Dienstag 23. Oktober 2018

"Wohin steuert Papst Franziskus uns als Kirche"

Das ist Papst Franziskus.

Wenn die Kirche so wird wie er sie denkt und will,

wird sich eine Epoche ändern.

Eugenio Scalfari, La Republica, 3.10.2013

 

"Wir haben noch viel zu tun, und wir müssen es gemeinsam tun."

Film und Vortrag geben Einblick in das Wirken von Papst Franziskus

 

Viele Menschen sind begeistert von Papst Franziskus: Von seinem Mut und seiner erfrischend anderen Lebensweise. Doch was sind seine zentralen Anliegen und wohin will er die Kirche führen? Dass diese Frage viele Menschen bewegt, zeigt der regelrechte Ansturm auf den Film: "Papst Franziskus - ein Mann seines Wortes" von Wim Wenders.

Und Paul Zulehner zeigt in dem rhetorisch und inhaltlich "begeisternden" Vortrag auf, dass hier tatsächlich eine neue Ära für uns als Kirche begonnen hat.

 

Kirche und Welt brauchen Veränderung. Es ist eine bewusste Entscheidung, dass sich der Jesuit Jorge Mario Bergoglio als erster Papst den Namen Franziskus gibt: Vor 800 Jahren hat der Hl. Franziskus das Evangelium radikal gelebt und damit Antworten zur Erneuerung der Kirche gegeben. Ist dieses Beispiel für eine neue Brüderlichkeit unter den Menschen nicht genau das, was heute in Kirche und Gesellschaft gebraucht wird?

 

Eine wichtige Säule für diese Veränderung ist das Zweite Vatikanische Konzil. Franziskus sieht das Konzil noch nicht implementiert in der Kirche, in der Welt von heute. Laut Zulehner ist Papst Franziskus fest entschlossen, die Konzilsreformen voranzubringen. Dazu sind drei Bereiche wesentlich:

 

Der persönliche Lebensstil der Kurie, der als Vorbild für die Gläubigen und damit für uns alle dienen soll. Nur in einer armen Kirche ist Jesus zu Hause - wir in den reichen Ländern sollen alle ein wenig ärmer werden. Der Papst selbst wohnt im Gästehaus, fährt mit einfachen Autos, stellt sich in der Schlange an, trägt schlichte Gewänder. Das macht ihn für viele Menschen sympathisch.

 

Der zweite Bereich ist die politische Einmischung. Dies ist nicht parteipolitisch zu verstehen, sondern politisch parteilich mit der Frage: Wofür stehen wir in der Welt? Zulehner zitiert Bischof Hämmerle: "Wir sind nicht auf Erden als Christen, um in den Himmel zu kommen, sondern, dass der Himmel jetzt schon zu uns kommt - in Spuren wenigstens. Dass die Welt ein bisschen gerechter, menschlicher, friedvoller wird. Jesus wollte keine Kirche gründen, er wollte eine Bewegung auslösen, dass die Welt menschlicher wird, mit dem Auftrag an seine Nachfolger, sich dafür einzusetzen: Ihr seid das Salz der Erde. Das ist die Aufgabe der Kirche."

 

Papst Franziskus verurteilt mutig und klar die ungleiche Verteilung der Güter, die eine Situation sozialer Sünde schafft und damit so vielen Brüdern und Schwestern die Möglichkeit eines erfüllten Lebens vorenthält: "Diese Wirtschaft tötet." Er sagt nicht DIE Wirtschaft, sondern DIESE Wirtschaft tötet. Sie tötet Menschen und sie tötet „unsere Mutter Erde“. 2015 gibt er - im Dialog mit der Wissenschaft - die Enzyklika Laudato si' über die Sorge für das gemeinsame Haus und zur Bewahrung der Schöpfung heraus. Diese Enzyklika ist richtungsweisend für eine Wirtschaft, die den Menschen in den Mittelpunkt stellt und so agiert, dass unsere Kinder noch auf der Welt leben können.

 

Papst Franziskus versteht sich als Friedensstifter. Er geht auch in gefährliche Gebiete, denn Waffen schaffen keinen Frieden - nur Gerechtigkeit schafft Frieden. Symbolhaft ist, dass seine erste Auslandsreise nach Lampedusa geführt hat - zur Begegnung mit Bootsflüchtlingen. Er sagt: "Wir müssen auf der Hut sein vor der traurigen Gefahr der Globalisierung der Gleichgültigkeit, dass wir das Leid des anderen als etwas annehmen, das normal ist."

 

Der dritte Bereich sind die innerkirchlichen Reformen:

Auch hier findet Franziskus sehr klare Worte für die Missstände in der Kirche und besonders im Klerus. Schon 2012 sagt Carlo Maria Martini, Anwärter für das Papstamt 2005, kurz vor seinem Tod, die katholische Kirche agiere noch wie vor 200 Jahren. "Unsere Kirchen sind groß und leer, unsere Bürokratie wird immer größer, unsere Bräuche sind aufgeblasen und unsere Gewänder pompös." Martini meint, wir müssen in der Zeit ankommen, nicht um uns an die Zeit anzupassen, sondern um das Evangelium verkünden zu können. Die Grundlage dafür muss das Zuhören sein. Kardinal Kasper sagt z. B. in einer Rede zur Situation Wiederverheirateter: "Brüder vergesst nicht, wir sind alte Männer und unbetroffen. Keiner ist verheiratet, keiner geschieden, keiner ist wiederverheiratet. Wie wollen wir wissen, was in dieser Situation das Evangelium mit den Menschen macht?"

In Vorbereitung ist ein Dokument, dass vor jeder Synode eine Befragung gemacht werden muss: Man darf nur dann pastoral beraten, wenn man vorher hingehört hat.

 

Letztlich geht es um eine Veränderung der gesamten pastoralen Kultur – von der Sünde zur Wunde. Franziskus spricht vom verwundeten Menschen, von der verwundeten Natur. Vom Gerichtssaal zum Feldlazarett: Was braucht ein Mensch, was braucht die Welt zur Heilung? Vom Moralisieren zum Heilen. Vom Gesetz zum Gesicht.

 

Zur Feier der Eucharistie zitiert Zulehner einen Gedanken von Papst Benedikt: Was geschieht am Kreuz? Da wird Gewalt in Liebe umgewandelt. Bei der Eucharistie fließt diese gewandelte Liebe durch das Brot in uns hinein und damit in unsere Gemeinschaft. Zulehner: "Schätzungsweise gehen in Österreich rund 800.000 Menschen an einem Sonntag zur Eucharistie. Wenn da wirklich Wandlung geschieht, ist am Montag das Land anders. Doch ist es das? Darin liegt die eigentliche Schwäche der Kirche: dass wir Gott nicht gestatten, uns zu wandeln. Und zwar so, dass die Welt menschlicher wird durch uns."

 

Es ist eine hoffnungsvolle Botschaft, die von diesem Mann aus Südamerika ausgeht. Eine Botschaft, die die Welt von heute braucht! Paul Zulehner gelingt es meisterhaft, die vielen Facetten von Papst Franziskus mit Hintergrundinformationen und Querverbindungen in klarer Sprache und mit Humor zu vermitteln. Die Worte, Bilder und Taten fallen in der Pfarre Schwanenstadt auf fruchtbaren Boden - viele Menschen, die berührt, ermutigt und verwandelt weggehen!

 

Und für alle, die nicht dabei waren oder noch einmal nachhören möchten: Auf der Website von Paul Zulehner gibt es den Vortrag von Schwanenstadt und viele andere Infos. (www.zulehner.org)

 

 

Text: Andrea Froschauer-Rumpl, Bilder: Johnny Köttl

 

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