Dienstag 24. Oktober 2017
Pfarre Schardenberg

Die Zukunft der Kirche

Etwa 80 Personen folgten der Einladung zum Podiumsgespräch am Donnerstag, 5. Oktober ins Pfarrheim Esternberg. Auf dem Podium eingeladen waren: Bischof Manfred Scheuer, Frau Edeltraud Addy-Papelitzky (Sprecherin des Pastoralrates der Diözese Linz), Frau Katharina Mairinger (Religionslehrerin) und Herr Clemens Gumpenberger (Kinderarzt und PGR-Obmann). Das Gespräch leitete Herr Josef Wallner von der Kirchenzeitung der Diözese Linz.

 

In der Einleitung stellte Hr. Josef Wallner gleich in den Raum: Wenn wir von der Zukunft der Kirche sprechen, werden wir zwangsläufig in der Kirche auch mit der Vergangenheit konfrontiert.

 

An die 4 Podiumsgäste stellte er die Frage:

Wie sieht eine Kirche aus, die mich freut?

 

Mairinger: Die Zukunft der Kirche sollte eine Theologie der Liebe sein, die auf Beziehung setzt. Besonders im Religionsunterricht in der Schule kann dies sehr ehrlich gefragt und gesagt werden. Der Dialog mit Andersdenkenden ist sehr wichtig; wir müssen Beziehung mit „anderen“ aufbauen.

 

Gumpenberger: Die Kirche muss Räume öffnen, wo man Heimat schaffen kann.  3 Punkte, die mir an der Kirche Freude bereiten werden: Die Pastoral muss über dem Kirchenrecht stehen. (Das Recht ist für den Menschen da). Es ist eine pastorale Notwendigkeit, Laien Pfarrleitung mit Letztkompetenz zuzugestehen. Die Kirche muss die Sprache der Menschen von heute sprechen. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau muss auch in der Kirche gelebt werden. Die Kirche sollte Vorreiterin für die Frauenrechte sein.

 

Bischof Scheuer: er hat seine Herkunft, seine Jugendzeit in den 70er Jahren in der Kirche als sehr schön erlebt, das Ministrieren – wo auch viele Freundschaften entstanden sind und diese in der Gemeinschaft gelebt wurden. Die Diözesanleitung hat einen Zukunftsprozess Kirche 2030 geplant, in dem verschiedene Bereiche wie Caritas, Bildung, Spiritualität, Glaubenskommunikation, zeitgemäße Strukturen, Liturgie, Sakramente und Kirchenjahr reflektiert werden. Er betont auch, dass GOTT selber die Zukunft der Kirche ist. „Diese Zukunft müssen wir neu werden.“

 

Addy-Papelitzky: Eine Kirche, die Freude macht, muss die Buntheit der Gesellschaft ernst nehmen; Menschen und Umstände sind verschieden, man soll sich um die Menschen im Gesamten kümmern, liebevoll und neugierig auf die Menschen zugehen, denen die Luft ausgeht. Wir sind als Kirche nicht mehr hoheitlich, sondern mitten in der Gesellschaft, wo wir uns für die Menschen am Rand zu Wort melden müssen. Ein Miteinander von Freiwilligen und Freigestellten (miteinander über den Glauben reden, miteinander beten, in jedem einzelnen Menschen die Spuren Gottes entdecken).

 

Anschließend an diese Runde waren alle anwesenden Gäste eingeladen, Fragen zu stellen. Ein anregendes Gespräch ist entstanden, bzw. viele Anfragen an den Bischof sind gestellt worden.  Im Besonderen hat die Leute folgendes bewegt:  

  • das bestehende Kirchenrecht wird mit der heute erforderlichen Pastoral in Frage gestellt;
  • der Zölibat als Pflicht für die Priester wird in Frage gestellt;
  • Diakone sollen mehr Kompetenzen erhalten;
  • ausländische Priester in unseren Gemeinden tun sich oft schwer mit der Sprache und unserer Kultur;
  • es gibt viele Berufungen, doch sind sie oftmals mit dem Kirchenrecht nicht vereinbar;
  • das Diakonat der Frauen, die Gleichstellung von Mann und Frau in der Kirche muss umgesetzt werden bzw. auch die Durchsetzung der Menschenrechte, die in der Verfassung verankert sind;
  • es braucht vermutlich neue Formen, die Frauen können nicht die Fußstapfen der Männer nehmen;
  • der Wunsch der Menschen, dass die Bischöfe ihre persönliche Überzeugung sagen, auch wenn sie von der offiziellen Linie abweicht;
  • was meint der Papst, wenn er zu den Bischöfen und Priestern sagt: Traut euch was?
  • der Rückgang der Priesterberufe, bzw. der immer leerer werdenden Pfarrhöfe, die Ängste der Menschen, ohne Sakramente bzw. Gottesdienste (Taufe, Hochzeiten, Beerdigung) auskommen zu müssen;
  • Wie können die verschiedenen Lebensübergänge ohne Priester vor Ort gefeiert werden?
  • Wie schaut die künftige Personalplanung aus? Derzeit haben die Priester schon mindestens zwei Pfarren zu betreuen;
  • Beichte und Bußandachten im Gegensatz, oder als Zusammenwirken in der Gemeinde?
  • Der Wunsch nach geistlicher Begleitung der Freiwilligen und Ehrenamtlichen, die in jeder Gemeinde wertvolle Arbeit leisten.

 

Die Antworten sind ebenso vielfältig, wie die Fragen. Jede Veränderung braucht in der Kirche viel Zeit. In verschiedenen Bereichen sind auch Anpassungen und Veränderungen vorstellbar. Wichtig und Gut ist es, dass über die Zukunft der Kirche so offen diskutiert werden kann, jeder seine Meinung kundtun kann, bzw. auch auf bischöflicher Ebene diese Offenheit gegeben ist. Man ist dankbar, dass in unserer Gegend bzw. in unserer Diözese vieles möglich ist.

 

Auch im Bezug auf Frauen im kirchlichen Dienst ist in den letzten Jahren vieles gewachsen. Die Sprache in den Gottesdiensten sollte eine Sprache sein, die von allen gesprochen wird, wenn Texte verändert werden, wird oftmals nicht mehr mitgebetet. Jedenfalls sollten gemeinsame Formeln gesprochen werden, vielleicht auch mehr Stille, Musik und Rituale einsetzen.

 

Wir sollen uns immer wieder rückbesinnen auf Jesus, dieses Erinnern an die „Vergangenheit“ brauchen wir, damit wir im „Heute“ leben und in die „Zukunft“ denken können. Im Bezug auf die ausländischen Priester wurde der Vergleich mit anderen Berufen gemacht, in denen wir auch auf Personal aus dem Ausland angewiesen sind (Bau, Pflege …). Man kann durchaus von ihnen lernen. Bei der Personalplanung wird man vermehrt in „Räumen“ denken müssen. Eine Schule, ein Kinderarzt ist meist auch für eine Region zuständig. Auch im öffentlichen Bereich geht der Trend vermehrt in die Richtung Kooperation (Gemeinden).

 

Wenn wir in Zukunft in unseren Gemeinden christliches Leben teilen, wird es diese Feiern vor Ort (Taufe, Begräbnisse, Hochzeiten…) weiterhin geben. Es ist uns allen ein Anliegen, wir sind alle Christen, wir wissen, es gibt was, aber es ist noch nicht da! (Idee nicht greifbar)

 

In der angeregten Diskussion konnte man immer wieder die verschiedenen Spannungen und Richtungen heraushören, die es gibt. Es wird die Aufgabe sein, erstens, diese Gespräche aufrechtzuerhalten, und neu suchen, wie wir das Evangelium heute leben können.

Der Bischof erklärt in seinem Abschlussstatement, das es seine Aufgabe sei, die Kirche zusammenzuhalten mit all den verschiedenen Spannungspolen.

 

Nach dem Podiumsgespräch wurde im Foyer bei einem Glas Wein oder Bier noch weiterdiskutiert, sich ausgetauscht und Gemeinschaft gepflegt.

 

 

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