Mittwoch 28. Juni 2017

Pfarrkirche

 

Von der Filialkirche zur Pfarrkirche!

1334, am 21. März, verkaufte Herr Hagen von Spielberg dem Stift St. Florian eine Hube zu Oetzleinsdorf in der „St. Oswalds pfarr“.(12) Auch in den Jahren 1335, 1340 und 1341 sprechen die Urkunden von einer Pfarre des hl. Oswald.(13) Dabei handelt es sich aber nicht um eine Pfarre im kirchenrechtlichen Sinn, wohl aber um einen zur Pfarre Lasberg gehörenden Seelsorgesprengel zwischen dem Keferbach und dem Stampfenbach – mit einer eigenen Kirche und einem eigenen Friedhof.
In St. Oswald gab es auch eine eigene Pfarrschule: Aus dem Jahre 1625 ist im Landesarchiv eine Schrift über die „Verrichtungen und das Einkommen des Schulmeisters von St. Oswald“ erhalten.(14)
Die Kirchenrechnungen sind seit dem Jahr 1652 und die Pfarrmatriken seit 1656 vorhanden. Die Taufen, Hochzeiten und Begräbnisse fanden also in St. Oswald statt.
An den Festtagen und zu den meisten Sonntagsgottesdiensten mussten aber die St. Oswalder – mit Ausnahme der Zeit der protestantischen Prädikanten von 1589 bis 1623 – bis zur Pfarrerrichtung im Jahr 1698 – zur Pfarrkirche nach Lasberg gehen. Dort wohnte auch der Pfarrer, der den Filialsprengel St. Oswald seelsorglich mitbetreut hat, zuerst allein und dann seit 1519 hauptsächlich durch einen Hilfspriester.
Schon 1570 wandten sich die Oswalder an den Vogteiherrn von Zelking, ihren Seelsorgesprengel zu einer Pfarre zu erheben. Zur Begründung wurde angeführt:
1) Der Ort zählt bereits 48 Häuser.
2) Wegen der weiten Entfernung zur Pfarrkirche müssen manche ohne Sakramente sterben.
3) Außerdem sei St. Oswald schon früher eine eigene Pfarre gewesen.
Wilhelm Zelking hat dieses Ansuchen sehr unterstützt. Doch weder das Stift als Lehensherr und Patron, noch der zuständige Bischof in Passau ließen sich dafür gewinnen, weil sie aus Erfahrung wussten, dass die Zelkinger auch in St. Oswald einen protestantischen Prädikanten einschleusen wollten.
Im gleichen Jahr, 1570, sollte Georg Reiser Pfarrer in Lasberg werden. 1571 hat er geklagt, „dass der Herr von Zelking der Messe wegen sehr gehässig sei, keinen Messpfaffen dulden wolle und nach Belieben einen Pfarrer aufnehmen werde“. Das hat er schließlich auch getan, indem er eigenmächtig einen Prädikanten eingesetzt hat.
Bis 1623 verlangten nun die Zelkinger von den Bewerbern einen Revers, wo sie sich verpflichteten, dass sie sich „in allem der evangelischen Lehre gemäß verhalten und keine Abgötterei wie die Messe gebrauchen und dass sie Ihrer Gnaden (Vogtei Zelking) als ihre von Gott habende Obrigkeit in gebührenden Ehren, Respekt und Gehorsam erhalten wollen“.
Von 1571 bis 1623 hat dadurch das Stift St. Florian jeden Einfluß auf seine Pfarre Lasberg und deren Filialkirche St. Oswald verloren. Daher wurden in diesem Zeitraum die Gottesdienste und Predigten aufgrund der Weisungen der Zelkinger nach der Lehre Martin Luthers gehalten. (15) Eigenmächtig setzte Wilhelm von Zelking 1589 den ehemaligen Zisterziensermönch Paulus Treppa in St. Oswald als Prädikanten ein.
Die Oswalder kauften das Haus im Markt 51 und stellten es ihm als „Pfarrhäusl“ zur Verfügung. Außerdem gaben sie ihm jährlich 40 Gulden und die Hälfte der St. Oswalder Stola. Die zweite Hälfte und die jährliche Naturaliensammlung mussten die Oswalder weiterhin dem ebenfalls protestantischen Pfarrer in Lasberg geben, der sich weiterhin als Hauptseelsorger betrachtete. Der Ertrag dieser Naturaliensammlung war: 20 Metzen Korn, 20 Metzen Hafer, 135 Riedl Flachs und 274 Eier.(16)  
Das Verhältnis zwischen den beiden vom Vogtherrn Hans Wilhelm von Zelking eingesetzten evangelischen Pastoren war wenig mitbrüderlich. Der Pfarrer Johann Adamberger von Lasberg beschwerte sich über seinen in St. Oswald wohnenden und wirkenden Gesellpriester Paulus Treppa: „Dieser tut alles gegen meine Bemühungen. Er wiegelt die Leute gegen mich auf, dass ich in und außer der Kirche meines Lebens nicht mehr sicher bin.“(17)
Als Nachfolger von Paulus Treppa wirkten in St. Oswald die Prädikanten Johann Abel, Herr Konrad und Leonhard Fuessenegger.
In dieser Zeit wurde an der Nordseite der Sakristei im Jahr 1608 eine Tür ausgebrochen und ein Renaissance-Granittürgericht eingesetzt. Am Türsturz ist die Jahreszahl 1608 zu sehen. Bei der Kirchenerweiterung von 1909/10 wurde dieses Türgericht in den neugotischen Vorbau eingesetzt.

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(12) OÖ. UB VI. S. 115
(13) Stiftsarchiv St. Florian, Urk. v. 11. Juni 1335, Kirchenweihchronik
(14) Mus.-Archiv Linz, Hs. 88, Jahr 1625.
(15) Dr. Franz Linninger, Reichsgottesarbeit in der Heimat, 1954, Verl. Stiftsbuchhandlung St. Florian, S. 94
(16) Gestionsprotokoll St. Oswald, S. 32
(17) Stitsarchiv St. Florian, Lasberg, Fasz. I, Lit. A, Nr. 13 a.

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