Wednesday 3. March 2021

Nostra Aetate - Wie die Kirche über ihren Schatten sprang

 

Was die Bischöfe da beschlossen haben, kann getrost als Sensation bezeichnet werden. Die "Erklärung über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen" ist das kürzeste Dokument des Konzils, bezeichnet aber einen "Quantensprung" in der Kirchengeschichte.

 

Ursprünglich wollte man nur eine Stellungnahme zum Judentum abgeben - die Kirche hatte ja mit dem jahrhundertealten Vorwurf an die Juden als "Jesusmörder" keinen geringen Anteil am Antisemitismus; und die Judenvernichtung im 3. Reich lag noch nicht einmal 20 Jahre zurück. Erst im Lauf der Diskussionen wurden die anderen Religionen mit hineingenommen.

 

Man muss bedenken, dass die Kath. Kirche bisher in ihrer Lehre vertreten hat, dass nur Menschen, die zu ihr gehören, das Heil erlangen können. Am härtesten formulierte es das Konzil von Florenz im 15. Jh.: 

 

"Die heilige römische Kirche glaubt fest, bekennt und verkündet, dass niemand außerhalb der katholischen Kirche, weder Heide noch Jude noch Ungläubiger oder ein von der Einheit Getrennter - des ewigen Lebens teilhaftig wird, vielmehr dem ewigen Feuer verfällt, das dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist, wenn er sich nicht vor dem Tod ihr anschließt."

 

Jetzt dagegen sagen die Bischöfe über Hinduismus, Buddhismus und die anderen Religionen: "Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist." (NA 2). Die Muslime werden "mit Hochachtung betrachtet" und wichtige Elemente ihres Glaubens anerkannt.

 

Wichtige theologische Klarstellungen bringt der Text gegenüber dem Judentum: 


1. Das Judentum wird als das erwählte Volk Gottes anerkannt und die Anfänge des Glaubens der Kirche liegen im Alten Testament. 


2. Christus und die Apostel waren Juden. 


3. Die Juden sind (obwohl sie Christus nicht angenommen haben), noch immer von Gott geliebt und nicht verworfen. 


4. Man kann den Tod Jesu "weder allen damals lebenden Juden ohne Unterschied noch den heutigen Juden zur Last legen." 


5. Christus hat den Tod auf sich genommen, "damit alle das Heil erlangen".

 

Zum Schluss wird noch einmal betont: "Deshalb verwirft die Kirche jede Diskriminierung eines Menschen oder jeden Gewaltakt gegen ihn um seiner Rasse oder Farbe, seines Standes oder seiner Religion willen, weil dies dem Geist Christi widerspricht."

 

Die Bedeutung dieses kleinen Dokumentes geht weit: Die Kath. Kirche hat sich aus der Isolation der Ablehnung der anderen Religionen befreit. Sie hat damit eine Basis gelegt, auf der sie den anderen Religionen auf Augenhöhe begegnen kann. Heute redet die Kirche mit anderen Religionen statt über oder gegen sie.

 

Die Kirche hat gewagt, über ihren Schatten zu springen und ein Thema, das jahrhundertelang "erledigt" war, mit neuen Augen zu sehen und zu ganz anderen Ergebnissen zu kommen. Man kann es nicht bestreiten: Hier hat die Kirche ihre Lehre fundamental geändert. Das macht Mut auch für heute ...

 

Martin Brait

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