Augen öffne, dass wir unsere Sinne wach halten, und aus einem verständnisvollen und liebenden Herzen heraus Antwort auf die Herausforderungen dieser Zeit geben. So kann sich das „Reich Gottes“, das ist wie ein Netzwerk, in dem Gerechtigkeit, Solidarität, Aufmerksamkeit, Nächstenliebe, Friede, Zusammenhalt … gelebt werden, trotz widriger Umstände weiter ausbreiten. Auch du bist eine wichtige Verbindung in diesem Netzwerk.

Ich wünsche euch allen Mut, Zuversicht, Vertrauen!

 

Zum Evangelium vom 4. Fastensonntag

Lesen Sie sich zuerst einmal das Evangelium vom 4. Fastensonntag (siehe auch unten).

Im Johannesevangelium, im 9. Kapitel, Vers 1+2, lesen wir:

„Jesus sah einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?“

Es kann doch nicht der Wille Gottes sein, dass ein unschuldiges Baby einfach so mit Blindheit gestraft wird. Wer ist schuld? Selber kann es nicht schuld sein, also ist es wer anders.

Oder manchmal fragen sich auch Menschen: „Was habe ich getan, dass mich Gott mit so einer Krankheit bestraft? Dass er meine Frau, meinen Mann, mein Kind sterben lässt, dass wir von so einer Katastrophe heimgesucht werden?“ Auch im Buch der Psalmen hören wir betende Menschen, die darüber klagen, dass es Ungerechte gibt, die mit Gesundheit und Reichtum gesegnet sind, und andrerseits gerechte und fromme Menschen, die von grausamen Schicksalsschlägen heimgesucht werden.

Die Frage ist wohl so alt wie Menschen mit Gott in Beziehung stehen. Doch darauf gibt es auch schon im Alten Testament, im Buch Hiob eine Antwort: Man kann nicht einfach sagen: Leid ist die Strafe Gottes für begangenes Unrecht. Wir erleben, dass Naturkatastrophen gleichermaßen über Gerechte und Ungerechte hereinbrachen. Die Natur ist weder gerecht noch ungerecht.

Natürlich gibt es auch Leid, Katastrophen, die von einer Zivilisation, von einzelnen Menschen verursacht werden. Doch das ist nicht das Thema dieser Heilungserzählung.

 

Jesus jedenfalls gibt zur Antwort: „Weder der Blinde noch seine Eltern haben gesündigt , sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.“ Es geht hier nicht um die Schuldfrage, sondern um Heilung. In diesem Fall bringt Jesus Licht in die Welt, konkret: er heilt den Blinden, gibt ihm das Augen-Licht wieder. Jesus öffnet dem Blinden die Augen.

Jesus versteht hier Blindheit in einem doppelten Sinn, auch im übertragenen Sinn. Auch wir sind manchmal wie blind: in der Früh, wenn ich noch müde bin; wenn ich mitten am Tag vor mich hin träume; wenn ich anderen Gedanken nachhänge; blind vor Wut; blind vor Schmerz; wenn ich ein "Brett vor dem Kopf habe“, mich viele Sorgen und Probleme überwältigen, wenn ich keinen Ausweg sehe …

 

Jesus hat den Blinden geheilt, ihm die Augen geöffnet. Öffnet Jesus auch mir die Augen? Ja, man muss es selbst wollen, sich an der Botschaft, am Handeln Jesu zu orientieren.

  • Die Liebe zur Schöpfung Gottes öffnet mir die Augen für Blumen, Bäche, Tier und Mensch.
  • Die Bereitschaft zu helfen, öffnet mir die Augen für die vielfältige Not von Menschen.
  • Toleranz steht gegen den Fanatismus. Sie öffnet die Augen für Andersdenkende und erweitert den Horizont.
  • Verzicht und Zufriedenheit öffnen die Augen für Glück!
  • Der Blick auf den Tod öffnet die Augen zum Leben!
  • Gebet und Hinwendung zu Gott öffnen die Augen des Herzens!
  • Liebevolle Zuwendung öffnet die Augen für Auswege aus der Einsamkeit!
  • Bereitschaft zum Reden öffnet die Augen für Auswege aus Problemen!

Was öffnet Dir die Augen?

Oder, wie Helen Keller, die blinde Schriftstellerin sagt: „Ob Liebe blind macht,

weiß ich nicht. Aber, dass Liebe sehend gemacht hat, habe ich an mir und anderen tausendmal erfahren.“

Möge die verkündete und gelebte Botschaft Jesu von der Liebe gerade auch in Zeiten wie diesen unser Leitfaden, unsere Orientierung und Ausrichtung sein, uns die Augen öffnen. Sie lässt unser Leben sinnvoll bleiben.

 

Gott bewahre deine Seele und dein Gemüt in der Liebe.

Gott segne dich, beschütze dich und alle deine Lieben!

Er schenke dir seinen Frieden!

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

Amen.

 

Werden wir den Palmsonntag, die Karwoche und Ostern feiern?

Seit Freitag, 20.3.20 wissen wir, dass die COVID19 Maßnahmen bzw. Einschränkungen bis einschließlich Ostersonntag verlängert wurden.

Aber wer sagt, dass wir Ostern nicht zu einem späteren Zeitpunkt feiern können, dann, wenn die Krise vorbei ist? Der Ostersonntag ist kein historischer Termin. Es ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling. Das erste gemeinsame Fest nach der Krise: „Auferstehung feiern!“ Wir werden sehen.

Und die Weihe der Palmbuschen?

Macht auf alle Fälle eure Palmbuschen! Zu gegebener Zeit gebe ich auf der Pfarrhomepage bekannt, wie, wann und wo die Segnung sein kann. Bitte um Geduld.

 

Herzlich grüßt

Helmut Part, Pfarrer

 

 

Evangelium: Joh 9, 1-41

Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit 1sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war. 2Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde? 3Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden. 4Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann. 5Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

6Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen 7und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

8Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte? 9Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.

10Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden? 11Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen.

12Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht.

13Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern. 14Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.

15Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen. 16Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.

17Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.

18Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten 19und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann?

20Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde. 21Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen. 22Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Messias bekenne, aus der Synagoge auszustoßen. 23Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst.

24Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist. 25Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann. 26Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet? 27Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden?

28Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose. 29Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt. 30Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet. 31Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. 32Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat.

33Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können. 34Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.

35Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn? 36Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube. 37Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es. 38Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder. 39Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.

40Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind? 41Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.

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